Commerzbank hinkt Ertragszielen im Firmenkundengeschäft hinterher

Julia Schwager/Commerzbank

15.02.19
Banking & Berater

Commerzbank auch im Firmenkundengeschäft hinter Zielen

Die Commerzbank hat zwar auch im vergangenen Jahr wieder viele Firmenkunden gewonnen, aber verdient mit diesen immer noch zu wenig Geld. Wo stehen die Bank und das Firmenkundengeschäft nach zwei Jahren Restrukturierung?

Halbzeit bei der Commerzbank-Strategie 2020: Gestern hat die Bank ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 vorgelegt. Unter dem Strich hat die Bank nach Steuern mit 865 Millionen Euro fast siebenmal so viel verdient wie im Vorjahr und wieder viele Neukunden gewonnen. Aber reicht das, um ihre für 2020 gesteckten Ziele zu erreichen?

Rückblick: Im September 2016 präsentierte die Bank die Strategie Commerzbank 4.0. Darin hieß es, dass bei einem gleichbleibenden Zinsniveau die Erträge der Gesamtbank bis 2020 auf 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro steigen und die Kosten gleichzeitig auf 6,5 Milliarden Euro sinken sollten. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis („Cost-Income-Ratio“) sollte dadurch auf unter 66 Prozent sinken. Erreichen wollte die Bank das mit einem höheren Digitalisierungsgrad, strengem Kostenmanagement und über Neukunden.

Commerzbank kassiert Ertragsziele

Und zwei Jahre später? Einerseits wächst die Bank und lockt Kunden an. Sie hat seit der Verkündung der neuen Strategie nach eigener Aussage bereits 1 Million private und 8.900 neue Firmenkunden gewonnen. Der Digitalisierungsgrad der Bank ist nach eigenen Angaben von 36 auf 59 Prozent gestiegen, die Kosten sind von 7,1 auf 6,9 Milliarden Euro gesunken. 

Doch mit den Neukunden verdient die Commerzbank immer noch sehr wenig Geld, was sich daran zeigt, dass die Erträge trotzdem von Jahr zu Jahr gesunken sind: 2016 wies die Bank noch rund 9,4 Milliarden Euro aus, 2018 waren es nur noch rund 8,6 Milliarden Euro. Die logische Folge: Die Kosten-Ertrags-Relation ist nicht gesunken, sondern von 75,5 auf 80,3 Prozent gestiegen.

Die Commerzbank hinkt ihren selbst gesteckten Ertragszielen auch deshalb hinterher, weil sich das Markt- und Zinsumfeld in den zwei Jahren nicht so entwickelt hat, wie sich die Bank das gewünscht hätte. Bei der Profitabilität hingegen hatte die Commerzbank ihre Aktionäre schon 2016 auf zwei Jahre mit niedriger Rentabilität eingeschworen. Trotzdem kassierte sie gestern ihre Ertragsziele. Bankchef Martin Zielke geht nur noch von einem 3-prozentigen Ertragswachstum bis 2020 aus. 2020 stünde die Commerzbank dann bei etwas über 9 Milliarden Euro statt der angestrebten 9,8 bis 10,3 Milliarden. Bei der angestrebten Eigenkapitalrendite ruderte Finanzchef Stephan Engels auf 5 bis 6 Prozent zurück, nachdem bislang über 6 Prozent das Ziel waren. 

Ertragsschwund im Firmenkundengeschäft

Dieses Bild spiegelt sich nahezu eins zu eins im Firmenkundengeschäft wider. Im Zuge der neuen Strategie beauftragte Zielke Michael Reuther, der die Bank mit Auslaufen seines Vertrags verlassen wird, damit, das Firmenkunden- enger mit dem Kapitalmarktgeschäft zu verzahnen. Sektorteams sollen den Firmenkunden tieferes Branchenwissen bieten und damit die Servicequalität erhöhen.

Es sind zwei Zahlen, die die Commerzbank gerne präsentiert, um Fortschritte auf diesem Weg zu dokumentieren: die Anzahl neuer Firmenkunden und das Kreditvolumen im Geschäft mit Unternehmen. Seit 2016 hat die Commerzbank nach eigenen Angaben netto 8.900 Firmenkunden hinzugewonnen. Das Kreditvolumen mit Mittelständlern und internationalen Firmenkunden habe seitdem um 7 Milliarden Euro auf 82 Milliarden Euro zugelegt – ein Plus von 9 Prozent, und das bei einer gleich bleibenden Risikoneigung, wie die Commerzbank betont.

Auf was das Management nicht hinweist: Die Erträge mit den beiden wichtigen Firmenkundengruppen Mittelständlern und internationalen Konzernen sind in den vergangenen zwei Jahren um 10 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro gesunken. Im gesamten Firmenkundensegment, also inklusive den Bereichen „Financial Institutions“ und „Sonstiges“, gingen die Erträge von 2016 bis 2018 sogar um 20 Prozent auf nur noch 3,5 Milliarden Euro zurück. Obwohl die Risikovorsorge auf einem historisch niedrigen Niveau liegt, hat sich der operative Gewinn im Firmenkundengeschäft auf 629 Millionen Euro halbiert.

Firmenkundenziele der Commerzbank in Gefahr

Ursprünglich sollte das gesamte Firmenkundensegment zwischen 2017 und 2020 zusammen 300 bis 500 Millionen Euro zum Ertragswachstum beitragen, wie in der Strategiepräsentation aus dem September 2016 nachzulesen ist. Bei 2016 ausgewiesenen Erträgen von 4,4 Milliarden Euro und den zuletzt verbuchten 3,4 Milliarden Euro, müsste die Commerzbank ihre Firmenkundenerträge in den kommenden zwei Jahren um 1,3 Milliarden Euro steigern, um im Jahr 2020 das Minimalziel noch zu erreichen. 

Es gibt aber auch Lichtblicke: Obwohl die Commerzbank hohen Margendruck und eine verhaltene Nachfrage der Firmenkunden nach Kapitalmarktprodukten beklagt, konnte sie den Zinsüberschuss im Firmenkundensegment 2018 Quartal für Quartal steigern und einen leichten Aufwärtstrend zeigen. Mit 1,8 Milliarden Euro lag er allerdings unter dem Strich leicht unter dem Vorjahresniveau. Der Provisionsüberschuss hingegen sank ebenfalls leicht auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Ernüchterung bei Commerzbank-Aktionären

Mit der Trennung von Tätigkeiten wie der operativen Wertpapierabwicklung (diese ging an HSBC) und dem ETF-Geschäft (an Société Générale) sowie digitalen Initiativen bemüht sich die Commerzbank, agiler zu werden, auch im Firmenkundengeschäft. Dafür baut sie gerade ihre Zentrale nach dem Vorbild ihres „Digital Campus“ um (mehr dazu in der aktuellen Ausgabe des FINANCE-Magazins).

Im Firmenkundengeschäft wurden dort bereits einige End-to-end-Prozesse digitalisiert, beispielsweise ein KMU-Kredit. Dieses und nächstes Jahr stehen Prozessmodernisierungen in den Bereichen „Kredit Corporate“ und „Trade Finance & Services“ an. Agil arbeitende Teams sollen Produkte schneller an den Markt bringen. 

Nach zwei Jahren steht die Coba-Aktie wieder da, wo sie herkommt

Doch die Investoren zweifeln, dass diese Maßnahmen greifen. Außerdem sehen sie offenbar hohe Risiken in der Bilanz, obwohl die Commerzbank etwa ihre ausstehenden Schiffskredite auf unter eine halbe Milliarde Euro abgebaut hat. Beleg: Die Aktie notiert inzwischen zu weniger als einem Drittel des von der Commerzbank ausgewiesenen Net Asset Values. Mit aktuell 6,30 Euro steht die Aktie aktuell halb so hoch wie vor einem Jahr und in etwa wieder auf dem Niveau vom September 2016, als die Bank ihre Strategie 2020 vorgestellt hatte. Die Marktkapitalisierung beträgt nur noch 7,2 Milliarden Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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