ING-Zentrale in Frankfurt am Main: bald auch in anderen deutschen Metropolen präsent.

ING

07.02.19
Banking & Berater

ING will Wettbewerber in der Fläche angreifen

Die ING untermauert ihre Ambition im Firmenkundengeschäft. Statt Kunden wie bisher rein aus Frankfurt heraus zu bedienen, wollen die Niederländer bald in weiteren deutschen Städten präsent sein.

Die ING wächst im Firmenkundengeschäft in der Fläche: In Essen hat die Bank im vergangenen November ein Regionalbüro eröffnet, weitere sollen demnächst folgen. Ab Anfang April will die Bank mit niederländischer Mutter weitere Regionalbüros in Hamburg, Stuttgart und München aufmachen. Dort sollen primär Vertriebsmitarbeiter sitzen, die in einen intensiveren Austausch mit regionalen Unternehmen einsteigen können, als dies von Frankfurt aus möglich wäre.

Damit vollzieht die ING einen Schritt, wie ihn die Wettbewerber BNP Paribas oder HSBC bereits vor einiger Zeit gegangen sind. Für die deutsche ING ist das ein Paradigmenwechsel. In der Vergangenheit hatte der Vorstand wiederholt betont, das Firmenkundengeschäft aus Frankfurt heraus betreiben zu wollen. Schon vor einem Jahr war aber bekannt geworden, dass die Bank mit Büros in wichtigen deutschen Metropolregionen liebäugelt.

Firmenkundengeschäft der ING wächst um 17 Prozent

Gerade im Wholesale Banking, wie die ING das Geschäft mit Firmenkunden bezeichnet, war die Bank 2018 stark engagiert. Das Kreditvolumen stieg auf 35,9 Milliarden Euro (2017: 30,7 Milliarden Euro). Bislang ist die Bank vor allem bei Konzernen und größeren Adressen des Mittelstands wie Schaeffler oder Mann + Hummel aktiv. Für den italienischen Reifenhersteller Pirelli platzierten die deutschen Spezialisten etwa einen Schuldschein. Mit dem Energieriesen Eon digitalisierte die ING den aufwendigen KYC-Prozess.

Durch den neuen Gang in die Fläche dürfte die Bank bei kleineren Mittelständlern präsenter werden. An der Umsatzuntergrenze von 250 Millionen Euro Jahresumsatz für Kunden im Wholesale-Banking will die ING aber nicht rütteln. 

ING will im Mittelstand „digital“ angreifen

Dafür soll das Segment SME, das zwischen Wholesale Banking und Privatkundengeschäft zu verorten ist, mit einem digitalen Ansatz ausgebaut werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Bank vor einem Jahr die Kreditplattform Lendico vollständig übernommen. Nach Aussagen von ING-CEO Nick Jue mussten hernach die Prozesse zunächst an die der ING-Vorgaben angepasst werden. Abgewickelt wurden bisher allerdings lediglich Kredite im Gesamtvolumen von 6 Millionen Euro. Das Durchschnittskreditvolumen liege bei zirka 100.000 Euro, erklärte ein Bankvertreter.

Vor solchen Zahlen muss sich die Konkurrenz noch nicht fürchten. In diesem Jahr will die ING allerdings mit breit angelegten Marketing- und Testphasen beginnen – die Ambition der Bank ist auch im Bereich Digital SME hoch. Indes wollten sich die ING-Vorstände angesichts der frühen Phase der Einführung von Lendico öffentlich noch nicht auf ein konkretes Wachstumsziel festlegen.

ING-CFO Remco Nieland räumt Posten

Insgesamt ist der Gewinn vor Steuern der Bank, die vor kurzem ihren deutschen Zusatz „-Diba“ abgelegt hat, marginal auf 1,28 Milliarden Euro gewachsen (2017: 1,27 Milliarden Euro). Deutschlandchef Nick Jue bekräftigte vor Journalisten, dass die ING eine der führenden Universalbanken in Deutschland werden  will.

Das Zahlenwerk präsentiert in diesem Jahr zum letzten Mal Remco Nieland. Der langjährige CFO wird sein Amt am 1. April an einen Nachfolger übergeben. Dieser steht auch schon fest: Norman Tambach ist seit Juni 2018 Generalbevollmächtigter der Bank und verantwortet derzeit das Financial Accounting & Regulatory Reporting.

Der 46-Jährige begann seine Karriere bei der ING als Global Head of Finance & Global Controller und durchlief Stationen bei KPMG in den Niederlanden. Daneben ist Tambach Aufsichtsratsmitglied der ING in Polen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de