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28.03.13
Banking & Berater

Ex-Hauck & Aufhäuser-Banker wagen Neustart bei N+1

Nach dem Rückzug von Hauck & Aufhäuser aus dem Corporate-Finance-Geschäft versuchen der M&A-Banker Wolfram Schmerl und der Debt Advisor Robert von Finckenstein die spanische Investmentbank N+1 in Deutschland zu etablieren. Im FINANCE-Interview spricht Schmerl über Schattenbanken und den harten Wettbewerb mit Rivalen wie Lincoln, Rothschild & Co.

Der Rückzug aus dem Corporate-Finance-Geschäft, den die Privatbank Hauck & Aufhäuser vor wenigen Monaten beschlossen hatte,  hat die Laufbahn der beiden Vorstände Wolfram Schmerl (M&A) und Robert von Finckenstein (Debt Advisory) nur kurz unterbrochen. In dieser Woche beziehen beide ihre neuen Büroräume an der Frankfurter Taunusanlage. Von dort aus wollen sie N+1, eine pan-europäische Investmentbank mit spanischen Wurzeln, in Deutschland etablieren.

Dafür haben Schmerl und von Finckenstein nahezu ihr gesamtes Team von Hauck & Aufhäuser zu N+1 mitgenommen. „Wir sind jetzt 12 Professionals. Unser Fokus liegt auf Mid-Cap-Transaktionen mit einem Volumen zwischen 50 und 500 Millionen Euro“, berichtet Schmerl gegenüber FINANCE. Im Mid-Market sieht der M&A-Spezialist noch „Bedarf für gute Beratung“. Dabei ist kaum eine Marktnische im deutschen Finanzgewerbe härter umkämpft als das Corporate-Finance-Geschäft mit Mittelständlern und PE-Investoren.

N+1 setzt auf Spezialisten in Lateinamerika und der Türkei

Schmerl attestiert seinem neuen Arbeitgeber eine starke Position in Schwellenländern und setzt darauf, sich nicht zuletzt damit vom Wettbewerb abzuheben: „Wir können weltweit passende Partner für M&A-Deals identifizieren.“ Allerdings verweisen zahlreiche andere Beratungshäuser auf ähnliche Kompetenzen. Deutsche M&A-Boutiquen mit internationalen Netzwerken wie zum Beispiel IMAP und Angermann M&A International oder ausländische Investmentbanken wie Leonardo, Lincoln International, Jefferies, Hawkpoint oder Rothschild sind schon seit Jahren in Frankfurt vertreten.

Aktuell drängt das US-Haus William Blair nach Deutschland, das dafür mit Philipp Mohr, dem früheren Leiter des M&A-Geschäfts der Commerzbank, einen Hochkaräter angeheuert hat. Schmerl, der bei N+1 den M&A-Bereich leiten wird, hält N+1 nichtsdestotrotz vor allem in der Türkei und in Lateinamerika für mindestens genauso gut vernetzt wie die Wettbewerber.

Immerhin hat die 2001 gegründete, in Deutschland aber noch weitgehend unbekannte N+1-Gruppe schon eine nennenswerte Infrastruktur aufgebaut. In London beschäftigt N+1 Schmerl zufolge rund 100 Kapitalmarktexperten, die führenden Sektorexperten sitzen zum Teil direkt in den Schwellenländern mit Bürostandorten in Städten wie Istanbul, Mexico City oder Sao Paulo.

„Neben der internationalen Aufstellung wird aus Sicht der Kunden auch eine spezielle Sektorexpertise immer wichtiger“, sagt M&A-Banker Schmerl. N+1 konzentriere sich daher auf sechs Industriegruppen: Retail Consumer Goods, Industrials, Healthcare, Energy, TMT und Business Services. Sonderlich spezifisch scheint dieser Fokus allerdings nicht. Er wirkt vielmehr so breit formuliert, dass außer Finanzdienstleistern, Immobilienfirmen, Ölförderern und Minenunternehmen praktisch jeder potentielle Kunde darunter Platz findet.

Robert von Finckenstein leitet das Debt Advisory

Das zweite Standbein neben der M&A-Beratung ist die Finanzierungsberatung, die Robert von Finckenstein verantwortet. Der frühere Dresdner Banker gab vor seinem dreijährigen Mandat bei Hauck & Aufhäuser ein kurzes Intermezzo als Deutschland-Chef des Finanzinvestors European Capital, der mit Mezzanine-Investments, die  unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise getätigt wurden, in Europa dem Vernehmen nach mehr als 1 Milliarde Euro verloren haben soll.

„Unser Fokus wird nach wie vor auf der Beratung mittelständischer Unternehmen und PE-Investoren bei Akquisitionsfinanzierungen, Rekapitalisierungen und Restrukturierungen liegen“, sagt Schmerl. Darüber hinaus baut N+1 in London einen neuen Produktbereich „Credit Solutions“ auf, mit dem das Bankhaus als Makler zwischen kapitalsuchenden Mittelständlern und großen Kapitalsammelstellen wie Versicherungen, Pensionsfonds und Family Offices auftreten will: „Wir wollen Mittelständler, die Fremdkapital und Mezzanine benötigen, direkt mit Großinvestoren zusammenbringen, die auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten sind“, erklärt Schmerl.

Debt Fonds wie Ares und ICG entern den deutschen Markt

Solche Debt Fonds und Schattenbanken erreichen in Großbritannien und den USA in der Mittelstandsfinanzierung zum Teil schon fast so hohe Marktanteile wie klassische Banken und sind auch in Deutschland langsam im Kommen. Finanzinvestoren wie ICG, das vor wenigen Wochen den bekannten PE-Manager Jens Tonn als neuen Deutschlandchef verpflichtet hat, Ares Capital, Macquarie, BlueBay und Haymarket versuchen momentan, sich neben den kommerziellen Banken in Deutschland zu etablieren.

Es gibt zwar einige Finanzierungsberater wie Youmex und FCF Fox Corporate Finance, die bei Mittelständlern mit dem Zugang zu reichen Privatinvestoren und Institutionellen werben. Aber anders als beim M&A-Geschäft ist hier noch unklar, wie viele Häuser tatsächlich lieferfähig sind. Schmerl und von Finckenstein haben jedenfalls großes Interesse, das Geschäft ins Rollen zu bringen – beide sind als Partner direkt an der deutschen Landesgesellschaft von N+1 beteiligt.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de