Rund um die bevorstehende Übernahme der Commerzbank durch Unicredit schießen die Gerüchte ins Kraut. Fest eingeplant scheint bereits die Demission von Vorstandschefin Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidemann. Über das Wann und Wie der Nachfolge wird in den Medien derweil wild spekuliert.
Dabei ins Visier geraten ist Michael Diederich. Er wurde in Medienberichten zwischenzeitlich als neuer Commerzbank-Chef gehandelt. Der ehemalige HVB-Chef und FC-Bayern-CFO hat bekanntlich vor ziemlich genau einem Jahr bei der Deutschen Bank als Co-Chef der Corporate Bank angeheuert.
Was folgte, war eine fast beispiellose Rochade: Zunächst wurde bekannt, dass Co-Chef David Lynne die Bank in die Rente verlässt. Sein Nachfolger Ole Matthiessen räumte den Posten, kaum dass er ihn angetreten hatte, im März dieses Jahres wieder – und hat inzwischen bei Standard Chartered angedockt. Mehr oder weniger im selben Atemzug kündigte Jan-Philipp Gillmann als wichtiges Gesicht für den deutschen Markt seinen Abgang an; er leitet nun bei BNP Paribas als Co-CEO das hiesige Corporate and Institutional Banking (CIB).
Halbwegs stabilisiert hat sich die Lage bei der Deutschen Bank offenbar erst mit dem neuen Führungsduo aus Michael Diederich und Gerald Podobnik, dem früheren CFO der Unternehmensbank. Über die Gründe für das Personalkarussell wird gemunkelt. Klar ist: Bei der Deutschen Bank werden solche rasanten Quereinsteiger wie Diederich intern nicht unbedingt mit Begeisterung empfangen – zu viele hatten sich selbst Hoffnungen auf den Posten gemacht.
Umso bizarrer wäre es gewesen, wenn nun auch Diederich nach nur einem Jahr die Bank wieder verlassen hätte. Dass es nicht dazu kommen soll, will die F.A.Z. dieser Tage aus Finanzkreisen erfahren haben.
Ein Wechsel Diederichs hätte Sinn ergeben
Vorstellbar wäre das Szenario allemal gewesen. Diederich hat als ehemaliger HVB-CEO mit Unicredit-Chef Andrea Orcel bereits eng zusammengearbeitet. Die Aussicht, die wohl spannendste Bankenfusion des deutschen Markts maßgeblich zu gestalten, dürfte auch für den als ehrgeizig bekannten Diederich höchst verlockend gewesen sein – ein krönender Karrierehöhepunkt für den 61-Jährigen.
Zugleich hätte ein erneuter Abgang seiner Reputation kaum gutgetan, und an der Deutschen Bank wäre ein ordentlicher Makel hängen geblieben. Denn kaum ein CFO hätte nachvollziehen können, was es mit dem beispiellosen Wechselspiel in der Unternehmensbank auf sich hat.
So darf weiter munter spekuliert werden, wer von Andrea Orcels Gnaden die neue Commerzbank führen darf. Ganz aus den Augen verlieren sollte man Diederich dabei allerdings nicht.
Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach seinem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut wechselte er zur F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von FINANCE und DerTreasurer. Für seine journalistische Arbeit, insbesondere zu Private Equity und M&A, wurde er mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.
