Die NordLB hat ein schmerzhaftes Jahr hinter sich. Und auch das Firmenkundengeschäft der norddeutschen Landesbank kämpft mit einem Ertragsrückgang.

Ulli Reinecke/NordLB

05.04.19
Banking & Berater

2,4 Milliarden Euro Verlust: NordLB schließt mit 2018 ab

Die NordLB macht reinen Tisch in ihrer Bilanz. Die Folge: Ein Milliardenverlust und die Unterschreitung wichtiger Kapitalquoten. Auch das Firmenkundengeschäft lieferte keinen Lichtblick.

„Schmerzhaft“: So beschreibt NordLB-Chef Thomas Bürkle das vergangene Geschäftsjahr der in Hannover ansässigen Landesbank. Unter dem Strich bilanziert die NordLB für 2018 einen Verlust von fast 2,4 Milliarden Euro. Größter Auslöser: fast 1,9 Milliarden Euro Risikovorsorge für problematische Schiffskredite. Aber auch in den Firmenkundengeschäftsbereichen „Firmenkunden“ und „Markets“ hat die Bank teils massive Ertragsrückgänge verbucht.

Firmenkundengeschäft der NordLB büßt ein

Im Segment Firmenkunden sanken die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent auf 402 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn brach sogar um 26 Prozent auf 182 Millionen Euro ein – ein Minus von mehr als 60 Millionen Euro. Auf FINANCE-Anfrage begründete die NordLB diesen Rückgang mit Fair-Value-Bewertungseffekten sowie einem leichten Rückgang im Zinsergebnis.

Bei leicht gesunkenen Verwaltungskosten von 150 Millionen Euro und einer erhöhten Risikovorsorge von 70 Millionen Euro ergibt sich für das Segment eine Cost-Income-Ratio von 45 Prozent. Im Vorjahr lag diese noch bei 39 Prozent.

Im Kapitalmarktsegment Markets sieht es nicht besser aus: Konnte die NordLB hier 2017 noch 282 Millionen Euro erwirtschaften, fielen die Erträge im vergangenen Jahr um 46 Prozent auf 152 Millionen Euro. Erklärung der NordLB: Aufgrund der niedrigen und flachen Zinskurve hätten die Kunden weniger Kapitalmarktprodukte nachgefragt.

Immerhin gelang es der Bank, ihre Verwaltungskosten um 6 Prozent auf 100 Millionen Euro zu senken, wodurch am Ende trotz des starken Einbruchs beim Ertrag noch ein positives operatives Ergebnis von 52 Millionen Euro erreicht werden konnte – nach 175 Millionen im Vorjahr. Unter Berücksichtigung der positiven Risikovorsorge von 2 Millionen Euro beläuft sich die Cost-Income-Ratio von „Markets“ auf 65 Prozent. Im Vorjahr waren es nur 38 Prozent.

Schiffskredite reißen tiefes Bilanzloch

Bankenweit fallen diese schwachen Zahlen aber nicht ins Gewicht. Dort dominiert die Bildung massiver Rückstellungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro für die – nach Aussage der NordLB endgültige – Bereinigung des Schiffskreditportfolios. „Für die Zukunft sehen wir keine Belastungen mehr“, erklärt die NordLB. Ein Teil des wertberichtigten Portfolios mit einem Nennwert von 2,6 Milliarden Euro wurde an den US-Finanzinvestor Cerberus verkauft. Die übrigen Schiffskredite in Höhe von 4,9 Milliarden Euro – überwiegend, aber nicht ausschließlich leistungsgestört – will die NordLB mit Hilfe einer eigenen Abwicklungseinheit abwickeln.

Die Bilanzbereinigung reißt ein tiefes Loch in die Kapitaldecke der Bank: Die harte Kernkapitalquote (CET1-Capital) halbiert sich nahezu von 12,4 auf 6,8 Prozent. Das liegt deutlich unter der Kapitalvorgabe der Aufsicht von 9,5 Prozent. Finanzspritzen und Risikoschirme der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie des Sparkassensektors in Höhe von über 3,6 Milliarden Euro sollen das Bilanzloch wieder schließen. Genehmigen die Wettbewerbsbehörden dieses umstrittene Manöver, rechnet die NordLB bis Jahresende 2019 mit einer Erholung der Kapitalquote auf 14 Prozent. Die Bank plant, die Kapitalmaßnahmen im dritten Quartal umzusetzen.

NordLB präsentiert Ziele für 2024

Seit Mittwoch dieser Woche liegen auch die Schrumpfungs- und Strategiepläne für die NordLB auf dem Tisch. Zwischen den Eigentümern und der Bankenaufsicht gebe es „ein grundsätzliches Verständnis über die geplante Ausrichtung der Bank“, teilte Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) mit.

Demnach soll die Bilanz weniger stark schrumpfen als noch vor einigen Wochen gedacht: 95 Milliarden Euro soll die Bilanz der neuen NordLB umfassen, Anfang März war noch die Rede von einer Halbierung der Bilanzsumme auf 80 Milliarden Euro. Doch bis dahin hat die Bank ein gutes Stück Weg vor sich: Aktuell weist die NordLB noch eine Bilanzsumme von 154 Milliarden Euro aus. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen sich die Hannoveraner aus der Schiffsfinanzierung und dem Kreditgeschäft mit kommunalen Kreditnehmern außerhalb Norddeutschlands zurückziehen.

Die Ertragsperle der NordLB, die Deutsche Hypo, wird entgegen anderslautender Erwartungen hingegen nicht verkauft. Der Immobilienfinanzierer steuerte 2018 einen Gewinn von 142 Millionen Euro bei und blieb damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres mit 153 Millionen Euro. Auch die Braunschweigische Landessparkasse soll Teil der Bank bleiben.

In neuem Gewand will die Landesbank deutlich schlanker und effizienter werden. Die Mitarbeiterzahl soll bis 2024 von aktuell 5.850 auf ungefähr 3.200 sinken. Ziel ist es, bis 2024 die Cost-Income-Ratio auf 50 Prozent zu drücken, wie aus einer Präsentation der Bank hervorgeht. Die Eigenkapitalrendite soll dann bei über 8 Prozent liegen, die harte Kernkapitalquote bei über 14 Prozent.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Die NordLB ist nicht die einzige Bank, die mit dem Ertragsschwund im Firmenkundengeschäft zu kämpfen hat. Alle News zum harten Wettbewerb um die wertvollen Firmenkunden finden Sie auf der FINANCE-Themenseite.