Die deutsche Digitalbank Fidor könnte bald zum Verkauf stehen. Kulturelle Konflikte mit der BPCE-Gruppe sollen der Grund dafür sein.

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01.10.18
Banking & Berater

Französische Bank BPCE erwägt Verkauf der Internetbank Fidor

Nach gut zwei Jahren sollen sich die Wege schon wieder trennen: Die französische Bankengruppe BPCE sucht einen Käufer für die Internetbank Fidor. Hintergrund ist offenbar ein Kulturkonflikt.

Erst vor gut zwei Jahren haben die französischen Volksbanken und Sparkassen die deutsche Internetbank Fidor übernommen und die Bankenszene damit überrascht. Jetzt steht die ungleiche Ehe vor dem Aus: Medienberichten zufolge prüft die Banque Populaire – Caisse d’Epargne (BPCE) den Verkauf von Fidor. Das berichtet die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

Demnach gibt es zwei Szenarien: Entweder die BPCE investiert noch einmal kräftig, um das Fidor-Privatkundengeschäft in Europa weiter auszurollen. Dafür würden jedoch Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren fällig, so „Les Echos“. Alternativ wäre der teilweise oder sogar vollständige Verkauf der Digitalbank denkbar. Es seien bereits Interessenten aus Nordeuropa sowie dem Mittleren Osten ausfindig gemacht worden, berichtet die Zeitung weiter.

Kulturkonflikt zwischen BPCE und Fidor

Dass die Allianz zwischen BPCE und der 2009 gegründeten Münchener Digitalbank nicht glücklich verläuft, ist offensichtlich. Fidor-Chef Matthias Kröner selbst räumte gegenüber der F.A.Z. ein, dass es Diskussionen über einen Verkauf der von ihm geführten Bank gibt. Ihm zufolge herrscht ein „Kulturkonflikt“ zwischen den traditionellen Herangehensweisen der BPCE und der Innovationskultur seiner Fidor Bank. Fidor wollte die Berichte auf FINANCE-Anfrage nicht kommentieren.

Diese Entwicklung kommt nicht gerade überraschend: Der Kauf der Digitalbank im Jahr 2016 für rund 142 Millionen Euro durch die Franzosen hatte schon damals für Verwunderung gesorgt. Später wurde dann auch noch bekannt, dass Fidor in dem Jahr einen Verlust von 24 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Eine Kapitalerhöhung um 89 Millionen Euro wurde nötig.

Solarisbank als Käufer der digitalen Dienstleistungen?

Nun scheinen beide Seiten offenbar an einer Trennung interessiert zu sein. Wie diese genau aussehen soll, ist Medienberichten zufolge aber weiterhin offen. Vorstellbar ist laut der F.A.Z., dass lediglich das Fidor-Privatkundengeschäft unter dem Dach der BPCE-Gruppe bleibt. Die digitalen Finanzdienstleistungen, die Fidor für andere Banken erbringt, könnten derweil an neue Eigentümer herangetragen werden.

Die F.A.Z. handelt hierbei die Solarisbank als möglichen Käufer. Die Berliner liefern ihren Kunden Technologie, damit diese selbst Finanzdienstleistungen anbieten können. In diesem wachstumsträchtigen Geschäftsfeld hat sich zuletzt auch die Fidor Bank stärker engagiert: Nach Angaben von CEO Kröner haben die Münchener ihr Großkundengeschäft seit der Übernahme durch BPCE „mehr oder weniger vervierfacht“.

ann-sophie.crecelius[at]finance-magazin.de