Deutsche Bank hofft auf M&A-Geschäft

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31.10.18
Banking & Berater

Deutsche Bank hofft auf M&A-Geschäft

Joint Ventures sind die deutsche Antwort auf den Ruf nach Vereinfachung, meinen die beiden Corporate-Finance-Chefs der Deutschen Bank. Kann die Bank mit dem M&A-Geschäft ihren Ertragsschwund stoppen?

Die Zahlen für das dritte Quartal der Deutschen Bank waren alles andere als gut. Das soll sich ändern. CEO Christian Sewing fordert eine größere Jägermentalität von seinen Mitarbeitern.

Gefordert ist dabei auch das Corporate-Finance-Team für den deutschsprachigen Raum, das seit rund zwei Jahren zusammen von Berthold Fürst und Patrick Frowein geführt wird. Auch im Corporate-Finance-Geschäft liegen die Erträge auf Neunmonatsbasis hinter den Vorjahreswerten zurück. Trotzdem stehen die Verantwortlichen zu dem Ziel, im deutschsprachigen Corporate-Finance-Markt wieder die Nummer 1 zu werden, wie Fürst im August gegenüber FINANCE angekündigt hatte.

Deutsche Bank kämpft sich in League Tables zurück

Wenn man den einschlägigen Ranglisten des Datenanbieters Dealogic Glauben schenkt, ist der Deutschen Bank das im deutschen Geschäft mit Fremdkapital (DCM) und Hochzinsanliehen (High Yield) bereits gelungen. Vor allem aber im Eigenkapitalgeschäft (ECM) machte die Bank dank einiger Prestige-Mandate verlorenen Boden gut und steht bereits wieder auf Platz 1. Zuletzt begleitete sie beispielsweise den Milliarden-IPO von Knorr-Bremse.

Ebenfalls gut vorangekommen, aber noch nicht ganz am Ziel ist die Bank dagegen in den Bereichen Leveraged Finance und M&A. Bei der Finanzierung von Private-Equity-Übernahmen hat die Deutsche Bank noch die Unicredit, beim Geschäft mit Fusionen und Übernahmen Goldman Sachs vor sich. Vor allem im M&A-Geschäft will die Bank wachsen, wie Fürst und Frowein am gestrigen Dienstag bei einem Pressetermin in Frankfurt deutlich machten.

Deutsche Bank erwartet mehr Joint Ventures

Ein Feld, auf dem ihre Hoffnungen ruhen, ist das Folgegeschäft großer Milliardendeals wie beispielsweise der Linde-Praxair-Fusion. Strenge Kartellauflagen führen fast immer dazu, dass im Zuge solcher Deals Geschäfte abgestoßen werden müssen. Diese Deals erreichen zum Teil Milliardenwerte, etwa der Verkauf von Lindes US-Geschäften an den Finanzinvestor CVC und das deutsche Familienunternehmen Messer. 

Aber auch von der Anbahnung von Gemeinschaftsunternehmen verspricht sich die Deutsche Bank eine Menge: „Wir sahen in den vergangenen Monaten das Comeback des Joint Ventures“, berichtete Fürst und führte als Beispiel den komplexen BMW-Deal in China an.

Weitere Beispiele für diesen Trend seien das Stahl-Joint-Venture von ThyssenKrupp mit dem indischen Tata-Konzern und die Zusammenlegung der Öl- und Gasgeschäfte von BASF und Letter One.

„Die Joint Ventures sind die europäische Antwort auf den Ruf nach Vereinfachung“, meint Fürst. Großkonzerne in den USA würden eher den Carve-out wählen, um dem Druck aktivistischer Investoren zu begegnen. Diese haben auch Europa im Visier. Der aktivistische Hedgefonds von Daniel Loeb, Third Point, hat für europäische Kampagnen beispielsweise eigens ein Equity-Vehikel aufgelegt.

„Die Joint Ventures sind die europäische Antwort auf den Ruf nach Vereinfachung.“

Berthold Fürst, Deutsche Bank

Gebührentöpfe im M&A-Geschäft schrumpfen

Große strategische Transaktionen werden den M&A-Markt deshalb weiter treiben, erwarten Fürst und Frowein. Bei diesen muss die Deutsche Bank dann aber auch – anders als beim Mega-Deal Bayer/Monsanto – mit von der Partie sein, will sie den seit Jahren anhaltenden Ertragsschwund in der Corporate & Investmentbank tatsächlich stoppen.

Dass das nicht einfach wird, liegt daran, dass die Geldtöpfe im deutschen Investmentbanking von Jahr zu Jahr sinken. Das Volumen in Deutschland gezahlter M&A-Gebühren ist dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 468 Millionen Euro gesunken. Dieses Minus wird aber noch sinken, denn die Linde-Praxair-Transaktion ist noch nicht mit eingerechnet. Nach Aussage von Frowein und Fürst haben sich die M&A-Einnahmen der Deutschen Bank in Deutschland in diesem Jahr „eher flach“ entwickelt. Damit dürfte sie auch in der Endabrechnung besser als der Markt abschneiden.

Auch im Leveraged-Finance-Geschäft tobt ein harter Wettbewerb. Den Provisionstopf dezimierte dies um 16 Prozent auf nur noch 202 Millionen Euro. Die Herausforderung für die Deutsche Bank und ihre beiden Corporate-Finance-Chefs: In solchen Marktumfeldern sind Zugewinne nur durch Verdrängung möglich – und die drückt auf die Marge.