DZ Bank, WGZ Bank, Fusion, Firmenkundengeschäft, Stefan Zeidler

DZ BANK

19.11.15
Banking & Berater

DZ Bank und WGZ Bank schließen sich zusammen

Nach mehren gescheiteren Versuchen wollen DZ Bank und WGZ Bank jetzt tatsächlich fusionieren. Sie wollen nicht nur Kosten sparen, sondern sich auch im Firmenkundengeschäft in eine bessere Position bringen.

Die größten deutschen Genossenschaftsbanken DZ Bank und WGZ Bank schließen sich zusammen. Das neue Institut wird den Namen „DZ Bank. Die Initiativbank“ tragen. Die Bank soll als eine vereinigte Zentralbank entstehen, die mit mehr als 1.000 Genossenschaftsbanken zusammenarbeiten wird. Chef der neuen Bank wird der derzeitige DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Den stellvertretenden Vorsitz übernimmt der bisherige WGZ-Chef Hans-Bernd Wolberg. Dem Aufsichtsrat soll Hermann Gottschalk vorsitzen, bislang Chefkontrolleur  der DZ Bank.

Es ist kein Zusammenschluss unter Gleichen. Die DZ Bank ist die deutlich größere Bank, ihre Bilanzsumme liegt bei 409 Milliarden Euro. Die WGZ Bank hat einen regionalen Fokus und ist nur im Westen Deutschlands aktiv, ihre Bilanzsumme beläuft sich auf rund 92 Milliarden Euro. Die neu entstehende Bank überholt in Sachen Größe die KfW und rückt nach Bilanzsumme an Position 3 der größten deutschen Banken vor, direkt hinter die Deutsche Bank und die Commerzbank. Es ist die größte Fusion im deutschen Bankenmarkt seit der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank im Jahr 2010.

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Fusion der beiden Genossenschaftsbanken sind der Schlusspunkt unter extrem langwierige Verhandlungen. Bereits seit Jahren haben die beiden Institute immer wieder einen Zusammenschluss angestrebt, aber es kam nie zum Abschluss. Diesmal soll es nun klappen. Wolfgang Kirsch sieht dafür eine „außerordentlich große Chance“.

Neue DZ Bank will 25 Prozent Marktanteil im Firmenkundengeschäft

Die Banken erhoffen sich durch den Zusammenschluss Kostensynergien von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr. Dazu sollen Prozesse und Strukturen gebündelt werden, was auch zu einem Personalabbau führen dürfte. Doch die Cost-Income-Ratios der beiden Banken sind überdurchschnittlich gut –  54 Prozent sind es derzeit bei der DZ Bank und sogar nur 43 Prozent bei der WGZ Bank. Kirsch warnte heute jedoch davor, dass sich dieses niedrige Niveau nicht wird halten lassen.

Synergien und vor allem Wachstumschancen sehen die beiden Banken vor allem im Firmenkundengeschäft. Die Ziele sind ehrgeizig: Kirsch will den Marktanteil der Bank dort auf 25 Prozent ausbauen. Derzeit liegt der kombinierte Marktanteil nach Zählung der DZ Bank bei 19 Prozent, 2009 seien es noch 15 Prozent gewesen.

Die Charmeoffensive bei den begehrten Firmenkunden haben die Fusionspartner heute schon eröffnet: „Die DZ Bank verfügt über ein gutes Auslandsnetz, auf das wir bei der WGZ Bank bisher immer verzichtet haben“, wirbt WGZ-Chef Wolberg um das Vertrauen seiner bisherigen Kunden. Gerade bei auslandsorientierten Unternehmen rechnen sich die Banker gute Wachstumschancen im Kapitalmarktgeschäft und im Transaction-Banking aus.

Auch das klassische Kreditgeschäft, dass in der gesamten Gruppe seit 2009 jährlich um 4,7 Prozent  gewachsen ist,  will die Bank weiter ausbauen, auf dieser Basis aber auch das Cross-Selling vorantreiben. Dies hatte erst am Montag der derzeitige Firmenkundenchef der DZ Bank, Stefan Zeidler, gegenüber FINANCE-TV angedeutet, als er sagte, dass die Kreditmargen derzeit nicht auskömmlich sind: „Wir verdienen damit unsere Eigenkapitalkosten nicht“, klagte der Banker.

Einige Großkunden unterhalten Geschäftsbeziehungen zu beiden Banken. Laut Kirsch würden durch den Zusammenschluss jedoch keine Kreditobergrenzen erreicht. Die Bank müsse also keine Kreditengagements aufgrund der geplanten Fusion zurückschrauben.

Verliert Firmenkundenchef Stefan Zeidler den ganzen Norden?

Bei der Betreuung der bestehenden Firmenkunden soll sich zunächst wenig ändern. Die regionalen Betreuungsstandorte sollen erhalten bleiben, die bisherigen Kunden der WGZ Bank aus Nordrhein-Westfalen werden auch weiterhin aus Düsseldorf heraus betreut.

Allerdings könnten sich die Aufgabengebiete der bisherigen Firmenkundenchefs verschieben. Sowohl Zeidler als auch der Firmenkundenchef der WGZ Bank, Uwe Berghaus, werden dem Vorstand der neuen Bank angehören. Bisher ist Berghaus nur in einem begrenzten regionalen Gebiet tätig, während Zeidler bundesweit agiert. „Dies könnte in Zukunft gerechter verteilt werden“, deutet WGZ-Bank-Chef Wolberg eine Beschneidung von Zeidlers Zuständigkeit an. So sei zum Beispiel eine Aufgabenteilung in Nord und Süd vorstellbar.

DZ Bank und WGZ Bank planen Holding-Modell bis 2020

An den Start gehen soll die neue Bank nach dem jetzigen Plan ab August 2016. Damit ist der Prozess jedoch noch nicht abgeschlossen. Übergreifende Strategie- und Steuerungsfunktionen sollen in eine Holding verlagert werden.

Die Geschäftsaktivitäten der Zentralbanken sollen in einer Einheit darunter gebündelt werden und auf einer Ebene mit den weiteren Verbundunternehmen angesiedelt sein, beispielsweise der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der Fondsgesellschaft Union Investment. Dieser Umbau dürfte sich noch bis zum Ende des Jahrzehnts hinziehen, erklärten die beiden neuen Bankchefs.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de