Die Deutsche Bank siedelt die Fintech-Strategie zentral bei den einzelnen Geschäftsbereichen an. Parallel wird in drei Innovation-Labs geforscht.

Deutsche Bank

16.02.16
Banking & Berater

Fintechs: Deutsche Bank setzt auf ihre Chief Digital Officers und Innovation-Labs

Die Deutsche Bank geht Fintechs dezentral an und lässt Chief Digital Officer die Strategie erarbeiten. Parallel wird in drei Innovation-Labs geforscht und ein weiteres Projekt ist in der Pipeline. Teil 5 der FINANCE-Reihe.

Die Deutsche Bank befindet sich im Umbruch: Die von Anshu Jain und Jürgen Fitschen angestoßene und von John Cryan nun umzusetzende Strategie 2020 rüttelt an so ziemlich jedem Geschäftsbereich von Deutschlands größtem Geldhaus. Der Fahrplan sieht vor, bis zum Jahr 2020 eine Milliarde Euro in die Digitalisierung zu stecken. Davon sind auch Fintechs betroffen.

Deutsche Bank: Fintechs sind Teil der Digitalisierungsoffensive

Bei der Deutschen Bank sind die Fintechs innerhalb der allgemeinen Digitalisierungsstrategie angesiedelt. Für Stefan Bender, Leiter Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank, muss bei jedem potentiellen Fintech-Engagement eine einfache, aber entscheidende Frage beantwortet werden: „Was möchte der Kunde? Wo können wir als Bank unsere Stärken ausspielen? Und damit, in letzter Konsequenz: Wie verdienen wir im Umfeld der Zukunft Geld?“ Was zunächst banal klingt, ist auf den zweiten Blick für die Strategie der Deutschen Bank von essentieller Bedeutung.

Denn Bender sieht im digitalen Umfeld wie dem Internet derzeit vor allem drei erfolgreiche Geschäftsmodelle: Das „Umsatz-Modell“ kommt über den Vertrieb und die Masse. Das zweite Modell rückt „Marketing und Werbung“ in den Mittelpunkt, über die Unternehmen Geld verdienen. Und zu guter Letzt bleibt noch das „Big-Data-Modell“, bei dem Unternehmen eine Vielzahl von Daten sammeln, um sie gewinnbringend zu nutzen. „Die Banken haben hier vor allem bei Big-Data viele Möglichkeiten, wenn Kunden das wünschen. Folglich schauen wir uns Fintechs an, die uns bei genau in diesem Bereich helfen“, sagt Bender.

Deutsche Bank: Inhouse-Lösung oder externe Hilfe durch Fintechs?

Ist die Frage nach dem Geschäftsmodell beantwortet, fragt sich Bender, wo und wie die Bank Teil der Wertschöpfungskette sein kann. „Denn nur wer im Internet wirklichen Mehrwert liefert, bringt den Kunden dazu, für Content zu bezahlen“, so Bender.

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, geht es bei der Deutschen Bank an die Umsetzung. Auch hier greift die Bank noch nicht zwangsläufig auf Fintechs zu. „Als erstes prüfen wir, ob wir das Digitalisierungsprojekt mit einer Inhouse-Lösung angehen können“, sagt Bender. Ist dies nicht der Fall, könne ein Fintech hinzugezogen werden.

Deutsche Bank gibt jedem Geschäftsbereich Fintech-Verantwortung

Die Überlegung, ob sich Kooperationen mit einem Fintech anbieten, trifft bei der Deutschen Bank jeder Geschäftsbereich dezentral für sich – je nachdem, welche Kunden und Bedürfnisse der Bereich bedienen soll. Alle Geschäftsbereiche haben für die Umsetzung ihrer digitalen Strategie verantwortliche Leute. Wie einen eigenen Chief Digital Officer (CDO), der die Digitalisierung in seinem Bereich verantwortet. In regelmäßigen Abständen finden zentrale Treffen der CDOs statt. Laut Bender hat man sich bewusst für diese dezentrale Herangehensweise entschieden. Das passt zu CEO John Cryans Ziel, Mitarbeiter und Manager enger in die Verantwortung zu nehmen.

Gänzlich gibt die Bank die Bündelung aber nicht auf, denn über insgesamt drei sogenannte „Innovation Labs“ in Berlin, London und im Silicon Valley forscht die Bank auch auf übergeordneter Ebene an neuen Finanztechnologien. Beim Thema Blockchain arbeitet die Bank auch mit anderen Finanzinstituten zusammen. Und last but not least soll im Laufe des Jahres die „digitale Bank“ den Betrieb aufnehmen. Details dazu will die Bank in Kürze bekannt geben.

Stefan Bender: „Corporate Fintechs entstehen nach Bottom-up-Prinzip“

„Wir können uns sehr gut Zusatzleistungen von Dritten vorstellen, die Unternehmenskunden nutzen können, wenn sie unsere Kunden sind. Zum Beispiel den Zugriff auf Wettbewerbsvergleiche, Bonitätseinschätzungen, Daten über internationale Märkte." Für Bender wäre dies eine klassische Art der Zusammenarbeit zwischen Bank und Fintech: Die Bank stellt das Konto zur Verfügung, das Fintech liefert darauf aufbauende Services.

Bei Fintech-Innovationen im Firmenkundengeschäft verfolgt die Deutsche Bank laut Bender ein „Bottom-up-Modell“, bei dem ein Projekt zunächst in einem Marksegment – sei es in einem Land oder in einem Geschäftsbereich – getestet wird und im Anschluss auf andere Bereiche übergestülpt werden kann. Allerdings gehört das Firmenkundengeschäft klassischerweise zu den Bereichen, in denen Neuentwicklungen eher später ankommen. „Digitalisierungstrends sehen wir fast immer als erstes im Privatkundengeschäft“, sagt Bender und veranschaulicht dies mit einem einfachen Beispiel: „Es ist für Entwickler viel einfacher, mit einer Anwendung in den App-Store von Apple oder Android zu gelangen als in das SAP-System.“

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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