ING

04.07.19
Banking & Berater

ING verliert Firmenkundenleiter Andreas Becker

Die ING muss einen Rückschlag für ihre Ambitionen im deutschen Firmenkundengeschäft verkraften: Wie FINANCE erfuhr, kehrt der Leiter des hiesigen Firmenkundengeschäfts, Andreas Becker, der Bank den Rücken.

Die niederländische Großbank ING verliert einen führenden Firmenkundenbanker: Andreas Becker wird am kommenden Montag seinen letzten Arbeitstag bei der ING haben. Das geht aus einer internen Mitteilung der Bank vor, die FINANCE vorliegt. Becker, der zuletzt unter anderem für den strategisch wichtigen Aufbau von Regionalbüros zuständig war, geht auf eigenen Wunsch, heißt es dort. Er wolle seine berufliche Karriere außerhalb der ING fortsetzen.

Für die Bank ist der plötzliche Abgang Beckers ein herber Verlust: Der frühere Firmenkundenchef der HSH Nordbank und der WestLB kam 2015 zu der niederländischen Großbank, als diese gerade eine Offensive für das hiesige Geschäft mit Unternehmenskunden ausgerufen hatte. Becker ist nach Firmenkundenvorstand Joachim von Schorlemer der zweite starke Mann im Corporate Banking der ING in Deutschland.

Zum Abschied fand von Schorlemer lobende Worte für Becker: Er habe „maßgeblich zum Erfolg des Firmenkundengeschäfts der ING in Deutschland beigetragen“, lässt sich der Firmenkundenvorstand zitieren. Wohin es Becker zieht, ist noch nicht bekannt.

Becker verantwortete den Aufbau der ING-Regionalbüros

Der erfahrene Banker startete 2015 zunächst als Head of Clients and Products für Deutschland und Österreich bei der ING. Im vergangenen Sommer erhielt Becker zusätzlich die Verantwortung für den Öffentlichen Sektor sowie die Regionalbüros der ING in Deutschland. Die Niederländer, die ursprünglich von Frankfurt aus den deutschen Markt erobern wollten, bauen derzeit Vertriebseinheiten in Essen, Hamburg, München und Stuttgart auf. 

Mit dem Schritt in die Fläche will die ING vor allem bei kleineren und mittelgroßen Mittelständlern präsenter werden. Die Bank folgt damit dem Ansatz der Wettbewerber BNP Paribas und HSBC, die bereits vor Jahren ihre lokale Präsenz in Deutschland ausgebaut haben, um in einen engeren Austausch mit CFOs und Treasurern zu kommen und so Kunden zu gewinnen. Die ING hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren zu den Top-5-Banken im deutschen Firmenkundengeschäft aufzusteigen.

Niederländer wird Nachfolger von Becker

Nach dem Abgang von Becker soll sich nun Ronald Scherpenhuijsen Rom um die Unternehmenskunden in den Regionalbüros kümmern und „weitere Wachstumspotentiale in der Fläche ausloten“, so Firmenkundenvorstand von Schorlemer. Der Leiter des Bereichs multinationaler Firmenkunden übernimmt ab sofort auch die Verantwortung für die lokalen Einheiten sowie den Öffentlichen Sektor. Das geht aus einer weiteren internen Mitteilung der ING hervor.

Ronald Scherpenhuijsen Rom ist bereits seit 1990 bei der niederländischen Großbank tätig. In dieser Zeit hatte er in verschiedenen Ländern unterschiedliche Positionen inne. 2011 kam er nach Frankfurt und nahm dort der ING zufolge bei der Umsetzung der One-Bank-Strategie in Deutschland eine führende Rolle ein. 2016 wurde er zum Head of Structured Finance Europe ernannt.
     
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