Als ob die Deutsche Bank nicht genug Fusionsgerüchte um sich hätte, brodelt es jetzt wieder um die DWS. Die Ertragsperle der Frankfurter soll in Gesprächen mit der Schweizer UBS stehen.

Mario Andreya/Deutsche Bank

24.04.19
Banking & Berater

DWS und UBS sollen Fusionsgespräche führen

Steht der europäische Asset-Management-Markt vor einer Konsolidierung? Medienberichten zufolge befinden sich die Deutsche-Bank-Tochter DWS und die Asset-Management-Sparte der UBS in Gesprächen über ein Zusammengehen.

Mitten in die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank platzt schon wieder ein neues Gerücht: Angeblich führen die Fonds-Tochter der Deutschen Bank, DWS, und die Schweizer UBS Gespräche über die Zusammenlegung der Asset-Management-Sparten. Zuerst berichtete gestern Abend die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf Insider darüber, dass „ernsthafte Gespräche“ zwischen den Asset-Management-Armen der Schweizer und der Deutschen stattfänden. Die Gespräche dauern demnach bereits seit einigen Monaten an.

Inzwischen hat auch das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Insider die Verhandlungen bestätigt. Allerdings stünden die Chancen für einen Abschluss bei 50 zu 50, so die Insider. Weder DWS noch UBS wollten die Gerüchte auf FINANCE-Nachfrage kommentieren. Bei dem Projekt, das laut Handelsblatt unter dem Decknamen „Pacific“ laufen soll, handele es sich um einen Deal, bei dem die UBS ihr verwaltetes Vermögen in die DWS einbringe und im Gegenzug Aktien erhielte.

Die DWS ist die Ertragsperle der Deutschen Bank

Damit würde die Deutsche Bank zwar ihre Mehrheit an der DWS abgeben, bliebe aber über der kritischen Marke von 40 Prozent, heißt es weiter. Da die DWS unter der Rechtsform der KgaA läuft, kann die Deutsche Bank bei 40 Prozent plus einer Aktie die Fondstochter weiterhin kontrollieren und die Gewinne konsolidieren. Die Bank hatte die DWS 2018 an die Börse gebracht, hält aber immer noch 78 Prozent.

Auch wenn die DWS mit einer Cost-Income-Ratio von 70,9 Prozent weit über dem von der Boston Consulting Group errechneten Branchenschnitt von 62 Prozent liegt, gehört die Fondstochter mit einer Eigenkapitalrendite von 6,7 Prozent doch zu den Ertragsperlen der Deutschen Bank.

Durch eine Fusion entstünde ein neuer deutsch-schweizerischer Player im Fondsmarkt. Gemeinsam erreichen DWS und UBS rund 1.355 Milliarden Euro Assets-under-Management. Damit läge das fusionierte Unternehmen knapp hinter dem europäischen Spitzenreiter aus Frankreich Amundi mit 1.455 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen. Vor wenigen Wochen erst deutete auch Amundi Interesse an der DWS an.

Braucht die Deutsche Bank Erlöse aus DWS-Verkauf?

Die DWS steht zwar nicht offiziell zum Verkauf, doch erste Gerüchte darüber kamen bereits Mitte März auf: Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete damals, die Allianz prüfe eine Fusion ihres Investmentarms Allianz Global Investor mit der DWS, um einen nationalen Champion im Fondsbereich zu schaffen. Den Verkaufserlös könnte die Deutsche Bank nutzen, um ein mögliches Zusammengehen mit der Commerzbank zu finanzieren.

Doch auch auf diesem Feld ist die Lage derzeit alles andere als eindeutig: Zwar befindet sich die Deutsche Bank seit Mitte März offiziell in Fusionsgesprächen mit der Commerzbank. Doch zwischenzeitlich hieß es, dass auch die niederländische ING Bank ein Auge auf die Commerzbank geworfen haben soll.

Und erst Anfang April wurden Gerüchte laut, dass die Mailänder Unicredit an einer Beteiligung an der Commerzbank interessiert  sei. Spätestens zur Veröffentlichung der Jahreszahlen der Deutschen Bank diesen Freitag soll schließlich Klarheit darüber herrschen, ob und falls ja, wie die Commerzbank und die Deutsche Bank ihre Sondierung in formale Fusionsgespräche überführen werden.

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