Ein kritischer Bericht zum Risikomanagement der NordLB erschreckt die Bank. Erschwert das die Investorensuche?

NordLB

24.08.18
Banking & Berater

Kritischer Bericht kommt für NordLB zur Unzeit

Das Risikomanagement der NordLB ist offenbar in einem verheerenden Zustand, wie Dokumente der internen Revision belegen. Für die Investorensuche der Landesbank sind das schlechte Nachrichten.

Mangelhafte Risikoprüfungen bei Schiffsfinanzierungen, unzureichende Vorbereitung auf plötzliche Krisen, Verstöße gegen aufsichtsrechtliche Anforderungen – die NordLB hat ihr Risikomanagement offenbar seit Jahren nicht im Griff. Das legen vertrauliche Dokumente der internen Revision der Landesbank nahe, aus denen der NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ zitieren.

Die insgesamt acht Prüfberichte aus dem Mai 2016 bis Mai 2018 zeichnen demnach ein verheerendes Bild der Abläufe im Risikomanagement der NordLB. Vor allem die Überwachungen der Schiffskredite – mit zwölf Milliarden Euro das größte Einzelrisiko in der Bilanz der Bank – bereiten den internen Prüfern Sorgen.

Mangelhafte Risikoprüfung bei Schiffskrediten

In neun von 20 überprüften Fällen seien die Darlehen nicht ordnungsgemäß überwacht worden, zitiert die SZ aus den internen Dokumenten. Die Datenqualität in bestimmten Kreditdokumentationen sei „extrem schwach“, in einigen Fällen wären finanzierte Schiffe gar nicht besichtigt worden.

Pikant: Die EZB hatte das Risikokontrollsystem der Hannoveraner im Bereich der Schiffsfinanzierung bereits 2016 überprüft und in einem Bericht 25 Mängel festgestellt. Im Oktober 2017 teilte die NordLB der EZB mit, diese Versäumnisse behoben zu haben. Das war aber offenbar nicht der Fall: Denn der internen Revision zufolge bestanden zahlreiche Mängel auch noch Anfang 2018.

Die Schiffskredite sind seit Jahren die Achillesferse der Hannoveraner: Im vergangenen Geschäftsjahr musste die Landesbank Schiffsfinanzierungen im Wert von 946 Millionen Euro abschreiben. Im Jahr zuvor waren es sogar 2,9 Milliarden Euro gewesen, was 2016 zu einem Rekordverlust von fast 2 Milliarden Euro geführt hatte. Die harte Kernkapitalquote sank vorübergehend auf 10,5 Prozent.

Zuletzt verbesserte sich die Situation etwas: Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb die Bank mit einem Vorsteuergewinn von 195 Millionen Euro wieder schwarze Zahlen, die harte Kernkapitalquote lag Ende März diesen Jahres wieder bei 12,8 Prozent.

NordLB sieht in Prüfberichten „Einzelfälle“

Die Berichte decken aber noch weitere Probleme auf: So sollen die internen Kontrolleure auch die Prozesse bei der Erstellung des Sanierungsplans der Bank als „mangelhaft“ eingestuft haben. Mit diesen sollen sich die Banken auf plötzlich auftretende Krisen vorbereiten. Die interne Revision der NordLB kommt jedoch zu dem Schluss, das den Modellen eine „unzureichende Methodik und Kalibrierung“ zugrunde liegen, schreibt die SZ.

Die NordLB wehrt sich indes entschieden gegen die Vorwürfe systematischer Versäumnisse im Risikomanagement. „Es handelt sich um Einzelfälle, die wir in der überwiegenden Mehrheit auch bereits abgearbeitet haben oder – sofern es um aktuellere Fälle geht – sie gerade beheben“, erklärte ein Sprecher der NordLB gegenüber FINANCE.

Von weitreichenden Problemen im Risikomanagement der Bank oder im Hinblick auf die Schiffsfinanzierung könne überhaupt keine Rede sein. Der ganz überwiegende Teil der 300 Prüfberichte der internen Revision, die seit 2016 erstellt worden war, falle sehr gut bis ausreichend aus. „Es liegt in der Natur der Sache, dass die interne Revision, die angehalten ist, besonders intensiv, umfassend und streng zu prüfen, auch Mängel feststellt“, so der Sprecher. Die Bank hat nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um herauszufinden, wie die vertraulichen Dokumente an die Öffentlichkeit gelangten.

Wie reagieren potentielle Investoren?

Die Verärgerung der Landesbank über die Berichte dürfte auch deshalb groß sein, weil die Hannoveraner gerade auf Investorensuche sind. Bis Jahresende will die NordLB ein umfassendes Konzept zur Verbesserung und Stärkung der Kapitalquoten vorlegen. Nach F.A.Z.-Informationen könnte die Landesbank zusätzliches Eigenkapital zwischen 3 und 5 Milliarden Euro benötigen. Mögliche Versäumnisse im Risikomanagement der Bank könnten potentielle Interessenten allerdings abschrecken oder zumindest eine Begründung liefern, um den Kaufpreis zu drücken.

Die Situation ist ohnehin schwierig: Das Land Niedersachen – mit rund 59 Prozent größter Aktionär der NordLB – will Mehrheitseigentümer bleiben. Als öffentlicher Eigner kann das Land allerdings nicht ohne Weiteres frisches Kapital nachschießen, es droht sonst ein Beihilfeverfahren der EU-Kommission.

An der NordLB interessiert sein sollen unterem anderem die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und die Bank of China. Die wahrscheinlichste Lösung sei Finanzkreisen zufolge aber weiterhin der Einstieg von Finanzinvestoren, berichtete die Wirtschaftswoche kürzlich. Gehandelt würden neben dem Finanzinvestor Cerberus auch der Turnaround-Investor Lone Star.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de