Deutsche Bank

05.12.16
Banking & Berater

Deutsche Bank stutzt Investmentbanking

Die Deutsche Bank fährt ihr Geschäft mit institutionellen Kunden wie Hedgefonds zurück. Mit dem Schritt will CEO John Cryan Risiken senken und die Profitabilität erhöhen.

Die Deutsche Bank sortiert ihr Kundenportfolio im Investmentbanking aus: Rund 3.400 aktiv handelnden Kunden, darunter etwa Hedgefonds, will das Frankfurter Geldhaus ab sofort bestimmte Dienstleistungen nicht mehr anbieten. Das berichtet das Wall Street Journal und beruft sich dabei auf ein internes Schreiben an die Beschäftigten des Wertpapiergeschäfts. Ein Sprecher der Bank bestätigte den Inhalt des Memos.

Betroffen sind demnach Kunden der Institutional Client Group. Die Sparte innerhalb der Investmentbanking-Einheit der Deutschen Bank, die seit Beginn des Jahres unter Global Markets firmiert, betreut institutionelle Kunden beim Verkauf, Handel und der Strukturierung von Wertpapieren. Die Aktion ziele darauf ab, „Risiko, Einnahmen und Profitabilität“ auszubalancieren, zitiert das Wall Street Journal aus dem Schreiben.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan forciert Konzernumbau

Das Aussortieren unrentabler Kunden ist Teil des umfassenden Konzernumbaus, den Deutsche-Bank-Chef John Cryan im Oktober 2015 angekündigt hatte: Die Zahl der Kunden in den Bereichen Märkte und Investmentbanking solle um bis zu 50 Prozent sinken, sagte er seinerzeit. Die Zahl der verkauften Produkte pro Kunde solle erhöht werden, die risikogewichteten Aktiva dagegen sinken.

Die Deutsche Bank hat das Investmentbanking im Laufe des Jahres bereits zurechtgestutzt. So bietet sie einige Produkte im Derivatehandel nicht mehr an, zudem dampft sie das internationale Netzwerk ein. Insbesondere in Lateinamerika befinden sich die Frankfurter derzeit auf dem Rückzug.

Deutsche Bank muss Kernkapitalquote stärken

Angesichts schwacher Erträge und hohen Rechtsrisiken muss Cryan die harte Kernkapitalquote stützen. Diese lag zum Ende des dritten Quartals bei 11,1 Prozent. Der inzwischen genehmigten Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Bank Hua Xia soll der Deutschen Bank 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte bringen. Das ist aber noch nicht genug: Ab 2019 schreibt der Regulator einen Wert von mindestens 12,25 Prozent vor.

Bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal stimmte Cryan die Mitarbeiter deshalb bereits auf eine Verschärfung des Sparprogramms ein. Nach Aussage von CFO Marcus Schenck plant die Deutsche Bank deutliche Kürzungen bei den Barkomponenten der Bonuszahlungen. Die Boni von sechs ehemaligen Vorständen – darunter Jürgen Fitschen, Anshu Jain und Josef Ackermann – will sich die Bank sogar zum Teil zurückholen, wie vor drei Wochen bekannt wurde.

Hohe Rechtsrisiken lasten auf der Deutschen Bank

Die Stärkung des Eigenkapitals ist für die Deutsche Bank immens wichtig: Mitte September war bekannt geworden, dass das US-Justizministerium von der Deutschen Bank 14 Milliarden US-Dollar Strafe wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren während der Finanzkrise fordert. Die Bank will diese Summe in den noch laufenden Verhandlungen deutlich reduzieren. Der Kapitalmarkt reagierte dennoch geschockt: Der Aktienkurs der Bank brach ein, Analysten brachten eine milliardenschwere Kapitalerhöhung ins Spiel, und  Gerüchte um ein Einspringen des Staats machten die Runde.

Klarheit in Bezug auf Rechtsrisiken konnte die Bank derweil in einem anderen Bereich schaffen: Die Deutsche Bank soll sich mit den US-Behörden auf eine Strafe von 60 Millionen Dollar geeinigt haben. Die formale Zustimmung der Richter eines Bundesgerichts im New Yorker Stadtteil Manhattan steht noch aus.

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