Stadtwerke kommen immer schwerer an Kredite

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Immer mehr Versorger müssen auf erneuerbare Energien setzen. Besonders die Stadtwerke, die noch stark abhängig von konventioneller Stromerzeugung sind, geraten zunehmend unter Druck.
moodboard/iStock/Thinkstock/ Getty Images

Stadtwerke haben es immer schwerer, sich zu finanzieren. Zwar bleiben Insolvenzen wie in Gera vorerst Einzelfälle. Doch immer mehr Kommunalversorger haben so schwache Finanzrelationen, dass sie nicht mehr den Stempel „Investmentgrade“ bekommen können. Zu diesem Ergebnis kommt die Ratingagentur Scope, die die Kreditqualität von 30 Stadtwerken auf Basis öffentlicher Daten untersucht hat. Es handelt sich um kommunale Versorger mit unterschiedlichen Umsatzgrößen, aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichen Integrationsgrad.

Über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre ist die Entwicklung dramatisch: Trotz eines Umsatzwachstums von rund 2 Prozent ist die Profitabilität, gemessen am Ebitda, im Schnitt um 4 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die absolute Verschuldung gestiegen. „Die abnehmende Profitabilität aus dem Kerngeschäft, geringere Cashflows aus Beteiligungen sowie die zunehmende Außenfinanzierung schlagen sich entsprechend negativ in zum Teil deutlich negativen Free Cashflows nieder“, sagt Scope-Analyst Sebastian Zank. Der Leverage habe sich im Mittel von 2,0x auf 3,4x erhöht. Besonders für Stadtwerke mit Ergebnisbelastungen aus Anlagen zur konventionellen Stromerzeugung gelte dieser Trend. „Das ist aus Ratingsicht eine sehr negative Entwicklung“, ergänzt Zank.

Banken nicken Stadtwerke-Finanzierungen nicht mehr einfach ab

Früher seien die Stadtwerke die Cashcows für viele Kommunen gewesen. Angesichts negativer freier Cashflows müssten die Ausschüttungen an die Kämmerer inzwischen zum Teil aber komplett fremdfinanziert werden.

Fremdkapitalgeber prüfen deshalb Stadtwerke inzwischen deutlich kritischer. „Stadtwerke mit Beteiligung an konventioneller Stromerzeugung mit der Aussicht auf sich nicht kurzfristig erholende Stromgroßhandelspreise liegen zum Teil deutlich im Non-Investmentgrade-Bereich“, sagt Zank. Es gebe aber viele Stadtwerke, besonders diejenigen ohne eigene Erzeugung, die besser dastehen.

Scope: Stadtwerke-CFOs achten auf schnelle Rentabilität

Banken nicken Finanzierungen aufgrund der Gemengelage nicht mehr so einfach ab wie früher. „Stadtwerke brauchen eine ausgewogene Finanzierung“, betont Sebastian Zank. Zum Instrumentarium, das spannender wird, zählt etwa der Schuldschein. Dieser steht bei herkömmlichen Unternehmen derzeit ebenfalls hoch im Kurs. In Einzelfällen haben Stadtwerke auch schon Anleihen emittiert. Allerdings fehlt den allermeisten die kritische Größe für einen Bond. Zudem verfügen nur wenige bisher über ein öffentliches externes Rating. Analyst Zank glaub aber, dass durch die diversifizierte Finanzierung der Anteil der gerateten Versorger zunehmen wird. „Investoren drängen darauf, dass Emittenten entsprechende Ratings vorlegen“, sagt er.

Nicht alle Entwicklungen sind negativ. Lediglich Einzelfälle weisen alarmierende Finanzkennzahlen auf, heißt es in dem Report. „Etliche haben den Trend erkannt und reagieren inzwischen“, sagt Zank. Die Ausschüttungspolitik werde zunehmend überprüft. Bei Investitionen achten die Stadtwerke-CFOs auf eine schnellere Rentabilität. Dabei steht etwa die Kraftwärmekoppelung hoch im Kurs. Alte, nicht profitable Segmente oder Kraftwerke legen sie hingegen still.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Info

2. Stadtwerke-Finanzforum
Spannendes rund um die Finanzierung von Stadtwerken diskutieren Teilnehmer am 3. Dezember 2015 im Rahmen des 2. Stadtwerke-Finanzforums in Köln. Sprecher auf der Veranstaltung sind unter anderen Alexander Fromme (Leiter Finanzen bei STEAG), Hans-Günther Meier (Vorstand Personal und Finanzen der Stadtwerke Düsseldorf), Carsten Finke (Leiter Konzernfinanzierung der LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft) sowie Dr. Klaus Weimer (Geschäftsführer der Stadtwerke Iserlohn). Auch Scope-Analyst Sebastian Zank nimmt an einer Diskussionsrunde teil. Zum Programm und zur Anmeldung der Veranstaltung von „FINANCE“ und der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ geht es hier.

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach seinem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut wechselte er zur F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von FINANCE und DerTreasurer. Für seine journalistische Arbeit, insbesondere zu Private Equity und M&A, wurde er mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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