Stefan Ermisch, der CFO der HSH Nordbank, freut sich über die Weichenstellungen aus Brüssel. Er will die HSH Nordbank jetzt fit für die Privatisierung machen.

HSH Nordbank

23.10.15
Banking & Berater

HSH-Nordbank-CFO Ermisch: „Diese Bank ist privatisierungsfähig“

Wichtige Woche für die HSH Nordbank: Im FINANCE-Interview sagt CFO Stefan Ermisch, was die Brüsseler Auflagen für die Bank bedeuten, wie sie wachsen will und welche Rolle das Firmenkundengeschäft dabei spielen soll.

Brüssel hat am Montag die Ausweitung des Garantierahmens für die HSH Nordbank genehmigt. Aber das Schicksal der Bank ist ungewisser denn je. Nach 2018 kommt es zur Privatisierung oder zur Abwicklung. Ihnen stehen harte Jahre bevor.
Alles der Reihe nach. Es geht nach vorne, und das wird spannend. Wenn es anstrengend wird, freue ich mich, denn seit Montag haben wir endlich Planungssicherheit auf der Kapitalseite. Die Bedrohung, dass die Erhöhung unseres Garantierahmens nicht genehmigt wird und darauf dann die Abwicklung folgt, ist jetzt vom Tisch. Dazu bekommen wir auch noch eine gewaltige Entlastung unserer Gewinn- und Verlustrechnung, weil die Garantieprämien, die wir bezahlen müssen, sinken werden – nach voller Umsetzung der Transaktionen von 400 auf rund 100 Millionen Euro im Jahr.

Aber zunächst einmal wird die HSH Nordbank erhebliche stille Lasten realisieren müssen, wenn Sie demnächst 8 Milliarden Euro notleidende Kredite unter Buchwert verkaufen.
Ja, aber ohne Belastungen für die Bank. Die dabei anfallenden Verluste werden gegen die Garantie verrechnet. Die Garantien waren bislang eine Art synthetisches Eigenkapital, jetzt werden sie zu echtem, hartem Eigenkapital. Nach Abschluss unserer geplanten Bilanzbereinigung um 8 Milliarden Euro wird die NPL-Quote der HSH Nordbank von 23 auf rund 13 Prozent sinken, und dieser Anteil ist durch die bestehende Risikovorsorge und Sicherheiten gut gedeckt . Unterm Strich erwarte ich, dass sich unsere Kernkapitalquote CET1 nach Abschluss dieses Prozesses von aktuell 12,4 auf bis zu 13 Prozent verbessern wird. Das ist ein guter Wert im Wettbewerb.  

Wie geht das denn?
Wir können in erheblichem Umfang Rückstellungen auflösen, die wir für zukünftig anfallende Garantieprämien gebildet haben.

HSH-Nordbank-CFO Ermisch will Kreditvolumen ausbauen

Dann hätte die HSH Nordbank theoretisch Spielraum, um ihr Kreditgeschäft auszuweiten.
Und das werden wir auch tun! Unsere Risk-weighted Assets und unsere Kreditvolumina wollen wir behutsam ausbauen.

In diesem Jahr wollen Sie insgesamt Neugeschäft über 8 Milliarden Euro machen, davon 4,9 Milliarden Euro in der Unternehmerbank. Aber so wie wir das einschätzen, gibt die HSH Nordbank weniger im Firmenkundengeschäft, sondern vor allem bei der Immobilienfinanzierung Gas.
Wichtig ist das Gesamtbild. Das setzt sich zusammen aus dem Bestand und dem Neugeschäft. Die Tilgungsraten unserer ausstehenden Real-Estate-Kredite sind aktuell so hoch, dass unser Forderungsbestand im Immobilienbereich bei weitem nicht so stark wächst wie unser Neugeschäft. Während das Neugeschäft im Real-Estate-Bereich deutlich über Vorjahr verläuft, liegt das Neugeschäft bei Unternehmenskunden zwar darunter. Doch die Gründe dafür sind die generell verhaltene Kreditnachfrage der deutschen Unternehmen, der harte Wettbewerb und natürlich auch hier die hohen Tilgungen – und nicht eine ungewöhnliche Zurückhaltung der HSH Nordbank im Firmenkundengeschäft.

Wie sieht Ihr Kreditbuch aktuell denn konkret aus?
In der Kernbank sind unsere Segmente schon seit einiger Zeit vom Volumen durchaus ausgeglichen: Im Bestand sind Immobilien mit 12 Milliarden Euro der kleinste Bereich, der Bereich Unternehmenskunden liegt mit 13 Milliarden Euro dazwischen, bei Shipping sind es noch 15 Milliarden Euro. Letztere wollen wir weiter reduzieren. Bei den Unternehmenskunden entfällt beispielsweise mit 4 Milliarden Euro der größte Anteil auf Kredite im Energiebereich. Da sind viele große, auch internationale Projektfinanzierungen von Windparks enthalten. Im LBO-Bereich (Kredite für Private-Equity-Transaktionen, die Red.) haben wir hingegen nur ein Exposure von 500 Millionen Euro, um nur zwei Beispiele hervorzuheben.

Was sagt uns das über die HSH Nordbank?
Dass unsere Portfolio-Strategie recht gut ausbalanciert ist, aber auch noch Ausbaupotenzial hat. Außerdem zeigen die Zahlen, dass wir mitnichten eine Schifffahrtsbank mit nachgelagertem Firmenkundengeschäft sind. Im Geschäft mit dem Mittelstand haben wir einen klaren Branchenfokus auf die Bereiche Logistik & Infrastruktur, Energie & Versorger, Handel & Ernährung, Industrie & Dienstleistungen sowie das Wealth Management.

„Abwicklungsrisiko so niedrig wie noch nie seit der Finanzkrise“

Stimmt die Wahrnehmung, dass andere Banken gerade die Unsicherheit über die Zukunft der HSH Nordbank auszunutzen versuchen, um Ihnen in Ihrem Stammrevier Firmenkunden abzujagen?
Ganz im Gegenteil. Wir sind nach wie vor die stärkste Commercial Bank in Hamburg und Norddeutschland. Außerdem wächst auch die HSH Nordbank außerhalb ihrer Heimatregion: Die Hälfte unseres Neugeschäfts in diesem Jahr machen wir nicht in Hamburg und Schleswig-Holstein. Wir sind seit langer Zeit an allen wesentlichen Wirtschaftsknotenpunkten in Deutschland vor Ort präsent.

Manch ein Wettbewerber wird bei Ihren Firmenkunden auch die Angst vor einer vermeintlich drohenden Abwicklung der HSH Nordbank schüren, um Geschäft herüberzuholen.
Dazu kann ich ganz deutlich sagen: Das latente Abwicklungsrisiko war für die HSH Nordbank vor dieser Woche eindeutig größer. Ich gehe sogar noch weiter: Noch nie seit der Finanzkrise war das Abwicklungsrisiko der HSH Nordbank so niedrig wie heute. Und ich erinnere daran: Das Abwicklungsregime gilt für alle Banken in Europa, nicht nur für uns. Wirklich sicher vor einer Abwicklung können Sie bei keiner Bank sein. Die Gesetze haben sich für alle europäischen Banken verändert.

CFO Stefan Ermisch muss jetzt Equity Story der HSH Nordbank schärfen

Aber andere Banken haben keine enge Deadline aus Brüssel gesetzt bekommen: Wenn die HSH Nordbank bis 2018 nicht privatisiert wird, kommt die Abwicklung.
Wenn die Regulierer die HSH Nordbank für nicht überlebensfähig halten würden, hätten sie die Bank doch spätestens jetzt abgewickelt, oder meinen Sie nicht? Ich halte die Entscheidung aus Brüssel, den erweiterten Garantierahmen zu genehmigen, für ein klares Zeichen der Regulierer, dass diese Bank privatisierungsfähig ist. Diese Botschaft will ich auch unseren Kunden zurufen.

Will sich die HSH Nordbank für den anstehenden Verkaufsprozess jetzt voll als Firmenkundenbank positionieren?
Unsere Equity Story werden wir in den nächsten Monaten noch konkretisieren und schärfen. Klar ist aus meiner Sicht aber schon jetzt: Die HSH Nordbank wird sich Investoren als eine ausgewogene Mischung aus Asset-basiertem Kreditgeschäft im Real-Estate-Bereich und selektivem Shipping-Bereich sowie einem starken, fokussierten Unternehmenskundengeschäft präsentieren, ergänzt um unser Kapitalmarktgeschäft im Fremdkapitalbereich und unterstützt durch Leistungen im Wealth-Management. In all diesen Bereichen wollen und werden wir wachsen. Dafür haben wir genügend Kapitalspielraum und auch die richtigen Mitarbeiter.      

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de