Die Blockchain-Technologie ließe sich zur Bekämpfung von Finanzkriminalität gut nutzen – wären da nicht die veralteten IT-Systeme bei vielen Banken.

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12.04.18
Banking & Berater

Der harte Kampf der Banken gegen Finanzkriminalität

Der Kampf gegen Finanzkriminalität gehört für Banken zu den größten Herausforderungen. Neue Technologien könnten ihnen dabei helfen. Doch dafür müssten viele Banken ihre IT nachrüsten.

Finanzkriminalität ist nicht nur moralisch verwerflich, sie ist für Banken auch aus rein finanzieller Sicht eine Bedrohung. Wer kriminelle Aktivitäten übersieht und illegale Finanzströme weiterleitet, riskiert hohe Strafen von den Aufsichtsbehörden. Doch der Kampf gegen Finanzkriminalität ist mühsam. „Die meisten Regelprozesse gegen Finanzbetrug sind viel zu kompliziert, schleppend und fehleranfällig“, sagt Jan-Alexander Huber, Partner der Unternehmensberatung Bain.

Huber beobachtet, dass die komplexen Prozesse es den Banken erschweren, illegale Aktivitäten wie zum Beispiel internationale Geldwäsche effektiv zu verfolgen. Banken müssten ihre Teams effizienter koordinieren, die IT modernisieren und ihre Datenanalyse verfeinern – am besten gleichzeitig.

IT-Struktur ist Schwachstelle vieler Banken

Gerade die IT ist eine große Schwachstelle der Banken, wenn es um die Bekämpfung von Finanzkriminalität geht. „In vielen Banken wurden die Grundsteine für die IT-Systeme in den siebziger Jahren gelegt“, sagt ein Forensik-Experte von Deloitte, der namentlich nicht genannt werden möchte. Zwar gebe es dank des technologischen Fortschritts immer mehr Möglichkeiten, auch mit Hilfe intelligenter Algorithmen nach Auffälligkeiten in Datensätzen und damit auch nach verdächtigen Zahlungen zu fahnden. Auch die Blockchain-Technologie ließe sich zur Kriminalitätsbekämpfung bei Zahlungsströmen nutzen – schließlich gilt die Blockchain als sehr fälschungssicher. Pilotprojekte hierzu stehen allerdings noch am Anfang.

Vor allem aber ist es oft die veraltete IT-Infrastruktur in vielen Banken, die dem Einsatz neuer Technologien entgegensteht: „Moderne Technologien wie neuronale Netze können in einem dezentralen und veralteten IT-Umfeld nicht sinnvoll eingesetzt werden“, warnt der Deloitte-Experte. Schweizer Banken seien den deutschen Häusern in einigen Punkten voraus: „Viele haben sich bereits sehr intensiv Gedanken über ihr künftiges Geschäftsmodell gemacht und auch ihre IT-Struktur entsprechend aufgesetzt.“

Banken müssen Compliance neu aufsetzen

Auch Bain kommt in einer jüngst veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass Banken ihre Compliance-Strukturen und Kontrollabläufe am besten von Grund auf erneuern sollten und einen zentralen Datenhaushalt benötigen, bevor sie damit beginnen können, auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz Routinearbeiten bei der Datenanalyse zu automatisieren.

Die Investitionen, die dafür auf die Banken zukämen, sind allerdings hoch. Insbesondere großen Banken mit stark verzweigten und komplexen Strukturen dürfte es schwerfallen, diesen Kraftakt zu stemmen, solange sie nur schwache Erträge einfahren. Deutsche Banken sehen sich mit diesem Dilemma derzeit sehr stark konfrontiert.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de