„Darauf werde ich jetzt natürlich nicht antworten, aber dass ich jetzt hier sitze, erübrigt die Frage wohl auch“, sagt Stefan Beismann und schmunzelt. Hier, das ist der Frankfurter Westend Tower in Frankfurt am Main. Und es ist zugleich die Antwort eines Spitzenbankers, der von einem Journalisten zu seinen Wechseln zwischen dem genossenschaftlichen und dem Sparkassenlager gefragt wird.
Entspannt sitzt der Manager an einem runden Tisch in einem kleinen Konferenzzimmer. Weißes Hemd, blaues Sakko und das dunkle Haar ordentlich zu rückgekämmt, dazu ein Lächeln auf den Lippen. Der 47-Jährige wirkt auf den ersten Blick ebenso zugewandt wie souverän – kein Zweifel, die Zentrale der DZ Bank ist sein Home Turf und Beismann der natürliche Führungstyp.
Ganz unbeeinflusst ist der Top-Banker, der im Verlauf seiner Karriere die Arbeit auf beiden Seiten kennengelernt hat, freilich nicht. Zum Zeitpunkt des Gesprächs ist er bereits Leiter des Zentralbereichs Firmenkunden des genossenschaftlichen Spitzeninstituts. Dort rückt der 47-Jährige mit dem heutigen 1. August in den Vorstand auf und übernimmt damit die Rolle des scheidenden Firmenkundenchefs Uwe Berghaus, der 2016 durch die Fusion von der WGZ zur DZ Bank kam und sich nach mehr als 20 Jahren bei den Genossen Ende Juli in den Ruhestand verabschiedet.
Einstieg bei DZ Bank ist Rückkehr zu den Wurzeln
Beinahe ebenso lang ist es her, dass auch Nachfolger Stefan Beismann zum ersten Mal den Fuß über die Schwelle eines genossenschaftlichen Spitzeninstituts gesetzt hat. Nach dem BWL-Studium an der Berufsakademie Mannheim zieht es Beismann im Jahr 2001 zur DZ Bank, wo er als Firmenkundenbanker im Laufe der Jahre verschiedene Branchen und Regionen betreut, sich hocharbeitet und ab 2016 die Firmenkunden-Region Nord & Ost von Hamburg aus leitet.
Doch den Banker zieht es fort, vom hohen Norden zurück in die Mitte Deutschlands, von der Elbe an den Neckar. Dort wechselt er vom angestammten blauen ins rote Lager: Im Dezember 2018 steigt Beismann als Vorstand bei der Sparkasse Heidelberg ein. Doch sechs Jahre später, im Juli 2024, bricht er seine Zelte dort schließlich ab und kehrt im September desselben Jahres zu den Genossen zurück als Nachfolger von Stephan Ortolf in der Rolle des Zentralbereichsleiters Firmenkunden der DZ Bank.
Offenbar zum perfekten Zeitpunkt, wie sich schnell herausstellt: Nur zwei Monate nach seiner Rückkehr ernennt ihn die Bank mit Wirkung zum Jahresbeginn zum Generalbevollmächtigten und designierten Firmenkundenvorstand. Für den Banker, der mit seiner Familie in Mainz lebt, ist dies ein weiterer großer Karrieresprung.
Beismanns Herausforderungen im Firmenkundengeschäft
Doch mit dem Schritt ist zugleich eine große Aufgabe verbunden angesichts der anhaltenden Schwäche der Wirtschaft und der Unsicherheit in den Märkten durch die globalen Verwerfungen. Diese spiegeln sich auch im Geschäft der Geldhäuser mit ihren Firmenkunden wider. So konnte die DZ Bank im vergangenen Geschäftsjahr im Segment Verbund- und Geschäftsbank, in dem das Firmenkundengeschäft der Genossen angesiedelt ist, zwar Zuwächse beim Zins- und Provisionsüberschuss von 4,7 und 16 Prozent verbuchen, in Summe brach das Vorsteuerergebnis des Segments jedoch um mehr als die Hälfte auf 468 Millionen Euro ein.
„Unser Fokus liegt auch weiterhin klar auf dem inlandsbezogenen Auslandsgeschäft.“
Stefan Beismann, DZ Bank
Der Grund dafür sind neben einem niedrigeren Beitrag des Handelsgeschäfts vor allem die zuletzt stark gestiegenen Kosten für die Risikovorsorge. Diese hatte sich, wie DZ-Bank-CEO Cornelius Riese bei der Präsentation der Bilanz für 2024 einräumte, nicht zuletzt wegen des hohen Engagements der DZ Bank bei der strauchelnden Baywa im Vergleich zum Vorjahr nahezu vervierfacht – auf 457 Millionen Euro.
Mit der Aufstellung des Firmenkundengeschäfts seiner Bank kann Beismann dennoch zufrieden sein. Seit seinem Weggang 2018 hat sich dort viel getan, und der Umsatz des Segments hat sich im Vergleich zu damals verdoppelt.
DZ Bank hat Auslandsgeschäft im Fokus
Einen Grund zum Ausruhen sieht er dennoch nicht und will etwa das bislang eher kleine Auslandsgeschäft der Genossen weiter ausbauen, inklusive der Eröffnung neuer Standorte wie aktuell Vietnam. „Unser Fokus liegt allerdings auch weiterhin klar auf dem inlandsbezogenen Auslandsgeschäft“, betont Beismann. Gemeint ist, die hiesigen Firmenkunden, von denen ein Großteil aus dem Mittelstand kommt, bei ihren Geschäften im Ausland zu begleiten. Gerade Vietnam sei aufgrund der räumlichen Nähe zu China und weiterer Standortvorteile zuletzt stärker in das Blickfeld deutscher Unternehmen gerückt.
Punkten will Beismann mit seinem Team dabei unter anderem durch eine Erweiterung des Funding-Kreises und der Produktbasis. Die Konkurrenz durch andere internationale Finanzinstitute in den Zielländern sieht der zukünftige DZ-Firmenkundenvorstand dabei entspannt; er setzt bei seiner überwiegend mittelständischen Kundschaft aus Deutschland auf den Hausbankvorteil der Genossen. „Bankprodukte sind letztlich immer austauschbar, was aber in schwierigen Zeiten zählt, ist ein tiefes Kundenverständnis“, ist er überzeugt.
„Bankprodukte sind letztlich immer austauschbar.“
Stefan Beismann, DZ Bank
So haben ausländische Banken wie etwa die großen amerikanischen Player bei deutschen Mittelständlern in der Regel keinen großen Footprint. „Wir können beispielsweise das Cash Management für unsere Kunden gut darstellen und bieten ein angemessenes Pricing“, ist Beismann überzeugt. Wenngleich die Bank kein „billiger Jakob“ sein will.
DZ Bank kommt in der M&A-Beratung voran
Ein weiteres Feld, in dem Beismann die positive Entwicklung der vergangenen Jahre weiter vorantreiben will, ist die Nachfolgefinanzierung, DZ-typisch ebenfalls mit Fokus auf den Mittelstand. „Bei M&A decken wir mit unserem Portfolio schon jetzt die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Anbahnung über die Akquisitionsfinanzierung bis hin zu den Anlagemöglichkeiten für die Verkäufer“, sagt er. Dafür sorgen soll vor allem die Nähe der Genossen zu den Kunden, gepaart mit der hauseigenen Branchenexpertise. „Wichtig ist, dass wir als Bank beispielsweise bei Nachfolgefragen auch proaktiv mit einer Idee auf unsere Kunden zugehen können“, erläutert der Firmenkundenchef.
Diese Strategie scheint bei den Kunden durchaus anzukommen: Im aktuellen FINANCE Banken Survey 2025 ist der DZ Bank bei der Frage nach den führenden Banken in der M&A-Beratung mit einer Platzierung auf Rang 11 in diesem Jahr der Einzug ins Ranking geglückt. Dieser Bereich wird von großen Investmentbanken dominiert. Für das Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Finanzgruppe und seinen bisherigen Firmenkundenvorstand ist das mehr als nur ein Achtungserfolg, auf den Beismann aufbauen kann.
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
