In den Medien kamen heute Gerüchte auf, dass die Deutsche Bank wieder eine eigene Bad Bank auflegen will.

Mario Andreya / Deutsche Bank

17.06.19
Banking & Berater

Deutsche Bank soll milliardenschwere Bad Bank planen

Die Deutsche Bank will Medienberichten zufolge Assets in Höhe von 50 Milliarden Euro loswerden. Das Handelsgeschäft außerhalb Europas soll deutlich schrumpfen. Doch Experten sind skeptisch, ob das ausreicht.

Auf der Suche nach einem Ausweg aus der Renditekrise plant die Deutsche Bank offenbar, Geschäfte in Milliardenhöhe an eine Bad Bank auszulagern. Das berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Insider.

Im Kern geht es um eine Auffangbank, in der risikogewichtete Anlagen im Volumen von bis zu 50 Milliarden Euro auslagert werden sollen. Das entspräche etwa 14 Prozent der gesamten Bilanzsumme der Bank. Bei den Assets soll es sich dem Medienbericht zufolge vornehmlich um langlaufende Derivate handeln, die keine bis geringe Erträge abwerfen, aber das Risikoprofil der Bank belasten. Zudem wolle die Bank ihr Aktienhandels- und Zinshandelsgeschäfts außerhalb Europas deutlich schrumpfen oder sogar komplett einstellen.

Deutsche Bank muss Eigenkapitalrendite verbessern

Beobachter sind allerdings skeptisch, ob der Deutschen Bank mit einer Bad Bank ein echter Befreiungsschlag gelänge. Der JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein hatte bereits Anfang Juni in einer Studie vorgerechnet, dass eine Auslagerung von Vermögenswerten in Höhe von 50 Milliarden Euro nur einen minimalen Effekt auf die Eigenkapitalrendite hätte.

Für das laufende Jahr strebt die Deutsche Bank eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 4 Prozent an – ein Zielwert der deutlich unter den Ambitionen der großen Wettbewerber liegt. In den Folgejahren soll die Kennzahl weiter steigen. Im ersten Quartal lag die Rendite auf das eingesetzte Kapital bei der Deutschen Bank bei gerade einmal 1,3 Prozent.

Deutsche Bank kündigt harte Einschnitte an

Auf FINANCE-Anfrage wollte sich die Bank zu den Bad-Bank-Gerüchten nicht weiter äußern und verwies in einer schriftlichen Mitteilung auf Aussagen von Konzernchef Christian Sewing auf der Hauptversammlung im Mai. Der CEO hatte dort nach den geplatzten Übernahmeverhandlungen mit der Commerzbank harte Einschnitte und eine Beschleunigung des Konzernumbaus angekündigt.

Das ist auch dringend notwendig, denn nach der Aufbruchsstimmung zum Amtsantritt von Sewing im April 2018 vermissen Beobachter konkrete Fortschritte, um die Profitabilität zu verbessern: Erst vor Kurzem hatte die Ratingagentur Fitch die Deutsche Bank auf BBB herabgestuft. Damit rangieren die Frankfurter bei Fitch nur noch zwei Stufen oberhalb des Non-Investment-Grade-Bereichs.

Mit einer hauseigenen Auffangbank würde die Deutsche Bank kein unbekanntes Territorium betreten: Bereits von 2012 bis 2016 griffen die Frankfurter auf eine interne Bad Bank zurück. Umfang der damaligen Bad Bank betrug 125 Milliarden Euro an risikogewichteten Assets. Nachdem rund 90 Prozent der faulen Anlagen veräußert wurden oder ausgelaufen sind, verteilte die Deutsche Bank den Rest auf die Geschäftsbereiche.

Strategieupdate der Deutschen Bank im Juli?

Der FT zufolge will Sewing die Pläne für die Bad Bank bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am 24. Juli vorstellen. In diesem Zuge solle auch ein neuer Fokus auf das Transaction Banking und das private Wealth Management vorgestellt werden.

Diese Pläne sind ebenfalls nicht neu: Bereits im Frühjahr 2018 formulierte die Bank die Ziele, diese Bereiche, die stabile wiederkehrende Erträge generieren, zu stärken. Details blieb die Bank bislang jedoch schuldig. Allerdings gab es seither einige Wechsel aus dem Kapitalmarktgeschäfts ins Transaction Banking. Die Leitung des Bereichs hat seit Oktober 2018 Stefan Hoops inne.

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