Blues am Finanzplatz: Die Banken büßen im deutschen Firmenkundengeschäft immer mehr ihrer Profitabilität ein, warnt die Unternehmensberatung Bain.

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07.07.15
Banking & Berater

Bain: Talfahrt im Firmenkundengeschäft geht weiter

Kreditmargen im Keller, Cross-Selling weiter schwach, fallende Eigenkapitalrenditen: Die Schlacht um die Gunst der CFOs bringt den Ertragsmotor Firmenkundengeschäft ins Stottern. Aber für die Banken ist das Firmenkundengeschäft immer noch ein gutes.

Der knallharte Wettbewerb im deutschen Firmenkundengeschäft setzt den Banken in Deutschland immer schwerer zu. Wie der heute veröffentlichte Corporate-Banking-Index der Unternehmensberatung Bain & Company zeigt, lagen die Erträge der Banken im deutschen Firmenkundengeschäft im zweiten Halbjahr 2014 um 4 Prozent unter dem Niveau der ersten Jahreshälfte. Die Profitabilität ging sogar um 10 Prozent zurück. Damit liegt der Ertrag mit aktuell 137 Punkten inzwischen um 16, die Profitabilität mit 113 Punkten sogar um 33 Punkte unter den Werten von Ende 2012.

Gegenüber der Top-Performance von 175 Punkten (Ertrag) und 159 Punkten (Profitabilität), die die Banken im deutschen Firmenkundengeschäft im ersten Halbjahr 2011 erreicht hatten, ist der Absturz noch größer. „Der Kampf um den Mittelstand ist in vollem Gange. Viele Banken versuchen, mit besonders attraktiven Konditionen Firmenkunden zu binden und neue zu gewinnen. Das belastet Erträge und Profitabilität“, kommentiert der erfahrene Bankenexperte und Bain-Deutschlandchef Walter Sinn die neuen Zahlen.

Allerdings liegen sowohl die Erträge als auch die Profitabilität nach wie vor über dem Niveau von vor der Finanzkrise, als die Werte zwischen 100 und 110 lagen. Das zeigt, wie attraktiv das deutsche Firmenkundengeschäft immer noch ist. 

Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft fällt auf 16 Prozent

Entscheidend für das Abschneiden der Banken im Firmenkundengeschäft ist nach wie vor das Kreditgeschäft. 73 Prozent der operativen Erträge kommen aus dem Zinsüberschuss, nur 27 Prozent aus dem Provisionsüberschuss.

Dies belegt, wie schwer sich viele Banken mit dem Cross-Selling nach wie vor tun, und das, obwohl sie ihre Budgets für Kredite ausweiten. So ist auch im zweiten Halbjahr 2014 das Kreditvolumen weiter gestiegen, und zwar um 5 auf 992 Milliarden Euro. Die Kreditmarge hingegen sackte weiter ab und liegt jetzt mit 1,5 Prozent nur noch 0,2 Prozentpunkte über dem historischen Tiefstand aus dem Jahr 2008. „Solvente Firmen können sich derzeit ihre Kreditgeber aussuchen“, sagt Bain-Banking-Experte Jan-Alexander Huber. Seit 2009 schon geht die Kreditmarge schrittweise immer weiter zurück.

Der hohe Wettbewerbsdruck hat dazu geführt, dass die durchschnittliche Eigenkapitalrendite vor Steuern der Banken im deutschen Firmenkundengeschäft im zweiten Halbjahr 2014 auf 16 Prozent zurückgegangen ist. Damit liegt auch die Rendite unter den Werten der Erholungsphase 2010 und 2011, aber immer noch weit über dem, was die meisten Banken aktuell im Privatkundengeschäft verdienen. Entspannung ist nach Erwartung Bains nicht in Sicht. „Auch im Corporate-Banking führt kein Weg an weiteren Kostensenkungen vorbei“, meint Bain-Partner Huber.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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