M&A-Deals: Nestlé, Mann+Hummel, Uhlsport

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Nestlé-Chef Philipp Navratil treibt den Portfolioumbau voran und trennt sich vom Vitamingeschäft. Foto: Nestlé
Nestlé-Chef Philipp Navratil treibt den Portfolioumbau voran und trennt sich vom Vitamingeschäft. Foto: Nestlé

Nestlé stößt Vitamingeschäft für eine Milliarde ab

Nestlé treibt seine Portfoliofokussierung weiter voran. Der Schweizer Lebensmittelkonzern verkauft sein Geschäft mit Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Sparte geht für eine Milliarde Dollar an den US-Finanzinvestor Yellow Wood Partners, wie die Schweizer mitteilen. Zum Portfolio des Bereichs gehören unter anderem Marken wie Nature’s Bounty und Osteo Bi-Flex sowie das US-Geschäft mit Handelsmarken. Laut Nestlé-Chef Philipp Navratil wolle sich der Konzern künftig gezielt auf wettbewerbsstarke Bereiche fokussieren.

Für Yellow Wood Partners ist es der sechste Carve-out seit 2019. Der Investor hat bereits fünf Mal Konzernteile globaler Konsumgüterunternehmen wie Bayer, Unilever und Reckitt erworben. Der Abschluss der aktuellen Transaktion soll dem Unternehmen zufolge bis zur ersten Hälfte des Jahres 2027 erfolgen.

VTC übernimmt Membranbioreaktortechnologie von Mann+Hummel

Im Zuge eines Carve-outs trennt sich Mann+Hummel von seinem Geschäftsbereich Membranbioreaktortechnologie. Käufer ist VTC, eine auf mittelständische Unternehmen in der DACH-Region spezialisierte Beteiligungsgesellschaft. Zum veräußerten Bereich gehört die international etablierte Technologieplattform BIO-CEL, mit der Mann+Hummel Membranlösungen für kommunale und industrielle Abwasserbehandlung und Wasserwiederverwendung entwickelt und liefert. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

VTC plant, den Geschäftsbereich als eigenständiges Unternehmen weiterzuentwickeln. Der Investitionsfokus des Käufers liegt auf Geschäftsmodellen, die profitables Wachstum mit messbarem Ressourcenschutz verbinden. Die strukturell steigende Nachfrage nach sauberem Wasser und effizienter Wasseraufbereitung gilt dabei als zentraler Wachstumstreiber.

Für Mann+Hummel, das im Geschäftsjahr 2025 mit mehr als 20.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro erwirtschaftete, ist der Schritt Teil einer Portfoliobereinigung. RSM Ebner Stolz begleitete Mann+Hummel mit finanzwirtschaftlicher und steuerlicher Transaktionsberatung aufseiten des Verkäufers.

Schweden übernehmen Traditionsmarken Uhlsport und Kempa

Der schwedische Textilkonzern New Wave Group kauft den Sportartikelhersteller Uhlsport aus Balingen und übernimmt dabei 100 Prozent der Anteile. Die Eigenständigkeit innerhalb der New Wave Group werde Uhlsport behalten. Die Transaktion soll nach Angaben des schwedischen Konzerns bis Anfang Oktober abgewickelt werden. Zu Uhlsport gehören gleich zwei Traditionsmarken: „Uhlsport” und „Kempa”, die Bekleidung und Ausrüstung für Teamsportarten, insbesondere Fußball und Handball, vertreiben.

Die New Wave Group, die über ihre Sportmarke Craft Vereinbarungen mit rund 5.000 Vereinen in Europa hält, wolle durch den Zukauf ihr Sortiment breiter aufstellen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Uhlsport einen Umsatz von rund 67 Millionen Euro, schrieb dabei jedoch einen geringfügigen Verlust.

Weitere M&A-Deals

Goldbeck setzt auf Expertise aus den USA. Das deutsche Familienunternehmen gründet gemeinsam mit M.A. Mortenson Company ein Joint Venture. Das Joint Venture soll Goldbecks Expertise im seriellen und systematisierten Bau mit der Marktkenntnis und den Projektabwicklungsfähigkeiten von Mortenson verbinden. Ziel ist es, den industrialisierten Bau in den USA ab 2027 voranzutreiben. Die Kanzlei Latham & Watkins beriet Goldbeck bei dem Deal.

Der spanische HR-Softwareanbieter Factorial schluckt Empion, die Berliner KI-Personalmanagementfirma von Gründerin Annika von Mutius. Empion bietet ein KI-gestütztes Headhunting-System, das Unternehmen und Personal auf Basis von Unternehmenskultur, Persönlichkeit und Fähigkeiten zusammenbringt. Einen Kaufpreis nannten beide Seiten nicht. Factorial zufolge steigt durch die Akquisition der wiederkehrende Umsatz um mehrere Millionen Dollar. Die Spanier integrieren Empion vollständig ins eigene System. Die Gründerin von Mutius rückt ins Führungsteam des Käufers auf. Für Factorial, zuletzt mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet, ist der Zukauf Teil einer gezielten Expansionsstrategie im europäischen HR-Markt.

Trelleborg greift nach M+R Dichtungstechnik: Der schwedische Polymerspezialist übernimmt den Seligenstädter Profilhersteller vom österreichischen Kautschukkonzern Semperit. Signing und Closing erfolgten am 1. September 2026. M+R erzielte zuletzt mit rund 20 Mitarbeitern einen externen Umsatz von 7,4 Millionen Euro. Externer Umsatz beschreibt dabei den Umsatz, den kundenfremde Dritte außerhalb des Unternehmens erzielt.

M&A-Berater-News

Osborne Clarke eröffnet zum 1. September ein neues Büro in Frankfurt am Main. Mit dem Schritt möchte die internationale Wirtschaftskanzlei ihre Präsenz „in einem der wichtigsten europäischen Finanzzentren” erweitern. Hintergrund sei auch die steigende Nachfrage seitens der Mandanten nach Unterstützung bei Private Capital und Finanzierungstransaktionen in Europa, dem Vereinigten Königreich, den USA und Asien.

Mit der Eröffnung des neuen Büros geht auch ein personeller Neuzugang einher: Johannes Goossens wechselt zum 1. September 2026 als Partner zu Osborne Clarke. Zuvor war er bei White & Case tätig, wo er als Local Partner in der globalen Private-Equity– und M&A-Praxis arbeitete. Goossens verfügt über umfangreiche Expertise in Private-Equity- und M&A-Transaktionen und ist spezialisiert auf den Finanz- und Technologiesektor sowie grenzüberschreitende Deals. Die Büroeröffnung fällt mit dem 25-jährigen Bestehen der Wirtschaftskanzlei in Deutschland zusammen.

Nicolas Bender ist seit dem 1. September 2026 neuer Managing Director in der Consumer Gruppe bei Lincoln International. Er wird künftig von München aus den europäischen Food & Beverage Bereich bei der US-Investmentbank ausbauen. Bender bringt langjährige Erfahrung aus diesem Sektor mit, die er beim Finanzdienstleister Raymond James gesammelt hat. Zuvor arbeitete er unter anderem bei der Investmentbank Alantra und dem Big-Four-Haus PwC. Mit seinem Wechsel zur Lincoln International wächst die European Consumer Group eigenen Angaben zufolge auf sechs Managing Directors an.

Deals in Verhandlung

Hugo Boss hat sein Aktienrückkaufprogramm, das es erst vor wenigen Tagen gestartet hatte, bis auf Weiteres gestoppt. Das Programm war eine direkte Reaktion auf die Ankündigung der britischen Frasers Group, ihren Anteil am schwäbischen Modekonzern auf mehr als 50 Prozent zu erhöhen. Im Juni dieses Jahres hatte Frasers vergeblich versucht, Hugo Boss für zwei Milliarden Euro zu übernehmen.

Nach Ansicht von Analysten der Schweizer Großbank UBS hat der plötzliche Stopp taktische Gründe: Jede zurückgekaufte Aktie würde den Frasers-Anteil, der inzwischen bei 48 Prozent liegt, automatisch weiter erhöhen. Hugo Boss erklärte, eine Wiederaufnahme des Programms zu gegebener Zeit zu prüfen.

Alle zuständigen Wettbewerbsbehörden haben die Fusion von Bertelsmanns Musiktochter BMG mit dem US-Rivalen Concord freigegeben. Das zusammengeführte Unternehmen soll unter dem Namen BMG zur weltweiten Nummer vier der Musikindustrie hinter Universal, Sony und Warner werden. Bertelsmann hält künftig 67 Prozent am neuen Unternehmen, der Pensionsfonds des US-Bundesstaats Michigan als bisheriger Concord-Eigner erhält 33 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 1,16 Milliarden Dollar. Parallel sichert sich Bertelsmann über eine Vereinbarung mit dem Vermögensverwalter Apollo rund 1,1 Milliarden Euro Eigenkapital, für das Apollo eine Minderheitsbeteiligung an einem Teil des BMG-Rechteportfolios erhält.

Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero haben das Übernahmeangebot von Uber offiziell empfohlen. Der gebotene Preis von 41,50 Euro je Aktie sei angemessen und fair, teilte das Berliner Unternehmen mit. Das Angebot entspricht einer Prämie von rund 35 Prozent auf den Dreimonatsdurchschnittskurs vor der Veröffentlichung der Angebotsabsicht Mitte Juli. Die Annahmefrist läuft vom 27. August bis zum 5. November. Ein Bieterwettbewerb gilt als ausgeschlossen: Uber hält bereits rund 53 Prozent der Anteile, gesichert durch eigene Aktien und eine bindende Zusage des Großaktionärs Prosus.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.