Das durch die Russlandkrise in finanzielle Not geratene Modehaus Laurèl geht offenbar auf die Gläubiger seiner 20 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe zu. So erklärte Dirk Reichert, Geschäftsführer des Unternehmens, nach der heutigen ersten Gläubigerversammlung, Laurèl könne sich vorstellen, den Investoren zusätzliche Sicherheiten zu gewähren. Reichert stellt auch Bonuszahlungen in Aussicht, um die Gläubiger für den in diesem Jahr drohenden Zinsverzicht zu entschädigen. Die in der Höhe nicht näher spezifizierten Zusatzzahlungen sollen aber erst ab November 2018 greifen.
„Die Sanierung ist alternativlos. Gleichzeitig wollen wir uns den Vorstellungen der Investoren nicht verschließen“, begründete Reichert die Annäherung an die Gläubiger. Laurèl hat laut eigenen Aussagen in Russland alleine im Wholesale-Geschäft in den vergangenen zwei Jahren rund 3 Millionen Euro Rohertrag pro Jahr verloren und kann deshalb die Finanzlast aus der Bondfinanzierung eigenen Angaben zufolge nicht mehr stemmen.
Laurèl: Bonuszahlungen für Gläubiger ab 2018?
Mitte August hatte das Modehaus bekanntgeben müssen, dass die Russlandkrise eine Restrukturierung der mit 7,125 Prozent verzinsten Anleihe notwendig machen würde. Laurèl schlug zunächst eine Verlängerung der Laufzeit des Papiers um drei Jahre vor, außerdem sollen die Gläubiger auf die diesjährige Zinszahlung verzichten und anschließend geringere Zinsen erhalten als ursprünglich vereinbart. Neben der Bondrestrukturierung sucht Laurèl auch nach Investoren, die das Eigenkapital der Bayern stärken könnten.
Die Restrukturierungspläne des Modehauses waren jedoch sofort auf Widerstand getroffen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die Deutsche Investoren Union sowie das Beratungshaus One Square Advisory bemängelten, dass die Gläubiger ohne Kompensationsleistung Zugeständnisse machen sollten.
Jetzt sieht das Laurèl-Management offenbar ein, dass auch die Eigentümer ihren Teil zur Gesundung des Unternehmens beitragen müssen. Zu dieser Sicht sei Laurèl durch Gespräche mit Christian Gloeckner gelangt, der als gemeinsamer Vertreter für die Anleihegläubiger kandidiert. Gloeckner hat genaue Vorstellungen, wie die Kompensation aussehen könnte: Ab November 2018 sollen die Bondholder 50 Prozent von Laurèl Vorsteuergewinn als nachträglichen Bonus für den Zinsverzicht erhalten. Zudem soll die Zinszahlung bis 2020 auf 8 Prozent ansteigen und weiterhin die Bonuszahlung beinhalten.
Laurèl-Gläubigerversammlung ohne Ergebnis
Laurèls Gläubigerversammlung selbst blieb ohne Ergebnis, die für eine Beschlussfähigkeit notwendige Präsenz von 50 Prozent der ausstehenden Schuldverschreibungen wurde nicht erreicht. Laurél lädt nun voraussichtlich bis spätestens Ende Oktober zu einer zweiten Versammlung ein. Dort würden dann bereits 25 Prozent der ausstehenden Schuldverschreibungen genügen, um eine Entscheidung über die Restrukturierung zu fällen. Bis dahin dürfte auch der für September erwartete Jahresabschluss 2014/15 vorliegen.
Die Anleihe von Laurèl hat in den vergangenen Wochen stark eingebüßt. Sie war von knapp unter 35 Prozent im Juni auf zwischenzeitlich 15 Prozent gefallen. Derzeit notiert das Papier bei 20 Prozent.
Info
Wie es um die anderen kriselnden Mini-Bonds steht, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.
Jakob Eich ist Chef vom Dienst des Printmagazins FINANCE und arbeitet parallel für das Schwestermedium DerTreasurer. Beide Publikationen gehören zum Fachverlag F.A.Z Business Media, bei dem der gebürtige Schleswig-Holsteiner auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Erste journalistische Erfahrungen sammelte der Journalist in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost.
