Oddo Seydler

19.11.15
Banking & Berater

Oddo Seydler-Chef Parmantier: „Paris bringt uns auf ein neues Level“

Ein Jahr nach der Übernahme durch das französische Bankhaus Oddo will die Frankfurter Privatbank Oddo Seydler im deutschen Firmenkundengeschäft angreifen. Bonds, IPOs, M&A: Das haben die Bankchefs René Parmantier und Philippe Oddo vor.

Ein Jahr ist seit der Fusionsankündigung vergangen. Wie weit sind Sie mit der Integration?
Parmantier: Sehr weit! Die Arbeitsbeziehung ist sehr eng, es fühlt sich an, als würden wir schon seit zehn Jahren zusammenarbeiten. Der Bond von Adler Real Estate, den wir im April 2015 platziert haben, war ein Meilenstein. Es war ein 50/50-Team aus Frankfurter und Pariser Kollegen, und wir haben den Bond trotz eines Volumens von 300 Millionen Euro ganz allein platziert. Das hätten wir früher ohne die Salesforce von Oddo nicht gekonnt. Jetzt haben wir einen Zugriff auf französische Investoren, wie ihn nicht viele deutsche Banken haben. Und in Deutschland haben wir im Sommer unser Sales-Team mit Sebastian Külps verstärkt. Das macht uns auch bei größeren Transaktionen lieferfähig, was das IPO-Mandat von Steilmann belegt, das wir uns sichern konnten.

Wie sieht die neue Teamstruktur praktisch aus?
Parmantier: Wir haben gemeinsame Praxisteams, zum Beispiel für Fixed Income, für Equity, für Corporate Finance, die von einem oder zwei Managern geführt werden, die für das ganze Team an all unseren Standorten verantwortlich sind. Bei Corporate Finance sind das zum Beispiel Karl Filbert und Ronald Latenstein. Wir sind dabei, eine franko-deutsche Investmentbank zu formen – mit einer deutsch-französischen Plattform in allen Bereichen und allen Sektoren. Außerdem hat Seydler seit kurzem auch zwei französische Vorstände.

300 Millionen und mehr: Oddo Seydler will größere Deals

Was heißt das für einen deutschen CFO, der Oddo Seydler mit einer Bondemission oder einem Börsengang beauftragt?
Oddo: Der CFO würde mit deutschen und französischen Kollegen zu tun haben, mit Filbert und Latenstein. Das gilt für so gut wie jeden Emittenten, den Oddo betreut, egal ob deutsch oder französisch. Das deutsche Team kennt die Emittenten im deutschen Mittelstand sehr genau, die französischen Kollegen von Oddo haben hingegen ein gutes Gespür für die Bedürfnisse und Erwartungen internationaler Investoren – nicht nur der französischen.

Parmantier: Die Zusammenarbeit mit Paris bringt uns hier in Frankfurt auf ein neues Level. Wegen der größeren Salesforce kann Oddo Seydler jetzt auch größere Deals platzieren, siehe Adler. 200 Millionen, 300 Millionen, vielleicht auch mal mehr. 

Das heißt, Sie gehen jetzt up-market.
Parmantier: Nur mit Augenmaß! Wir wissen, wo wir herkommen und wollen jetzt keinesfalls unsere Kundenklientel wechseln. Wir wollen nach wie vor mit unseren Kunden wachsen. Jetzt aber wird es hoffentlich seltener vorkommen, dass unsere Kunden zu groß für Seydler werden, wie das früher manchmal passiert ist.

Seydler war lange Jahre ein Aktienbroker, während der Jahre bei Close Brothers kam auch etwas Kapitalmarktgeschäft hinzu. Jetzt erheben Sie den Anspruch, eine Investmentbank zu sein. Da fehlt aber noch einiges.
Parmantier: Zunächst einmal: Das Brot-und-Butter-Geschäft ist nach wie vor eminent wichtig für uns, das Designated Sponsoring, die 10 Millionen Euro große Aktienplatzierung. Das ist unser Stammgeschäft mit langjährigen Kunden. Aber durch die Fusion mit Oddo haben wir jetzt Zugriff auf über 1.000 Mitarbeiter von Oddo in Frankreich. Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten, und es wäre dumm, sie nicht zu nutzen. Und bitte, vergessen Sie nicht die über 60 Milliarden Euro Assets under Management, die Oddo vorweisen kann. Wir werden weiter wachsen und unseren Anspruch unterstreichen.

Oddo Seydler baut das M&A-Geschäft aus

Nur opportunistisch von Zeit zu Zeit, wenn Sie mal die Gelegenheit bekommen, bei einer größeren Transaktion mit an Bord genommen zu werden?
Parmantier: Nein, überhaupt nicht. Das ist nicht opportunistisch, sondern eine gravierende Weiterentwicklung unserer Bank. In Deutschland haben wir seit dem Merger ordentlich zugelegt und inzwischen 130 Mitarbeiter, fast 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. 

Oddo: Und wir schließen die Lücken in unserem Service-Portfolio. Sie haben Recht, zu einer deutsch-französischen Investmentbank gehört auch deutsch-französisches M&A. Oddo hat in Paris schon eine M&A-Mannschaft, jetzt bauen wir auch in Frankfurt ein M&A-Team auf. Dafür haben wir Anfang Oktober Gero Wendenburg als M&A-Chef verpflichtet. Das werden nicht 30 Leute sein, die den großen Deals hinterherjagen. Aber auch bei M&A wollen wir im Small- und Midcap-Geschäft ein relevanter Player werden. In Paris zum Beispiel ist Oddo im M&A-Geschäft mit PE-Investoren ziemlich stark. Warum nicht auch in Deutschland?

Diesen Teamaufbau müssen Sie erst einmal gegenfinanzieren.
Parmantier: Das klappt. Unser Deutschland-Geschäft entwickelt sich sehr dynamisch, unsere Erlöse wachsen derzeit noch stärker als unser Mitarbeiterstamm.

Aber die Kapitalmarktmandate im deutschen Firmenkundengeschäft sind hart umkämpft. Ihnen wird es fehlen, dass Sie keine Bilanz in die Waagschale werfen können, Ihnen fehlt ein Kreditgeschäft, auf dessen Basis Ihrer Wettbewerber Cross-Selling betreiben können.
Oddo: Das sehe ich anders. Unsere Kunden sagen mir, dass Sie nicht unsere Bilanz brauchen, sondern Kontakt zu neuen Investoren und Zugang zu neuen Finanzierungsinstrumenten. Ich bin sehr entspannt, dass das auch so bleiben wird.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

René Parmantier ist Deutschlandchef von Oddo Seydler, Philippe Oddo der Patron des familiengeführten französischen Bankhauses Oddo. Philippe Oddo mischt aktuell auch im Übernahmepoker um die BHF Bank mit. Wie genau der Franzose gerade den deutschen Banking-Mid-Market aufmischt und was für Pfeile er noch im Köcher hat, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des FINANCE-Magazins.

René Parmantier wird nächste Woche auch bei der 11. Structured FINANCE in Stuttgart sein. Wenn Sie ihn dort treffen wollen, hier gibt es weitere Infos zur 11. Structured FINANCE.