Bei der Helaba gehen täglich rund 250 Anfragen von Firmenkunden zu Corona ein.

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26.03.20
Banking & Berater

Helaba teilt Firmenkundengeschäft auf

Das Aufgabenportfolio von Firmenkundenchef Norbert Schraad verteilt die Helaba künftig auf drei Schultern. Währenddessen hat sich der Vorsteuergewinn des Segments 2019 das zweite Jahr in Folge halbiert.

Einen Tag nach der NordLB hat auch die Helaba gestern ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 präsentiert – aufgrund des Coronavirus ebenfalls via telefonischer Bilanzpressekonferenz. Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker konnte bei seiner letzten Zahlenvorstellung einen Vorsteuergewinn von 533 Millionen Euro präsentieren. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr oder 10 Prozent um Sondereffekte bereinigt.

Ende Mai wird Grüntker zusammen mit Firmenkundenchef Norbert Schraad in den Ruhestand gehen. Dessen Aufgaben sollen künftig dreigeteilt werden: Das langfristige und Cashflow-orientierte Projektfinanzierungsgeschäft wandert in das Immobilien-Ressort von Christian Alexander Schmid.

Das Mittelstandsgeschäft übernimmt Frank Nickel, der bereits das Sparkassenkredit- und Verbundgeschäft der Helaba leitet. Die großen Firmenkunden und das Kapitalmarktgeschäft übernimmt Hans-Dieter Kemler, der zuvor das Kapitalmarktgeschäft leitete. 

Beide Bereiche werden künftig zusammen unter „Corporates & Markets“ geführt. Im Ergebnis musste das Firmenkundengeschäft 2019 einen herben Rückschlag verkraften: Der Vorsteuergewinn hat sich das zweite Jahr in Folge in etwa halbiert und betrug 2019 nur noch 61 Millionen Euro. 

Helaba wächst bei Supply Chain Finance

Dabei haben rein operativ die Erträge im Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft zugelegt, berichtet die Bank. Vor allem das Corporate-Finance-Kreditgeschäft und das kundengetriebene Kapitalmarktgeschäft hätten sich positiv entwickelt.

Das Neugeschäftsvolumen im Corporate-Finance-Geschäft sei um rund ein Drittel auf 8,2 Milliarden Euro gestiegen. Darin enthalten sei auch das zugekaufte Land-Transport-Finance-Portfolio der DVB Bank mit einem Volumen von rund 1,4 Milliarden Euro.

Und auch die vor einem Jahr angekündigte Wachstumsinitiative in der Supply Chain Finance trägt Schraad zufolge erste Früchte. Die Helaba kooperiert hier mit den Fintech-Plattformen CRX Markets, Orbian und Taulia. Das Neugeschäftsvolumen hieraus habe 2019 rund 400 Millionen Euro betragen und sei vor allem mit den großen Firmenkunden der Helaba realisiert worden.

Belastet haben das Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft neben Bewertungsabschlägen bei Derivaten und höheren Kosten vor allen eine im Vergleich zum Vorjahr um 68 Millionen Euro höhere Risikovorsorge. 

Mit den Kosten ist die Bank noch nicht zufrieden, weshalb sie im Februar ein Kostensparprogramm angekündigt hat. Dieses sieht vor, bis 2023 zwischen 380 und 400 Stellen abzubauen. Die Rückstellungen dafür wurden in der Bilanz für 2019 verarbeitet. 

Helaba wächst durch Zukäufe

Doch trotz des Umbaus will die Helaba stärker als der Markt wachsen. 2019 gelang ihr das, aber vor allem durch Zukäufe. Neben dem DVB-Portfolio übernahm die Bank auch die Dexia Kommunalbank Deutschland und benannte sie in Kofiba um. Der Badwill bei dieser Transaktion haben sich „sehr positiv“ auf das Ergebnis ausgewirkt, so die Helaba. Zum Zinsüberschuss steuert die Kofiba rund 10 Millionen Euro bei.

Insgesamt ist der Zinsüberschuss der Landesbank 2019 um über 10 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro gestiegen – nicht nur wegen der Zukäufe, sondern auch dank höherer Kreditmargen. Die Helaba will hier eine Trendwende ausgemacht haben: Über alle Geschäftsbereiche hinweg habe man für 2019 mit einem Zinsmargen-Rückgang von 5 Prozent gerechnet. Tatsächlich seien die Margen aber um 2 Prozent gestiegen. 

Auch der Provisionsüberschuss der Helaba hat zugelegt. Er stieg um 13 Prozent auf rund 400 Millionen Euro und steht nun für rund 20 Prozent der operativen Erträge der Landesbank. 

Helaba prüft Corona-Risiken

Überschattet wurde die Bilanzpressekonferenz durch das Coronavirus. Dessen genauen Folgen kann auch die Helaba noch nicht abschätzen, weshalb auch sie auf eine Gewinnprognose für 2020 verzichtete. 

Wie am Tag zuvor schon die NordLB berichtete auch die Helaba von den ersten Corona-bedingten Covenant-Verstößen. Dies seien bisher allerdings noch Einzelfälle, für die noch kein Risikovorsorgebedarf entstanden sei.

Mit einer NPL-Quote von 0,4 Prozent verfügt die Helaba derzeit über fast keine notleidenden Kredite. 

Dennoch hat die Bank ihr Kundenportfolio auf Corona-Risiken geprüft und in drei Risikostufen eingeteilt: hoch, mittel und niedrig. Nur für 5 bis 10 Prozent des gesamten Kredit-Exposures der Bank sieht die Helaba derzeit hohe Auswirkungen der Corona-Krise. Dies betreffe in Teilen das Firmenkundengeschäft, vor allem die Bereiche Reise, Flughafen, Luft und Automobil, aber auch das Transport- und Immobiliengeschäft. Das von der DVB gekaufte Landtransport-Portfolio sei der mittleren Risikostufe zugeteilt. 

Helaba sieht großen Beratungsbedarf wegen Corona

Die Helaba sieht bei Firmenkunden wegen des Coronavirus sehr viel Beratungsbedarf. 250 bis 300 Anfragen gingen dazu täglich ein, berichtet die Bank. Auch die ersten Anträge an die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Hilfskredite seien bereits an die KfW weitergeleitet worden. Technisch laufe das alles reibungslos, so die Helaba.

Die entscheidende Frage ist, wie schnell das Geld bei den betroffenen Unternehmen ankommt. Die Banken müssen nach derzeitiger Gesetzeslage abhängig von der Unternehmensgröße einen Teil des Risikos auf das eigenen Buch nehmen. Bei kleinen Unternehmen sind das 10 Prozent, bei größeren 20 Prozent. 

Die Helaba befürchtet dadurch aber keine großen Zeitverzögerungen. Die Risikobeurteilung der kleinen Kredite obliege den Sparkassen. Für die großen Tickets sei die Helaba mit den Firmenkunden selbst im Gespräch. Da man diese seit Jahren gut kenne, könne man auch die Risiken schnell beurteilen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Wie die anderen Banken 2019 im Corporate Banking abgeschnitten haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.