M&A-Deals: Cheplapharm, Vossloh, Heidelberg Materials

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Cheplapharm schnappt sich 20 Sanofi-Präparate und drei Produktionsstandorte, der französische Konzern steigt dafür als Anteilseigner ein. Foto: David - stock.adobe.com
Cheplapharm schnappt sich 20 Sanofi-Präparate und drei Produktionsstandorte, der französische Konzern steigt dafür als Anteilseigner ein. Foto: David - stock.adobe.com

Cheplapharm übernimmt Sanofi-Portfolio und drei Produktionsstandorte

Cheplapharm und Sanofi bauen ihre seit 2014 bestehende Zusammenarbeit zu einer strategischen Partnerschaft aus. Das Greifswalder Pharmaunternehmen übernimmt vom französischen Konzern 20 Arzneimittel sowie drei Produktionsstandorte in Ungarn, Singapur und Frankreich mit insgesamt 565 Beschäftigten. Als Gegenleistung erhält Sanofi eine Beteiligung von 26,4 Prozent an Cheplapharm. Über einen darüber hinausgehenden Kaufpreis haben die Parteien keine Angaben gemacht. Cheplapharm erzielte 2025 einen Umsatz von 1,66 Milliarden Euro.

Kernstück des Deals ist der Blutgerinnungshemmer Lovenox, der an allen drei zu übertragenden Standorten produziert wird und künftig das umsatzstärkste Präparat im Cheplapharm-Portfolio sein soll. Für das Unternehmen bedeutet die Transaktion einen strategischen Schwenk: Bislang operierte Cheplapharm weitgehend nach einem „Asset-light“-Modell mit ausgelagerter Produktion. Mit dem Zukauf integriert es erstmals eigene Fertigungskapazitäten in nennenswertem Umfang.

Sanofi nutzt die Transaktion, um sein Portfolio weiter auf innovative Medikamente zu konzentrieren. Die Übertragung der Produktportfolios soll im ersten Quartal 2027 beginnen, der vollständige Abschluss ist für das dritte Quartal 2027 geplant. Die Kanzlei Latham & Watkins beriet Cheplapharm bei der Transaktion.

Vossloh baut digitales Portfolio mit RTI aus

Mit der Übernahme von Rail Technology International treibt Vossloh den Ausbau seines digitalen Geschäfts weiter voran. Das australische Unternehmen mit Sitz in Melbourne ist auf automatisierte Schieneninspektion spezialisiert. Eigens entwickelte Software übernimmt die Visualisierung und Auswertung der Messdaten. RTI entstand 1988 und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Parteien Stillschweigen.

Für Vossloh ergänzt der Zukauf die bestehende Instandhaltungskompetenz um Daten- und Analysetechnologie. Die Transaktion reiht sich dabei in eine Serie digitaler Zukäufe ein: Erst im August hatte Vossloh mit Cordel ein Unternehmen übernommen, das eine Methode zur Abstands- und Geschwindigkeitsmessung sowie zur Erstellung präziser, dreidimensionaler Karten anbietet. Mit RTI baut der Konzern nun auch seine Präsenz in Australien aus.

Heidelberg Materials expandiert in Peru

Heidelberg Materials erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an Cementos Inka, einem peruanischen Zementhersteller in Familienbesitz. Das 2007 gegründete Unternehmen betreibt zwei Mahlwerke mit einer Jahreskapazität von insgesamt 1,3 Millionen Tonnen sowie zwei Transportbetonwerke. Die Standorte liegen nahe Lima und Pisco und bieten Zugang zu Häfen für Rohstoffimporte. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. Die Transaktion bedarf keiner behördlichen Genehmigung und soll bis Oktober 2026 abgeschlossen sein.

Der Zukauf fügt sich in die Handelsstrategie von Heidelberg Materials ein: Cementos Inka bezieht Zwischenprodukte aus dem globalen Handelsnetz des Konzerns und verarbeitet sie an eigenen Standorten weiter. Diese sogenannte „Asset-light“-Struktur sorgt dafür, dass die Übernahme nach Konzernangaben bereits im ersten Jahr positiv auf alle Finanzkennzahlen wirkt. Bewertet wird die Transaktion auf Basis des erwarteten Ebitda 2026 mit einem Multiple von rund 6.

Als Wachstumstreiber nennt Heidelberg Materials die steigende Nachfrage nach Wohnraum, Infrastruktur und Industrieflächen in Peru. Cementos Inka beschäftigt rund 270 Mitarbeiter.

Weitere M&A-Deals

Die Wiener Börse erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung von 80 Prozent an North Data, einer Hamburger Plattform für europäische Firmendaten. Das Unternehmen aggregiert Informationen zu 100 Millionen privaten Firmen aus 26 Ländern, gespeist aus mehr als 160 öffentlichen Quellen wie Handelsregistern und EU-Datenbanken. Mit dem Zukauf will die Wiener Börse ihr Datenangebot über das klassische Börsengeschäft hinaus erweitern. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Kanzlei Hengeler Müller berät Investoren und Gesellschafter von North Data bei der Transaktion.

Kübler Workwear wechselt den Eigentümer: Der italienische Sicherheitsschuh- und Workwear-Anbieter U-Power übernimmt den deutschen Arbeitskleidungsspezialisten mit Sitz in Plüderhausen bei Stuttgart. Das Familienunternehmen ist seit mehr als 70 Jahren tätig und vor allem im deutschsprachigen Raum verankert. Mit dem Zukauf will U-Power seine Position im europäischen Markt für Workwear und persönliche Schutzausrüstung ausbauen. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. Der Vollzug ist für das erste Quartal 2027 geplant. PwC Legal beriet die Verkäuferseite bei der Transaktion.

Zwei Zahnarztgruppen fusionieren: Mydent übernimmt GPNZ, eine der größeren unabhängigen zahnmedizinischen Versorgungsgruppen in Deutschland mit 19 Praxen, einem Dentallabor und einem Krankenhaus sowie rund 380 Beschäftigten. Gemeinsam betreiben beide Gruppen künftig rund 30 Standorte in Deutschland. Der Zusammenschluss zielt auf weiteres Wachstum in einem stark fragmentierten Markt. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Alantra beriet bei dem Deal auf der Verkäuferseite.

RWE baut seine Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion weiter aus: Der Konzern erwirbt weitere 3 Prozent an der Beteiligungsgesellschaft M31, die rund drei Viertel der Anteile an Amprion hält, und erhöht damit die Beteiligung auf rund 58 Prozent. Bereits Mitte Juni hatte RWE seinen Anteil auf 55 Prozent aufgestockt. Mit dem regulierten Netzgeschäft will RWE sein Portfolio neben Erneuerbaren Energien und Batteriespeichern weiter diversifizieren.

Vogel Communications Group greift im Fachmedienmarkt zu und übernimmt zum 1. Januar 2027 die Industriesparte von Carl Hanser. Zum Paket gehören sieben Fachzeitschriften aus den Bereichen Automotive, Kunststofftechnik und Qualitätssicherung samt zugehörigen Webportalen und Newslettern. Die Titel sollen beim WIN-Verlag in München gebündelt werden.

Deals in Verhandlung

BASF treibt den geplanten Börsengang seiner Agrarsparte voran: Der Konzern hat Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan als globale Koordinatoren für das IPO von Agricultural Solutions mandatiert. Die Notierung an der Frankfurter Wertpapierbörse ist laut BASF für Mitte 2027 geplant. Das Agrargeschäft erzielte 2025 einen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro. Eine endgültige Entscheidung über Zeitpunkt und Durchführung des Börsengangs steht noch aus.

Der Bielefelder Hemden- und Blusenhersteller Seidensticker hat einen strukturierten Verkaufsprozess eingeleitet. Gesucht wird demnach ein strategischer Investor, der frisches Kapital einbringt. Über die Anteilshöhe macht das Unternehmen keine klaren Angaben: Einem Bericht des Manager Magazins zufolge soll ein Mehrheitseigner gesucht werden. Seidensticker selbst widerspricht dem und erklärt, der Ausgang sei „völlig offen“.

Der Spirituosenhersteller Berentzen aus Haselünne könnte in US-amerikanische Hände wechseln. Das Unternehmen bestätigte Verhandlungen über ein Übernahmeangebot des Alkoholherstellers Sazerac aus New Orleanse. Bloomberg hatte zuvor über das Interesse berichtet. Die Berentzen-Aktie legte nach der Meldung um rund sieben Prozent zu. An der Börse wird das Unternehmen derzeit mit rund 33 Millionen Euro bewertet. Berentzen kämpft mit einer anhaltenden Absatzflaute. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr 2026 um gut elf Prozent auf 71 Millionen Euro. Die Jahresprognose senkte das Unternehmen zuletzt auf 151 bis 156 Millionen Euro nach zuvor 163 bis 173 Millionen Euro. Über den möglichen Kaufpreis und den Stand der Verhandlungen ist bislang nichts bekannt.

M&A-Gerüchteküche

Der für diesen Herbst geplante Börsengang von KNDS dürfte sich zum zweiten Mal verschieben, wie die „Börsen-Zeitung“ berichtete. Die Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens sollen nicht bereit sein, den Leopard-Panzerhersteller unterhalb einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro an die Börse zu bringen. In Gesprächen mit institutionellen Investoren habe sich zuletzt gezeigt, dass diese den geforderten Mindestpreis nicht zu zahlen bereit seien.

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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