Commerzbank

20.09.19
Banking & Berater

Commerzbank will M-Bank für Konzernumbau opfern

Die Commerzbank will die polnische Privatkundentochter M-Bank verkaufen. Mit den Milliarden soll der erneute Konzernumbau finanziert werden. Dieser verschlingt allein 800 Millionen Euro an Restrukturierungskosten.

In einer Woche erst will die Commerzbank ihre neue Strategie vorstellen, doch schon am heutigen Freitag gab sie nach diversen Medienberichten Auszüge davon bekannt. Zu den darin vorgestellten Punkten sei aber noch keine Entscheidung getroffen, betont die Bank.

Die M-Bank spielt in den Plänen eine zentrale Rolle: Die Commerzbank will die polnische Privatkundentochter verkaufen, um mit deren Verkaufserlös den abermaligen Konzernumbau zu finanzieren. Dazu gehört auch, dass die Commerzbank plant, ihre Direktbanktochter Comdirect, an der sie bereits 82 Prozent hält, komplett zu übernehmen. 

Commerzbank bietet für Comdirect-Anteil 292 Millionen

Deren Aktionäre will sie eine Prämie von 25 Prozent „auf den unbeeinflussten Aktienkurs“ bieten, was rund 11,50 Euro entspricht. Für die verbleibenden 18 Prozent (rund 25,4 Millionen Aktien) bietet die Commerzbank folglich rund 292 Millionen Euro. Der Kurs der Comdirect-Aktie schoss im Zuge der Übernahmepläne um 25 Prozent auf 11,50 Euro nach oben, wodurch die Comdirect nun an der Börse rund 1,3 Milliarden Euro wert ist.

Die M-Bank bringt an der Warschauer Börse umgerechnet mit rund 3,1 Milliarden Euro fast das Dreifache auf die Waage. Die Commerzbank hält rund 69 Prozent an der Bank, wonach ihr rein rechnerisch bei einem Verkauf rund 2 Milliarden Euro zustünden. Durch einen Verkauf würde die Commerzbank nach eigener Aussage außerdem rund 17 Milliarden Euro an risikogewichteten Aktiva freisetzen.

Auf der anderen Seite würde die Commerzbank Analystenschätzungen zufolge aber auch 23 Prozent ihres für 2020 erwarteten Vorsteuergewinns verlieren. Letztendlich wäre die Transaktion „wertneutral“, vermutet RBC Europe.

Commerzbank will 1,6 Milliarden Euro investieren

Unter dem Strich will die Commerzbank im Rahmen der neuen Strategie rund 1,6 Milliarden Euro investieren. Davon sollen 750 Millionen Euro in die Digitalisierung, IT-Infrastruktur und Wachstum fließen. Für Restrukturierungskosten veranschlagt die Bank 850 Millionen Euro, die für einen weiteren Abbau von rund 4.300 Vollzeitstellen und rund 200 Filialschließungen fällig werden.

Bis zum Jahr 2023 sollen die Kosten im Vergleich zum laufenden Geschäftsjahr um rund 600 Millionen Euro sinken. Nach den ersten sechs Monaten lagen die Verwaltungsaufwendungen bei 3,5 Milliarden Euro. Nach dem Verkauf der M-Bank würde die Kostenbasis 2023 höchstens bei 5,5 Milliarden Euro liegen, schreibt die Commerzbank. Vollständig umgesetzt soll die neue Strategie der Bank eine Eigenkapitalrendite von „mehr als 4 Prozent“ bringen.

Wie will die Commerzbank mit Firmenkunden wachsen?

Das Eckpunktepapier zeigt: Die Commerzbank will nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank weiter an der Kostenschraube drehen. Sie kündigte aber auch an, weiter wachsen zu wollen – allerdings nur vage, in welchen Bereichen. Bei den Privat- und Unternehmerkunden soll der Mobilkanal ausgebaut werden. Im Firmenkundengeschäft soll der Vertrieb insbesondere in der Mittelstandsbank gestärkt werden. Für Details verwies ein Sprecher auf die Strategieverkündung am kommenden Freitag.

Der scheidende Finanzchef Stefan Engels sagte zuletzt, die Bank sollte im Firmenkundengeschäft lieber die Rendite steigern, anstatt weiter zu wachsen. Engels spielt darauf an, dass die Bank im Rahmen ihrer Strategie 2020 seit dem Jahr 2016 nach eigener Aussage zwar 11.400 neue Firmenkunden gewonnen hat. Den nun schon seit Jahren andauernden Ertragsrückgang konnte die Bank damit zwar bremsen aber nicht aufhalten.

Auch im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres sind die bereinigten Erträge mit Firmenkunden auf rund 1,7 Milliarden Euro gesunken. Das Kreditbuch wurde dagegen um 6 Milliarden auf inzwischen 88 Milliarden Euro ausgeweitet. 

Deutsche Bank legt nach geplatzter Fusion vor

Mit Roland Boekhout hat auch die Commerzbank ab Januar einen neuen Firmenkundenvorstand. Er kommt von der niederländischen ING-Gruppe und tritt das Erbe von Michael Reuther an, der die Commerzbank mit Auslaufen seines Vertrages verlassen wird.

Dass die Commerzbank neue Firmenkunden gewinnen kann, hat sie in den vergangenen drei Jahren gezeigt. Wie sie mit diesen in Zukunft mehr Geld verdienen möchte, muss sie in einer Woche darlegen. Dann zeigt sich auch, ob sie nach den geplatzten Fusionsgesprächen ähnlich radikal vorgeht wie die Deutsche Bank, die von CEO Christian Sewing konsequent zu einer Corporate Bank umgebaut werden soll.

Die Deutsche Bank will die kleinen Firmenkunden aus dem Privatkundensegment mit den Mittelständlern und Großkonzernen zusammenführen und anschließend mit der Transaktionsbank verschmelzen. Deutschlandchef der neuen Corporate Bank wird Stefan Bender, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de