Die britische Frasers Group hat die Kontrolle über Hugo Boss übernommen. Das geht aus einer Stimmrechtsmitteilung des Modekonzerns hervor. Demnach besitzt Frasers nun 50,08 Prozent der Stimmrechte. Zuvor hatte ihr Anteil noch bei 48,80 Prozent gelegen. Damit kann die britische Gruppe alle Beschlüsse auf Hauptversammlungen, wie etwa Gewinnverwendung oder Entlastung des Vorstands, künftig allein entscheiden.
Frasers übernimmt Mehrheit nach gescheitertem Angebot
Anfang Juni 2026 hatten die Briten den Aktionären 38 Euro je Aktie geboten. Der Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss hatten den Aktionären in einer Stellungnahme von Anfang Juli empfohlen, das freiwillige Übernahmeangebot abzulehnen. Der Angebotspreis spiegele den Wert und das Wertschöpfungspotential von Hugo Boss nicht angemessen wider.
Das Angebot wurde von rund 17,6 Prozent der Aktionäre angenommen. Zusammen mit dem bereits gehaltenen Paket von rund 30 Prozent verfehlte Frasers die Mehrheit damit knapp. Am 1. September kündigte die Gruppe an, die 50-Prozent-Schwelle durch weitere Zukäufe überschreiten zu wollen. Dieses Ziel hat Frasers nun erreicht.
Umbauphase und Umsatzrückgang bei Hugo Boss
Der Einstieg von Frasers als Mehrheitsaktionär fällt in eine schwierige Phase für den MDax-Konzern. Hugo Boss richtet sich derzeit im Rahmen von „Claim 5 Touchdown“ strategisch neu aus. Das im Dezember 2025 angekündigte Programm soll die nächste Phase des nachhaltigen und profitablen Wachstums beim Modekonzern einleiten und verfolgt drei Ziele: den Markenwert stärken, die Qualität im Vertrieb verbessern und die Abläufe effizienter gestalten. Mittel- bis langfristig zielt die Strategie auf eine Ebit-Marge von rund 12 Prozent und einen durchschnittlichen jährlichen Cashflow nach Leasingzahlungen von rund 300 Millionen Euro bis 2028.
Derzeit ist Hugo Boss von diesen Zielen noch weit entfernt. Im zweiten Quartal 2026 vermeldete das Metzinger Modehaus einen Umsatzrückgang von 10 Prozent auf 905 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro, wodurch sich die Ebit-Marge auf rund 6,5 Prozent reduzierte. Besonders schwach war das Geschäft in den Kernmärkten Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
Im Rahmen des Strategieprogramms rechnet Hugo Boss selbst mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang für 2026. Ab 2027 soll der Umsatz wieder wachsen, heißt es vom Unternehmen.
Seit 2020 an Hugo Boss beteiligt
Die Frasers Group ist schon seit mehreren Jahren an Hugo Boss beteiligt. Im Jahr 2020 stieg der britische Konzern mit 5,1 Prozent ein und baute seinen Anteil in den folgenden Jahren aus. 2025 wurde Frasers größter Anteilseigner.
Die Frasers Group ist mehrheitlich im Besitz des britischen Milliardärs Mike Ashley. Zu den bekanntesten und wichtigsten Marken des Konzerns zählen die Einzelhandelskette Sports Direct und Beteiligungen, etwa am Online-Modehändler Asos.