Nach Jahren anhaltender Hiobsbotschaften verbreitet die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrer neuen Studie zum deutschen Bankensektor einen zarten Hoffnungsschimmer. Der allgemeine Tenor der Analyse von 1.630 deutschen Bankbilanzen des Geschäftsjahres 2017: Banken steuern in die richtige Richtung, sind von ihren Zielen und internationalen Wettbewerbern aber noch meilenweit entfernt.
Die gute Nachricht ist, dass über alle Banksektoren hinweg die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der deutschen Institute gestiegen ist, wenn auch nur minimal von 1,8 auf 2 Prozent. Die schlechte Nachricht: Dieser Wert ist im internationalen Vergleich weiterhin unterirdisch. Nur jede zwölfte Bank verdient Bain zufolge hierzulande ihre Eigenkapitalkosten, die die Berater mit 4,9 Prozent beziffern. Im Vorjahr schaffte dies noch jede zehnte Bank. Bereits dieser Wert war besorgniserregend.
Bain findet Bankenentwicklung „ernüchternd“
Damit gelang es den deutschen Banken auch 2017 in der Fläche nicht, den Ertragsschwund zu stoppen. Der harte Wettbewerb und die Niedrigzinsen belasten seit Jahren die Zinserträge und damit die Gewinne der Banken. Im Gegenzug konnten die Geldinstitute ihre Provisionserträge bisher nicht soweit steigern und ihre Kosten nicht soweit senken, um den Rückgang im Zinsgeschäft zu kompensieren.
„Dies alles ist im zehnten Jahr nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ausgesprochen ernüchternd.“
Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Die durchschnittliche Cost-Income-Ratio der deutschen Banken ist gegenüber dem Vorjahr nochmal um 3 Prozentpunkte auf 72 Prozent 2017 gestiegen. Banken müssen damit für 1 Euro Ertrag 72 Cent aufwenden. Für Bain ist „dies alles im zehnten Jahr nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ausgesprochen ernüchternd“.
Bain schürt aufkeimende Hoffnung bei Großbanken
Das Renditemaß aller Dinge bleiben wie im Vorjahr die Direktbanken (7,8 Prozent), Spezialbanken (5,9 Prozent) sowie die Autobanken (8,8 Prozent). Hoffnung auf eine Trendwende keimt aber vor allem bei den zuletzt arg gebeutelten Landesbanken und Großbanken auf. Deren Eigenkapitalrenditen sind laut Bain 2017 gegenüber dem Vorjahr gestiegen – bei den Landesbanken von 2,7 auf 3,7 Prozent, bei den Großbanken wie Deutsche Bank oder Commerzbank von 1,1 auf 2,5 Prozent. Ihre Eigenkapitalkosten verdienen die Banken damit aber noch nicht.
Die Restrukturierungsbemühungen der deutschen Großbanken beginnen Bain zufolge dennoch langsam Früchte zu tragen. Gemessen am Eigenkapital sollen die Großbanken 2017 zum ersten Mal mehr Erträge aus dem Nicht-Zinsgeschäft als aus dem Zinsgeschäft erwirtschaftet haben, was allerdings vor allem an dem überproportional schrumpfenden Zinsertrag liegt und nicht an einem überproportional steigenden Nicht-Zinsertrag. Die Kostenstruktur der Großbanken blieb mit einer Cost-Income-Ratio von 83,4 Prozent zudem weit über dem Branchendurchschnitt.
Landesbanken-Konsolidierung nimmt Fahrt auf
Bei den Landesbanken macht sich Bain zufolge die Konsolidierung langsam bemerkbar. Vor einem Jahr beschrieb Bain-Partner Wilhelm Schmundt die Lage noch wie folgt: „Bei den Landesbanken gibt es ein Hoch im Süden und ein Tief im Norden.“ Das Tief wurde seitdem von Finanzinvestoren ausgenutzt. Die HSH Nordbank wurde bereits privatisiert und an die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers verkauft. Zukünftig firmiert die HSH dann als „Hamburg Commercial Bank“.
Bei der Norddeutschen Landesbank wird derzeit ebenfalls über den Einstieg eines neuen Investors verhandelt. Neben Cerberus und Apollo soll auch Centerbridge noch im Rennen sein. Aber auch das Gerücht einer Mega-Landesbank machte die Runde.
Fakt ist: Deutsche Banken sind unterbewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) deutscher Banken war 2017 mit dem Wert 0,5 nur halb so groß wie das der europäischen Konkurrenz (1,1). Ein KBV von 0,5 bedeutet, dass das Eigenkapital an der Börse nur halb so viel Wert ist, wie es in den Büchern steht.
Investoren haben laut Bain schlicht kein Vertrauen mehr in deutsche Banken und deren Geschäftsstrategien. Sie nehmen hohe Abschläge auf die Multiples vor, was sich laut Bain in den Aktienrenditen niederschlägt. Die Aktienrenditen europäischer Banken lagen demzufolge in den vergangenen zwölf Monaten bei minus 9 Prozent. Zum Vergleich: In Nordamerika liegt die Kennzahl bei 12 Prozent.
Bain fordert Bankenfusionen – und warnt gleichzeitig
Um sich aus diesem Bewertungstief zu befreien, sollen sich Banken Bain zufolge stärker für Partnerschaften öffnen und Fusionen ausloten. Die Unternehmensberatung meint, dass bei Bankfusionen die Kosten im Schnitt um 30 Prozent sinken würden, bei den erfolgreichsten gar um mindestens 40 Prozent.
Gleichzeitig warnt Bain aber davor, dass Bankenmerger keine Selbstläufer seien. Die Einmalkosten seien nicht zu unterschätzen und sollen im Schnitt 150 Prozent der jährlich zu erwartenden Synergien ausmachen. In Deutschland gelte sogar eher der Faktor 2.
Eine fusionierte und damit größere Bank sei aber keinesfalls direkt besser. Immer noch scheitern viele Bankenfusionen, was laut Bain fünf Gründe haben kann: Entweder fehlt die Integrationsstrategie, die Umsetzung mangelt, die Bank verliert wichtige Mitarbeiter, die Prozesse und Systeme sind zu umständlich oder aber das Integrationsmanagement ist zu schwach.