Lange schien das Geschäft von Berenberg nur einen Weg zu kennen: nach oben. Während links und rechts Traditionshäuser ihre Eigenständigkeit verloren, ging die Hamburger Traditionsbank einen eigenen Weg. Sal. Oppenheim landete nach Milliardenverlusten im Handelsgeschäft bereits 2010 bei der Deutschen Bank. Trinkaus & Burkhardt gehörte seit Jahrzehnten zum HSBC-Konzern und ist inzwischen Teil von BNP Paribas. Hauck & Aufhäuser wurde zunächst von Fosun übernommen, schluckte das Bankhaus Lampe – und landete 2025 selbst bei der niederländischen ABN Amro.
Berenberg hingegen blieb unabhängig und setzte in Hamburg konsequent auf Investmentbanking, Eigenkapital und Börsengänge – und führte zahlreiche Mid Caps aufs Parkett. Ob deren Kurse sich danach immer so vorteilhaft entwickelten, ist eine andere Frage. Aber vieles lief an der Alster sicherlich gut. Ein zentraler Architekt des Erfolgs war der ehemalige Bankchef Hendrik Riehmer.
Daher kam es Mitte Juni sehr überraschend, dass die Bafin wegen bilanzieller Ungereimtheiten eingriff. Riehmer, einst auch als „Wolf of Jungfernstieg“ tituliert, ist seither Geschichte und hat sogar seine Anteile an der Bank abgegeben. Was geschehen ist, wie tief die Krise reicht und was sie für das (Firmen-)Kundengeschäft bedeutet, zeigt die Titelgeschichte unserer druckfrischen Ausgabe. Diese ist heute schon als E-Paper verfügbar.
Was wird aus den Big Four?
Unser zweiter Schwerpunkt widmet sich den Wirtschaftsprüfern. Wir haben uns in diesem Jahr die Großen ebenso vorgenommen wie ihre Herausforderer. Bei den Dax-Mandaten liegen die Big-Four-Häuser PwC, KPMG, EY und Deloitte klar vorn, doch zunehmend kristallisieren sich sogar die Big Two heraus. Die Prüferrotation sorgt für bizarre Verhältnisse.
Gleichzeitig bringen sich die Verfolger in Stellung: RSM Ebner Stolz, BDO, Rödl, Forvis Mazars, Baker Tilly und Grant Thornton. Alle gehören jeweils einem eigenen globalen Netzwerk an, alle versprechen internationale Betreuung nach denselben Qualitäts- und Prüfungsstandards wie die Großen. Kurz: Sie haben denselben Anspruch wie die Big Four, nur mit deutlich geringeren Umsätzen zwischen 260 Millionen und mehr als 500 Millionen Euro. In der Regel beraten sie jedoch eher mittelständische Unternehmen. Wir haben analysiert, wie die Next Six wachsen wollen. Spoiler: Private Equity spielt dabei keineswegs immer eine Rolle.
Private Equity muss sich neu erfinden
Die Private-Equity-Branche selbst steckt derweil mitten in einer Transformation. Die alten Rezepte des Financial Engineering mit günstigen Krediten und Buy and Build funktionieren nicht mehr. Selbst etablierte Anbieter legen deshalb teilweise keine neuen Fonds mehr auf. Warum sich nun die Spreu vom Weizen trennt – und was PE-Fonds ändern müssen, um unter den neuen Bedingungen erfolgreich zu sein –, lesen Sie in der neuen Ausgabe.
Und zum Schluss noch ein Termin: Die Corporate-Finance-Branche trifft sich im September in Oberursel bei der diesjährigen Dealsourcing. Auch zahlreiche FINANCE-Redakteure sind als Moderatoren vor Ort. Kommen Sie vorbei und diskutieren Sie mit uns und anderen Marktteilnehmern über die Entwicklungen rund um Value Creation, Deals und Restrukturierungen.
Info
Wie die Zinswende Vonovia unter Druck setzt, wie Miele seine Transformation gemeistert hat und welche SDax-CFOs am meisten verdienen – diese und viele weitere spannende Themen finden Sie in der neuen Ausgabe des FINANCE-Magazins, die ab sofort als E-Paper erhältlich ist.
Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach seinem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut wechselte er zur F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von FINANCE und DerTreasurer. Für seine journalistische Arbeit, insbesondere zu Private Equity und M&A, wurde er mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.
