Der letzte Kapitalmarktvorstand der HSBC Deutschland: Jan Wilmanns.

HSBC Deutschland

05.03.20
Banking & Berater

HSBC verliert Jan Wilmanns und baut Vorstand um

Kapitalmarktvorstand Jan Wilmanns verlässt nach FINANCE-Informationen die HSBC, Bereichsvorstand Martin Hörstel ist schon weg. Die Nachfolgepolitik offenbart vor allem eins: Die Bank spart.

In der Führungsetage der HSBC Deutschland ist einiges in Bewegung geraten: Die Düsseldorfer verlieren nach FINANCE-Informationen ihren Kapitalmarktvorstand Jan Wilmanns. Schon Ende Dezember hat Firmenkunden-Bereichsvorstand Martin Hörstel der Bank den Rücken gekehrt, wie die HSBC auf Nachfrage bestätigte. Für beide Nachbesetzungen wählt die Bank eine kostengünstige Lösung, indem sie die Posten nicht eins zu eins nachbesetzt.

HSBC streicht den Kapitalmarktvorstand

Im Einzelnen: Kapitalmarktchef Jan Wilmanns wird die Düsseldorfer zum 30. Juni verlassen – um sich vor allem seiner Familie zu widmen, erklärt die HSBC. Er verantwortet im Vorstand aktuell noch den Bereich „Global Markets / Institutional & Corporate Clients“. Dahinter verbirgt sich im Wesentlichen das für CFOs relevante FICC-Geschäft, also Produkte rund um die Strukturierung von und den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen & Rohstoffen.

Wilmanns Rückzug nimmt die HSBC zum Anlass, um den Vorstand zu verkleinern und eine eher ungewöhnliche Konstellation zu beseitigen. Das Kapitalmarktgeschäft war bisher zweigeteilt: Das FICC-Geschäft und der Firmenkundenvertrieb lagen bei Wilmanns. Die Eigenkapitalprodukte, Derivate, Treasury und das Research verantwortete dagegen Carola von Schmettow. In Zukunft wird die Deutschlandchefin der HSBC beide Bereiche führen.

Wilmanns arbeitet seit August 2008 für die HSBC, seit Juli 2017 sitzt er im Vorstand. Davor war er Bereichsvorstand für „Global Markets“. Unter seiner Verantwortung habe sich der Marktanteil der HSBC Deutschland im Fixed Income und Devisengeschäft mehr als verdoppelt, behauptet die Bank. „Jan Wilmanns war ein Glücksgriff – für Global Markets und für die Bank“, lobt Carola von Schmettow.

Jan Wilmanns verabschiedet sich mit guten Zahlen für seinen Geschäftsbereich. Den vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 zufolge legten die Erträge im Segment „Global Banking & Markets“ um über 5 Prozent auf 447,6 Millionen Euro zu, was vor allem am Provisionsüberschuss lag, den die Bank gegenüber Vorjahr um rund 20 Millionen Euro ausbauen konnte. Haupttreiber waren die Geschäfte mit Fixed-Income-Produkten. 

Martin Hörstel hat die HSBC verlassen

Personelle Änderungen gibt es aber auch im von Nicolo Salsano verantworteten Commercial & Institutional Banking (CIB), wo die HSBC ihr Firmenkundengeschäft und Investmentbanking bündelt. Dort hat der für große und internationale Firmenkunden zuständige Bereichsvorstand Martin Hörstel die Bank Ende 2019 verlassen. Der HSBC zufolge sei dies auf eigenen Wunsch geschehen. Sein Nachfolger ist Bereichsleiter Steffen Wurm, der als „Head of Banking Corporates“ künftig Hörstels Kunden betreuen soll. 

Beide Personalien zeichnen ein deutliches Bild von der aktuellen Personalpolitik der Düsseldorfer Traditionsbank: Vakante Vorstands- und Bereichsvorstandsposten werden nicht mehr unmittelbar nachbesetzt, sondern auf andere Vorstandsbereiche verteilt beziehungsweise eine Führungsebene tiefer angesiedelt.

Bereits im April 2019 verschwand mit dem Wechsel von CFO Paul Hagen in den Aufsichtsrat der Finanzchef aus der ersten Vorstandsreihe. Hagens Nachfolger Andreas Kamp berichtet als Bereichsvorstand für Finanzen seitdem an Risikovorstand Fredun Mazaheri.

HSBC dünnt Vorstand aus

Diese Personalpolitik spart Kosten. Damit folgt die deutsche Dependance dem weltweiten Kurs der HSBC, die eine tiefgreifende Restrukturierung angestoßen hat. Interimschef Noel Quinn veranschlagt für den Konzernumbau Restrukturierungskosten von 7,2 Milliarden Dollar. Schon 2019 hat die HSBC in Deutschland ein Effizienzprogramm aufgelegt, um Strukturen und Prozesse zu verbessern.

Mit der Bündelung des Kapitalmarktgeschäfts bei Carola von Schmettow und der Eingliederung des CFO-Ressorts in das Risikomanagement trägt die Bank diesem Ziel Rechnung. Die Führungsstruktur ist nun deutlich verschlankt: Mit Carola von Schmettow (CEO), Nicolo Salsano (CIB), Rudolf Apenbrink (Private Banking und Asset Management) und Fredun Mazaheri (Risikomanagement & Finanzen) gibt es nur noch vier Vorstände. Hinzu kommen mit Andreas Kamp (Finanzen), Christian Kolb (mittelständische Firmenkunden) und Thomas Runge (COO) drei Bereichsvorstände.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de