Michael Bücker, Firmenkundenvorstand der BayernLB, erklärt die Kooperation mit Standard Chartered.

BayernLB

11.11.16
Banking & Berater

BayernLB und Standard Chartered kooperieren

Die BayernLB und Standard Chartered kooperieren im Außenhandelsgeschäft. Die beiden Parteien erhoffen sich dadurch mehr Umsatz und neue Kunden.

Die Tinte unter dem Kooperationsvertrag war kaum trocken, da gaben BayernLB und Standard Chartered in Frankfurt ihre Zusammenarbeit bekannt. Die Münchener Landesbank, die sich nach schwerer Krise wieder auf Kurs sieht, habe einen Partner gesucht, mit dem sie international kooperieren kann, sagt BayernLB-Firmenkundenvorstand Michael Bücker: „Nach der Sondierung des Markts hat sich Standard Chartered angeboten.“

Der Vorteil aus Bückers Sicht: Die beiden Banken haben wenig Überschneidungen. Die BayernLB richtet sich in erster Linie an große Mittelständler. Standard Chartered konzentriert sich dagegen auf Konzerne und ausgewählte Großkunden, hat aber keine Mittelstandsambitionen.

Regional ist Standard Chartered besonders in Asien stark. Die Bank verfügt über 800 Filialen in 23 Ländern wie China, Indien und Pakistan. „Standard Chartered wurde einst für den Handel Englands mit den Kolonien gegründet“, erklärt Heinz Hilger, der das Deutschlandgeschäft der Bank leitet, den Hintergrund. Die beiden Banken hätten sich bereits rund ein Jahr lang gegenseitig abgetastet und Erfahrungen mit ersten gemeinsamen Projekten gesammelt. „Jeder bringt seine Stärken mit ein, es gibt nur eine Upside“, sagt Hilger.

BayernLB will bei Akkreditiven zusammenarbeiten

Konkret soll es bei der Partnerschaft um die Abwicklung von Akkreditiven, Risikoübernahmen und Garantien im Außenhandel gehen – und dort vor allem um den Handel mit Asien. Suchen deutsche Unternehmen dort nach einem Akkreditivgeber, spricht die BayernLB präferiert Standard Chartered an, und umgekehrt.

Die Bayern erhoffen sich, mit Hilfe dieses Angebots mit deutschen Mittelständlern ins Geschäft zu kommen, die bislang keine Kunden sind. Seien diese hinsichtlich des Umsatzes zu klein, dann vermittelt die Landesbank die entstehenden Kontakte an lokale Sparkassen. „Die Partnerschaft ist nicht exklusiv“, sagt Vorstand Bücker. „Kunden behalten immer die Freiheit, das Geschäft mit Ihrer Hausbank abzuschließen.“

Als besonders wichtigen Vorteil im Außenhandel erachten die beiden Parteien ein starkes Rating. Die BayernLB hat im Frühjahr eine Ratingheraufstufung von Moody’s auf A2 erhalten. Standard Chartered wird von den drei führenden Ratingagenturen mit A bewertet. Eine gute Bonität werde von den Handelspartnern geschätzt und habe direkte Konsequenzen für den gebotenen Preis.

BayernLB kooperiert bereits mit Berenberg

Bereits vor rund zwei Jahren hatte die BayernLB eine exklusive Kooperation mit Berenberg im Eigenkapital-Geschäft initiiert. Diese besteht weiter fort, konkrete Zahlen zum gemeinsam umgesetzten Geschäftsvolumen wollte Firmenkundenvorstand Bücker allerdings nicht nennen. Er verwies auf gemeinsame Transaktionen, die durch die Kooperation zustande gekommen seien. Beim Börsengang von Innogy brachte die BayernLB als langjährige RWE-Hausbank die Hamburger Berenberg quasi als eigene Investmentbank ins Spiel. Beim Windanlagenbauer Senvion war es ähnlich. Hier gelang der Börsengang erst im zweiten Anlauf, und zwar durch die Hilfe von Berenberg.

Generell sind Partnerschaften wie mit Berenberg oder Standard Chartered für die BayernLB ein besseres Modell, als selbst hohe Summen für Investitionen in die Hand zu nehmen, die nicht Kern des eigenen Geschäfts sind. „Die BayernLB will eine Plattform für Kunden sein“, resümiert Bücker. „Wir müssen nicht alle Leistungen selbst vorhalten.“

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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