Die Deutsche Bank hat erneut eine neue Strategie verkündet. Das Investmentbanking soll kleiner werden, das Privatkundengeschäft und der Bereich Asset Management größer.

Deutsche Bank

26.04.18
Banking & Berater

Deutsche Bank wendet sich weiter vom Investmentbanking ab

Erneuter Strategieschwenk: Die Deutsche Bank gibt erste Hinweise, wie sie ihr Investmentbanking verkleinern will. Gekürzt wird vor allem im Ausland – und im Hedgefonds-Geschäft.

Christian Sewing hat nicht lange gefackelt. Der seit zwei Wochen amtierende Chef der Deutschen Bank hat am heutigen Donnerstag erstmals seine Pläne für die Zukunft des größten deutschen Geldhauses grob umrissen.

Im Zentrum seiner Gedankenspiele: Ein verstärkter Fokus auf das Asset Management sowie die Geschäfte mit Privat- und kleineren Firmenkunden. Diese Bereiche sollen ab 2021 nachhaltig ungefähr die Hälfte der Konzernerträge erwirtschaften, teilte die Deutsche Bank mit. 

Deutsche Bank zieht sich aus US-Geschäften zurück

Für die Unternehmens- und Investmentbank (CIB) bedeutet Sewings neuer Kurs hingegen Einschnitte. Die Deutsche Bank will sich im Firmenkundengeschäft künftig vor allem auf ihren Heimatmarkt konzentrieren. „Unsere Wurzeln liegen in Europa – hier wollen wir Unternehmen und institutionellen Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten“, lässt sich Sewing zitieren.

Die Umbauten im CIB betreffen vor allem drei Bereiche. Erstens: Im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft (Corporate Finance) konzentriert sich die Deutsche Bank künftig auf jene Branchen und Segmente, die Bezug zu europäischen Kunden sowie auf Emissions- und Finanzierungsgeschäfte haben. Im Gegenzug will die Bank ihr nicht-grenzüberschreitendes Geschäft in den Vereinigten Staaten und Asien zurückfahren. Künftig soll der Fokus der Deutschen Bank vor allem auf Unternehmen, Finanzinstituten und -investoren liegen, die „für die Wirtschaft in Deutschland und Europa besonders relevant“ sind. Aus Polen und Portugal hat sich die Bank zurückgezogen. Wachsen will die Bank dagegen in Italien und Spanien.

Zweitens will die Deutsche Bank ihr Zinsgeschäft in den Vereinigten Staaten deutlich verkleinern, wo sie gegenüber den Wall-Street-Banken kaum noch konkurrenzfähig ist. Mit diesem Rückzug will Sewing die Bilanz der Bank kürzen und die Verschuldungsposition verbessern. Ins europäische Zinsgeschäft will die Deutsche Bank dafür investieren. Diese Richtungsentscheidung zeigt, dass die Bilanz der Deutschen Bank selbst nach mehreren großen Kapitalerhöhungen in Höhe von über 20 Milliarden Euro nicht mehr stark genug ist, um in großem Umfang kapitalintensive Investmentbanking-Geschäfte zu betreiben. 

Sewing will das weltweite Aktiengeschäft überprüfen

In die gleiche Kerbe schlägt Sewing mit seinem dritten Entschluss, das weltweite Aktiengeschäft „genau zu prüfen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Offenbar will er unter anderem Geschäfte mit Hedgefonds (Prime Finance) reduzieren und nur noch mit den wichtigsten Kunden zusammenarbeiten. Eine darüber hinaus gehende Verkleinerung des Aktienhandels steht nach wie vor im Raum, gehört aber nicht zum heute vorgestellten Maßnahmenpaket.

Doch nicht alle Bereiche des Investmentbankings werden im Zuge der Umbauten geschwächt. Die Transaktionsbank (Global Transaction Banking), die zum CIB-Geschäft zählt, betrachtet die Deutsche Bank als stabil. Sie soll ab 2021 rund 15 Prozent des Ertrags der Bank beisteuern, was in etwa dem jetzigen Niveau entspricht. Zu den Kerngeschäften zählt Sewing auch Treasury-Lösungen wie das Zins- und Währungsgeschäft sowie strukturierte Finanzierungen.

FINANCE-Köpfe

Dr. Marcus Schenck, Deutsche Bank AG

Marcus Schenck beginnt seine Karriere 1991 bei der Unternehmensberatung McKinsey an den Standorten Düsseldorf und Frankfurt am Main. Im Februar 1997 wechselt er dann als Projektleiter und Partner zur deutschen Niederlassung der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs.

Seine erste CFO-Erfahrung sammelt Schenk zwischen Dezember 2006 und September 2013 als Finanzchef beim deutschen Energieriesen E.on in Düsseldorf. Über einen erneuten Abstecher zu Goldman Sachs International in London gelangt Schenck im Januar 2015 zur Deutschen Bank, wo er als Finanzchef die Nachfolge von Stefan Krause antritt.

Im Frühjahr 2017 übernimmt er die Leitung des globalen Kapitalmarktgeschäfts und wird gleichzeitig stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Den Posten des Finanzvorstands gibt Schenck ab. Im April 2018 gibt die Deutsche Bank bekannt, dass Schenck gemeinsam mit Vorstandschef John Cryan die Deutsche Bank verlassen wird.

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Investmentbanker müssen Deutsche Bank verlassen

Der Strategieschwenk geht mit personellen Konsequenzen einher. Im Investmentbanking will die Deutsche Bank Stellen abbauen. Wie viele, will Sewing noch nicht beziffern. Auch den zwölfköpfige Vorstand will das Geldhaus verkleinern, außerdem Doppelspitzen in Geschäftsbereichen abschaffen.

So musste CIB-Co-Chef Marcus Schenck bereits gehen, der die Investmentbank bisher mit Garth Ritchie geleitet hatte. Die Deutsche Bank hatte die Doppelspitze erst im Sommer 2017 eingeführt. Ritchie ist nun der Alleinherrscher über den CIB-Bereich.

FINANCE-Köpfe

James von Moltke, Deutsche Bank AG

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Universität Oxford beginnt James von Moltke seine Karriere 1992 bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston in London. Drei Jahre später und bis 2005 ist er für JP Morgan in New York und Hongkong tätig. Anschließend wechselt er zu Morgan Stanley in New York. In diesen Rollen berät er vor allem Unternehmen aus dem Financial-Services-Bereich.
 
2009 übernimmt von Moltke die Leitung der Corporate M&A Abteilung bei der Citigroup und drei Jahre später die Verantwortung für die weltweite Finanzplanung der US-Bank. 2015 wird er zum Treasury-Chef der Citigroup befördert. Im Frühjahr 2017 verkündet von Moltke seinen Wechsel zur Deutschen Bank, wo er seit Juli des gleichen Jahres Konzern-CFO ist.

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Auch im mittleren Management zeichnen sich Einschnitte ab, Sewings Ziel ist es, dass die bereinigten Kosten der Deutschen Banken die 23-Milliarden-Euro-Marke in diesem Jahr nicht übersteigen. Dieser Wert sei „nicht verhandelbar“, sagt CEO Sewing – und warnt, dass sich die Ereignisse der abgelaufenen Jahres nicht wiederholen dürften. „Eine Entwicklung wie im vierten Quartal vergangenen Jahres, als die Kosten nach oben schnellten, darf es in diesem Jahr nicht noch einmal geben“, stellt Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter unmissverständlich klar.

Dafür will die Bank ihre Ausgaben für Dienstleister auf den Prüfstand stellen, Gebäudekosten reduzieren und interne Kontrollsysteme effizienter machen. Mittelfristig soll ein strategisches Kostenprogramm unter anderem Ausgaben transparenter machen sowie überflüssige Arbeiten identifizieren und beenden. Die Verantwortung für das Sparprogramm trägt CFO James von Moltke.

Der weitergehende Umbau der Deutschen Bank geht zunächst einmal ins Geld. Statt 500 Millionen Euro veranschlagt die Bank nun in diesem Jahr 800 Millionen Euro für die Restrukturierung, wie Finanzchef von Moltke am heutigen Donnerstag in einer Telefonkonferenz sagte. Weitere Kosten im kommenden Jahr wollte er nicht ausschließen. „Wir schrauben ganz klar unsere Ambitionen zurück“, sagte von Moltke wenig später dem TV-Sender CNBC. „Die Ergebnisse im ersten Quartal zeigen die Notwendigkeit, sofort zu handeln.“

Ist der Umbruch wirklich so groß?

Das Vorhaben von CEO Christian Sewing wirkt wie ein Großreinemachen. Bei näherer Betrachtung wirken die Maßnahmen und damit einhergehenden Zahlen jedoch nicht mehr so ambitioniert. Die Bereiche Privat- und Firmenkunden samt Asset Management steuerten 2017 bereits 48 Prozent der Erträge bei – das CIB-Segment entsprechend 52 Prozent. Vom angestrebten Zielwert von „nachhaltigen“ 50 Prozent ist das nicht mehr weit entfernt.

Gemeinsam mit der Transaktionsbank will die Bank künftig 65 Prozent der Erträge erwirtschaften. Auch an dieser Zahl war die Deutsche Bank 2017 mit 63 Prozent nah dran.

Dennoch setzt sich mit Sewings Plänen die Entwicklung fort, dass das Investmentbanking innerhalb der Deutschen Bank an Bedeutung verliert. Schon Vorgänger John Cryan hatte den für die vielen Skandale und hohen Rückstellungen verantwortlichen Bereich verkleinert. 2015 hatte der CIB-Bereich noch 56,4 Prozent der Erträge der Deutschen Bank ausgemacht – und schrumpft jetzt weiter. 

Die Bereiche Privat- und Firmenkunden samt Asset Management sollen mit der Transaktionsbank bis 2021 gut 65 Prozent der Erträge erwirtschaften.

Quartalszahlen der Deutschen Bank enttäuschen

Dass die Deutsche Bank gegensteuert, ist dringend nötig, denn die heute veröffentlichten Quartalszahlen haben den Kapitalmarkt abermals enttäuscht. Die Erträge des Geldhauses sind in den ersten drei Monaten des Jahres um 13 Prozent zurückgegangen. Der Gewinn nach Steuern betrug 120 Millionen Euro, nach 575 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Analysten hatten eigentlich mit einem Wert um die 300 Millionen Euro gerechnet. Die Aktie der Deutschen Bank stürzte zum Börsenstart um bis zu 3,4 Prozent ab, drehte danach aber leicht ins Plus.

Besonders in der Unternehmens- und Investmentbank enttäuschten die Ergebnisse. CFO James von Moltke hatte bereits vor einigen Wochen gewarnt, dass das erste Quartal im Investmentbanking schwierig verlaufen war. Bitter: Die Wall-Street-Konkurrenz hat im ersten Quartal mit exzellenten Ergebnissen geglänzt. 

Flächendeckender Einbruch im CIB-Geschäft

Die Zahlen im einzelnen: Im Aktienhandel gingen die Erträge um 21 Prozent zurück, im Wertpapierhandel um 16 Prozent und in der Transaktionsbank um 12 Prozent. Der GTB-Bereich wurde dadurch belastet, dass die Bank sich im Cash Management aus einzelnen Kundensegmenten und Regionen zurückgezogen hat.

Die Erträge im Emissions- und Beratungsgeschäft sind sogar um 27 Prozent eingebrochen. Die Deutsche Bank relativiert jedoch, dass die Provisionen in diesem Bereich branchenweit um 25 Prozent zurückgegangen seien. Die Kosten der Deutschen Bank zogen hingegen quer durch die Bank an. Kostentreiber waren höhere Ausgaben für Bankabgaben und IT-Projekte.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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