Bankhaus Lampe: Das Traditionshaus könnte künftig dem chinesischen Mischkonzern Fosun gehören.

Bankhaus Lampe

03.01.20
Banking & Berater

Bankhaus Lampe könnte an Chinesen gehen

Der M&A-Prozess um das Bankhaus Lampe biegt auf die Zielgerade ein. Oddo und die UBS sind raus – alles läuft auf einen Käufer aus China hinaus.

Der Verkaufsprozess um das 1852 gegründete Bankhaus Lampe geht der FAZ zufolge in die heiße Phase. Der Kreis der Kaufinteressenten soll sich im Zuge dessen noch einmal deutlich verkleinert haben. Aus dem Rennen sind offenbar die UBS, der französische Bankier Philippe Oddo – seines Zeichens Eigner der Frankfurter BHF-Bank – sowie die zu ABN Amro gehörende Privatbank Bethmann.

Fosun gilt als heißer Lampe-Kaufkandidat

Als Favoriten im Investorenprozess sieht die FAZ den Mischkonzern Fosun. Die Chinesen sollen die Oddo-Offerte, die sich auf 200 bis 300 Millionen Euro belaufen haben soll, deutlich überboten haben. Ein Sprecher von Oetker wollte sich auf FINANCE-Anfrage nicht dazu äußern.

Für Fosun wäre es weder die erste Investition in Deutschland noch im hiesigen deutschen Finanzsektor. Im vergangenen Jahr wurden die Chinesen Mehrheitsaktionär der angeschlagenen Modekette Tom Tailor, zudem sind sie seit 2016 Mehrheitseigentümer der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser. Neben Hauck & Aufhäuser übernahm Fosun auch noch einen Innovations-Hub für Start-up-Beteiligungen im Finanzsektor sowie die Frankfurter Leben, eine Abwicklungsgesellschaft, die im großen Stil Lebensversicherungsverträge aufkauft.

Bankenkonsolidierung setzt sich fort

Über die Tochter Hauck & Aufhäuser könnte Fosun im Zuge einer Lampe-Übernahme Synergieeffekte erzielen, etwa bei IT, Verwaltung oder Regulierung. Dass Hauck & Aufhäuser mit dem chinesischen Geld im Rücken aktiv nach Zukäufen sucht, ist bekannt. Trotzdem wollte Hauck & Aufhäuser gegenüber der FAZ keinen Kommentar zu einem möglicherweise bevorstehenden Erwerb der Lampe Bank abgeben.

Die Lampe Bank wurde im vergangenen Jahr vom Eigentümer Oetker zum Verkauf gestellt. Grund dafür dürfte sein, dass auch Lampe das niedrige Zinsumfeld zu schaffen macht. Zudem kämpfen die Bielefelder auch noch mit Margendruck und Mittelabflüssen in der Vermögensverwaltung, während es dem Kapitalmarktgeschäft an Größe fehlt. Summa summarum sackte Lampes Gewinn 2018 auf 15 Millionen Euro ab. Dies war der niedrigste Gewinn seit fünf Jahren. Das verwaltete Vermögen sank im Vergleich zum Jahr davor von 22,4 auf 19,1 Milliarden Euro.

Mit dem bevorstehenden Verkauf des Bankhauses Lampe setzt sich die Konsolidierungswelle unter Deutschlands Privatbanken fort. Im August 2019 fand die fränkische Bank Schilling mit der Münchener Merkur Bank einen neuen Eigner. Im November 2019 schloss der US-Finanzdienstleister Stifel die Übernahme der Frankfurter Mainfirst ab. In den Jahren zuvor fanden bereits die Oldenburger Landesbank mit dem US-Finanzinvestor Apollo sowie Merck Finck mit der luxemburgischen KBL neue Besitzer. Die Frankfurter Investmentboutique Equinet ging in der norwegischen Pareto Bank auf.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de