Die Aussagen des Deutsche-Bank-CFOs James von Moltke haben den Markt schockiert. Zu Recht?

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22.03.18
Banking & Berater

Deutsche-Bank-Talfahrt nach CFO-Aussagen hält an

Der Kursrutsch der Deutschen-Bank-Aktie setzt sich heute fort. CFO James von Moltke hatte die Talfahrt ausgelöst. Doch die Marktreaktion auf Moltkes Aussagen zum Investmentbanking ist zu harsch.

Mit Aussagen auf einer Investorenkonferenz in London hat der Deutsche-Bank CFO James von Moltke den Aktienkurs der Bank am gestrigen Mittwoch einbrechen lassen. Zeitweise fiel das Papier um über 6 Prozent unter die Marke von 12 Euro, und auch heute setzt sich die Talfahrt weiter fort. Mit einem Kurs von 11,73 Euro erreichte das Papier am späten Vormittag das tiefste Niveau seit 18 Monaten.

Die Aussagen, die den Markt so schockiert haben, betreffen das Investmentbanking. So warnte von Moltke vor zu hohen Erwartungen: Der starke Euro sowie hohe Finanzierungskosten würden die Erträge im Investmentbanking im ersten Quartal 2018 drücken. 300 Millionen Euro verliere die Bank durch Wechselkurseffekte, da sie gut 50 Prozent ihres Investmentbankings in Euro abrechnet. 150 Millionen Euro gingen durch höhere Kosten bei der Refinanzierung verloren.

Schenck bittet Deutsche-Bank-Investoren um Geduld

Damit bereitete von Moltke den Markt auf einen Ertragseinbruch um 450 Millionen Euro vor – „bevor es überhaupt um das Geschäft geht“, so der Finanzchef. Dadurch werde es schwer, an das in seinen Augen sehr starke erste Quartal 2017 anzuknüpfen, als die Investmentbank 4,4 Milliarden Euro einnahm. Man werde wohl knapp darunter landen.

Zur Talfahrt trugen auch Aussagen von Markus Schenck, dem Co-Leiter der Investmentbank und Stellvertreter von CEO John Cryan, bei. Auf einer anderen Veranstaltung warb er erneut um die Geduld der Anleger: „John hat es immer ganz klargemacht: Das ist keine Reise, die in einem Quartal zu machen ist. Das ist eine Reise, die mehrere Jahre dauert.“ Für die gebeutelten Investoren, die seit dem Amtsantritt Cryans vor drei Jahren auf eine Trendwende hoffen, war das offenbar zu viel.

James von Moltke, Deutsche Bank AG

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Universität Oxford beginnt James von Moltke seine Karriere 1992 bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston in London. Drei Jahre später und bis 2005 ist er für JP Morgan in New York und Hongkong tätig. Anschließend wechselt er zu Morgan Stanley in New York. In diesen Rollen berät er vor allem Unternehmen aus dem Financial-Services-Bereich.
 
2009 übernimmt von Moltke die Leitung der Corporate M&A Abteilung bei der Citigroup und drei Jahre später die Verantwortung für die weltweite Finanzplanung der US-Bank. 2015 wird er zum Treasury-Chef der Citigroup befördert. Im Frühjahr 2017 verkündet von Moltke seinen Wechsel zur Deutschen Bank, wo er seit Juli des gleichen Jahres Konzern-CFO ist.

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DeuBa-Analysten sehen CFO-Aussagen weniger kritisch

Dabei sind die Aussagen der beiden Top-Manager bei genauerer Betrachtung womöglich gar nicht so schlimm, wie die Märkte sie interpretieren. Die Aussage des CFOs, dass die Einnahmen leicht unter denen im Vorjahresquartal liegen würden, dürfte viele Analysten gar nicht überrascht haben – sie rechnen für das erste Quartal im Schnitt mit Einnahmen von 4,3 Milliarden Euro. Als „Fake News“ bezeichnete der Analyst Stuart Graham vom britischen Research-Haus Autonomous denn auch die Berichte, die von einer neuen Hiobsbotschaft der Deutschen Bank sprachen.   

Das Erstarken des Euros sieht er sogar als vorteilhaft, da die Investmentbanker in Amerika ohnehin einen Verlust einfahren dürften. Und auch die höheren Finanzierungskosten dürften keine Auswirkungen auf den Gesamtertrag haben, so Graham. Der Grund: Die Ursache für die gestiegenen Finanzierungskosten liegt in geänderten internen Verrechnungspreisen. Jene Summe, um die die Finanzierungskosten des Investmentbankings steigen, dürfte in annähernd gleicher Höhe in anderen Konzernbereichen ausgeglichen werden.

Der Deutsche-Bank-Kurs erreicht das tiefste Niveau seit 18 Monaten

Aufregung um M&A League Tables

Für zusätzliche Aufregung sorgte, dass der Datenanbieter Thomson Reuters fast zeitgleich vorläufige League Tables für den März veröffentlichte, die auf den ersten Blick belegen, dass das Investmentbanking der Deutschen Bank tatsächlich danieder liegt.

Demnach gehört die Bank bei der Fusionsberatung von deutschen M&A-Deals nicht einmal mehr zu den Top 15 – ein Tiefschlag im Heimatmarkt. Allerdings berücksichtigen die vorläufigen League Tables bereits die Beratungsmandate für E.on und RWE bei der riesigen Filetierung von Innogy. Die Deutsche Bank hat inzwischen aber offenbar das Beratungsmandat bei Innogy gewonnen und dürfte damit in den finalen League Tables für das erste Quartal doch wieder an vorderer Stelle auftauchen.

International schneidet sie ohnehin weniger schlecht ab: Europaweit betrachtet rangieren die M&A-Berater der Deutschen Bank auf Rang 3, weltweit schoben sie sich von Platz 12 auf Platz 9 vor. Bei der Begleitung von Anleiheemissionen verteidigte die Bank ihre globale Marktführerschaft, bei Aktienemissionen liegt sie auf dem vierten Platz.

Börsengang der DWS dürfte glücken

Zudem deutet sich an, dass der Börsengang der Fondstochter DWS zumindest zu einem bescheidenen Erfolg werden dürfte. Der Ausgabepreis liegt Marktgerüchten zufolge mit 32 und 33 Euro in der Mitte der Preisspanne. Damit würde die Deutsche Bank statt der maximal möglichen 1,8 Milliarden Euro für die angebotenen 25 Prozent der DWS lediglich höchstens 1,65 Milliarden Euro erlösen. Die Gesamtbewertung der DWS entspräche damit in etwa dem Buchwert, den Analysten auf 6,4 Milliarden Euro schätzen.

Möglicherweise kann CFO von Moltke nach dem Handelsstart der DWS für das erste Quartal sogar einen Buchgewinn von knapp 200 Millionen Euro verbuchen. Der Stimmung am Markt, die sich immer stärker gegen die Deutsche Bank dreht, vermag dies aber nicht zu verbessern. Die kritische Kursmarke von 10 Euro, bei deren erstmaligen Durchstoßen im Herbst 2016 Panik aufkam, rückt wieder näher.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de