DZ Bank testet neuen Ansatz bei Firmenkunden

DZ Bank

06.03.19
Banking & Berater

DZ Bank testet neuen Ansatz bei Firmenkunden

Die DZ Bank kommt im Firmenkundengeschäft nicht entscheidend voran: Unter dem Strich verdiente sie dort 2018 in etwa so viel wie im Vorjahr. Nun will sie ihr Betreuungsmodell im Firmenkundengeschäft anpassen.

Das Fazit fällt nüchtern aus: Im abgelaufenen Geschäftsjahr war die DZ Bank mit ihrem Firmenkundengeschäft in einem schwierigen Marktumfeld zwar zufrieden, aber sie war nicht begeistert. Diesen Eindruck vermittelte die neue Führungsspitze um Uwe Fröhlich und Cornelius Riese am gestrigen Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Die Erträge im Firmenkundengeschäft, das nach dem Ausscheiden von Stefan Zeidler von Uwe Berghaus künftig alleine geführt wird, sollen wieder stärker wachsen. Fröhlich möchte daher künftig eine „Lücke im oberen Mittelstand“ schließen, die er ausgemacht zu haben glaubt. Er meint damit Firmenkunden, die aus der Leistungsbandbreite der Volks- und Raiffeisenbanken herausgewachsen sind, die die DZ Bank aber bislang mit ihren Angeboten noch nicht erreicht.

An diese Firmenkunden möchte die DZ Bank näher heranrücken und sie vor Ort mit Kapitalmarkt-, Transaction-Banking- und Außenhandelsexpertise versorgen. Die Produktspezialisten sollen künftig nicht mehr nur von Frankfurt aus entscheiden, sondern direkt beim Firmenkunden agieren. Dafür seien regionale Stellen für die Produktexperten geschaffen und Mitarbeiter intern versetzt worden.

DZ Bank verdient operativ 308 Millionen Euro

Ein Blick auf die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 zeigt, warum Fröhlich Handlungsbedarf sieht: Der Vorsteuergewinn der DZ Bank AG sank 2018 im Vorjahresvergleich um 30,6 Prozent auf 522 Millionen Euro. In diesem Wert enthalten sind allerdings auch Beteiligungserträge und Holdingkosten, die das operative Ergebnis verzerren. Zur DZ-Bank-Gruppe gehören neben der DZ Bank AG unter anderem die Bausparkasse Schwäbisch Hall, R+V-Versicherungen und die Fondsgesellschaft Union Investment. Das Firmenkundengeschäft der Gruppe ist überwiegend in der DZ Bank AG angesiedelt.

Der operative Ergebnisbeitrag der DZ Bank AG zur Gruppe lag Fröhlich zufolge 2018 bei 308 Millionen Euro. 2017 seien es zwar 350 Millionen Euro gewesen, darin waren aber Sondererträge aus dem Verkauf des Zahlungsabwicklers Concardis enthalten.

Zufrieden ist Fröhlich mit diesen Werten noch nicht: Mittelfristig soll die DZ Bank AG, die neben dem Firmenkundengeschäft auch Privatkunden-Wertpapiergeschäft, institutionelles Kapitalmarktgeschäft und Transaction Banking betreibt, operativ rund 500 Millionen Euro verdienen. Damit gab die DZ Bank zum ersten Mal nach dem Zusammenschluss mit der WGZ-Bank einen groben Richtwert, wo die operative Ertragskraft der fusionierten Bank im Firmenkundengeschäft künftig liegen soll.

Kein Ertragswachstum im Firmenkundengeschäft

Im Firmenkundengeschäft, zu dem bei der DZ Bank AG neben fünf regionalen Firmenkundenbereichen auch Investitionsförderungen sowie Strukturierte Finanzierungen inklusive Akquisitionsfinanzierung, Konsortialgeschäft, Projektfinanzierung und Handels- und Exportfinanzierung fallen, verzeichnete die Bank zuletzt zwar Wachstum: Das Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft ist der Bank zufolge um 9 Prozent oder rund 4,8 Milliarden auf nunmehr 53,8 Milliarden Euro gestiegen. Die Anzahl der Hausbankbeziehungen habe um 18 Prozent zugelegt, unter anderem durch mehr Cross Selling bei Zins- und Absicherungsprodukten.

„Der Deckungsbeitrag im Firmenkundengeschäft war 2018 im Vergleich zum Vorjahr stabil.“  

Uwe Fröhlich, Co-Chef, DZ Bank

Das Problem dabei: Auf der Ertragsseite hat dies bislang wenig Fortschritt gebracht. Mit diesem Problem hatten zuletzt auch die CommerzbankHSBC und LBBW zu kämpfen. Wie sich der Zins- und Provisionsüberschuss im Firmenkundengeschäft der DZ Bank entwickelt entwickelt hat, verriet die Bank zwar nicht. Fröhlich zufolge sei der Deckungsbeitrag im Firmenkundengeschäft 2018 im Vergleich zum Vorjahr aber stabil geblieben. Der Deckungsbeitrag ergibt sich vereinfacht aus dem Zins- und Provisionsüberschuss, abzüglich der Risikokosten. Fröhlich zufolge habe man sich zwar vorgenommen, auch bei den Erträgen zu wachsen. Dies sei im aktuellen Marktumfeld jedoch schwierig. 

Wie schwierig, zeigt ein kurzer Blick in den Halbjahresbericht der DZ Bank für 2018. Dort weist sie die Konditionsbeiträge der einzelnen Geschäftsfelder aus, also die Differenz zwischen Zinsertrag und Zinsaufwand. In den regionalen Firmenkundenbereichen ist dieser im Vergleich zum Vorjahr ebenso gesunken wie bei der strukturierten Finanzierung. Ein gesunkener Konditionsbeitrag deutet darauf hin, dass entweder das Treasury der Bank auf der Refinanzierungsseite (Zinsaufwand) Schwierigkeiten hatte, oder dass der Vertrieb beim Kunden nicht genug Marge herausholen konnte (Zinsertrag).

DZ-Bank-Gruppe verdient weniger

Den Margenrückgang im Firmenkundengeschäft konnte die Bank zwar über mehr Kreditvolumen kompensieren. Mehr Kreditvolumen kann jedoch nicht die einzige Antwort der Banken auf den Margendruck sein. Der Vorstand der DZ Bank möchte nach eigener Aussage näher am Kunden sein. Grundsätzlich liege in der DZ Bank AG eine hohe Priorität auf der „kundenorientierten und effizienten Ausrichtung“ aller Firmenkundenprozesse – vom Kundenportal bis zum Back Office, heißt es bei der Bank. Co-Chef Cornelius Riese sagte bei der Bilanzpressekonferenz, man habe nun die Zeit der Strukturarbeit größtenteils hinter sich, und die Zeit der Kundenarbeit vor sich.

In der DZ-Bank-Gruppe wartet aber auch noch strukturelle Arbeit auf das neue Führungsduo. Unter dem Strich verdiente die Gruppe vor Steuern in jedem Geschäftsbereich weniger als im Vorjahr. Der Zinsüberschuss sei wegen der Niedrigzinsen um 4,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesunken, was vor allem die DZ Bank AG und die Schwäbisch Hall gespürt hätten. Der Provisionsüberschuss sei dagegen leicht auf rund 2 Milliarden Euro gestiegen, was vor allem Union Investment und dem Anleiheprimärmarktgeschäft zu verdanken sei. Unter dem Strich hat die Gruppe 2018 vor Steuern mit rund 1,4 Milliarden Euro rund 24 Prozent weniger verdient als im Vorjahr. 

Der Verlust der DVB, in der die Gruppe ihre Transportfinanzierung bündelt, konnte von minus 774 Millionen auf minus 130 Millionen Euro gesenkt werden. Da die DVB kein strategisches Geschäftsfeld der Gruppe mehr sei, soll der Bereich Riese zufolge zurückgeführt werden. Außerdem will die Bank stärker zwischen den Geschäftsbank- und den Holding-Aktivitäten trennen, die aus dem Merger mit der WGZ-Bank heraus entstanden sind.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Durch mehr Kreditvolumen und höheres Cross Selling hat die DZ Bank ihr Corporate Banking 2018 stabil halten können. Wie die anderen Banken abgeschnitten haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft.