Fast 500 Stellen will die DZ Bank streichen. Als Sparprogramm will sie dies aber nicht verstanden wissen: Die Wachstumsziele sind ehrgeizig.

DZ Bank

04.10.18
Banking & Berater

DZ Bank will Kosten senken und streicht Stellen

Die Erträge sind stabil, die Kosten steigen: Die DZ Bank will die Kostensituation besser in den Griff bekommen und streicht dafür fast 500 Stellen. Zugleich setzt sich die Bank hohe Wachstumsziele.

Die DZ Bank wird nach der Fusion zum genossenschaftlichen Verbund noch einmal kräftig Stellen streichen: Rund 485 Vollzeitstellen sollen bis Ende 2022 wegfallen. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das FINANCE vorliegt. Zuvor hatte die Agentur „Reuters“ aus dem Brief zitiert. Damit würde fast jede zehnte Stelle entfallen, die Bank hatte Ende 2017 rund 5.500 Mitarbeiter.

Der Abbau soll allerdings sozialverträglich erfolgen, also über freiwillige Austritte oder Ruhestandsregelungen. Gelingt ein Interessenausgleich mit allen Fachbereichen bis Ende März 2019, will die Bank im Gegenzug bis zum 31. März 2024 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

Das Kernproblem benennt die DZ Bank klar: „Die Kundenerträge sind in den letzten Jahren zwar stabil geblieben, die Kostenseite verzeichnete jedoch einen kontinuierlichen Anstieg.“ Das Ergebnis stehe unter hohem Druck.

DZ Bank: Viel Aufwand, wenig Ertrag

Der Grund für die Schwierigkeiten ist bereits gefunden: Die Aufwands-Ertrags-Relation liegt laut DZ Bank zurzeit „deutlich über 80 Prozent und damit im Marktvergleich auf einem nicht zufriedenstellenden Niveau“, wie die Bank selbstkritisch einräumt. Die Cost-Income-Ratio der Commerzbank beispielsweise lag zuletzt bei 72 Prozent. Die Quote misst das Verhältnis des Verwaltungsaufwands zu den in der Bank erzielten Erträgen.

Man wolle künftig Kosten und Erträge wieder stärker in Einklang bringen, heißt es in dem Schreiben. Dies deutet darauf hin, dass die Bank weniger in der Betreuung von Privatkunden oder im Firmenkundengeschäft sparen will, sondern eher in administrativen Bereichen. Offizielle Angaben dazu, wo genau Stellen entfallen werde, gibt es bislang jedoch nicht. 

DZ Bank setzte auf Portallösung für Firmenkunden

Die Bank will ihr Programm keineswegs als Sparprogramm verstanden wissen, sondern verknüpft es mit einer ehrgeizigen Wachstumsagenda. „Die Erträge aus dem operativen Geschäft der Verbund- und Geschäftsbank wollen wir bis 2022 um jährlich mindestens 3,5 Prozent – und damit deutlich über Marktniveau – steigern, ohne das Risikobewusstsein zu verlieren“, so das ausgegebene Credo.

Dies gelte für alle Geschäftsfelder: Firmenkunden, Kapitalmarktgeschäft und Transaction Banking. In den Wachstumsbereichen sollen Investitionen möglich sein, insbesondere bei Markt- und Vertriebsthemen. Konkret nennt die DZ Bank in dem Schreiben unter anderem Produkt- und Plattforminvestitionen im Kapitalmarktgeschäft sowie den Ausbau von Portallösungen im Firmenkundengeschäft.

DZ Bank sortiert externe Dienstleister aus

Allerdings setzt die Bank an anderer Stelle den Rotstift an, um den Druck von der Kostenseite zu nehmen. Wer zurzeit als Dienstleister für die DZ Bank tätig ist, wird sich auf Einschnitte gefasst machen müssen. Die Kosten für externe Dienstleister sollen dauerhaft um 50 Prozent gesenkt werden.

Bereits in diesem Jahr hatte die Bank die Ausgaben um 30 Prozent gesenkt. Dies war möglich, da der aufwendige Zusammenschluss von DZ Bank und WGZ Bank inzwischen abgeschlossen ist.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wie sich die Banken im Wettbewerb um Unternehmenskunden positionieren, lesen Sie auf unserer Themenseite zum Firmenkundengeschäft.