Händler der Deutschen Bank: Eine Altlast der Investmentbank könnte noch bis ins Jahr 2030 die Rendite der Bank belasten.

Deutsche Bank

02.05.18
Banking & Berater

Rätselraten um Altlasten-Portfolio der Deutschen Bank

Vor einem Jahr hat die Deutsche Bank den Markt auf eine 60 Milliarden Euro schwere Altlast in ihrer Investmentbank hingewiesen. Die damals versprochene Transparenz vermissen die Investoren aber bis heute. Dabei drückt die Altlast schwer auf die Profitabilität der Deutschen Bank.

Der Chefwechsel bei der Deutschen Bank hat ein altes, möglicherweise toxisches Wertpapierportfolio wieder ins Blickfeld mancher Investoren gerückt.  Auf das Wertpapierpaket hatte die Deutsche Bank erstmals im Vorfeld der 8 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung im April 2017 hingewiesen.

Damals war es der vor Kurzem zum CEO beförderte Christian Sewing, der gesagt hatte: „Wir wollen Transparenz schaffen, dass wir diese Dinge abarbeiten werden.“ Doch das damalige Versprechen hat die Deutsche Bank in den Augen vieler Beobachter nicht eingelöst. Auch bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Quartal 2018 äußerte sich Sewing nicht zu dem ominösen Wertpapierportfolio.

Altlast kostet 2 Prozent Eigenkapitalrendite

Dabei ist die Dimension dieses rätselhaften Bilanzpostens erheblich: Vor einem Jahr bezifferten Sewing und der damalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan sein Netto-Volumen („Leverage Exposure“) auf 60 Milliarden Euro. Weil die dort bilanzierten Wertpapiere kaum noch marktgängig sind, muss die Deutsche Bank das Portfolio mit sehr viel Kapital hinterlegen. Ohne Berücksichtigung operationeller Risiken beansprucht das Paket risikogewichtete Aktiva von 20 Milliarden Euro, unter der Berücksichtigung der Risiken sogar 35 Milliarden Euro. Durchgerechnet bindet es 4 bis 5 Milliarden Euro Eigenkapital, das bei der Deutschen Bank ein knappes Gut ist.

Auch wenn das Portfolio nicht an der Liquidität der Bank zehrt, ist das ist ein signifikanter Wert: Er entspricht rund einem Zehntel des gesamten harten Eigenkapitals der Bank – und mehr als der Hälfte jener 8 Milliarden Euro, die die Deutsche Bank vor einem Jahr von ihren Aktionären zur Eigenkapitalstärkung eingesammelt hatte.

Mehr noch: Das in der Unterlegung dieses Portfolios gebundene Kapital ist aus Sicht der Deutschen Bank totes Kapital – es generiert keinerlei Rendite. Cryan gab im vergangenen März zu, dass ohne dieses Portfolio die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank im Investmentbanking regelmäßig um 2 Prozentpunkte höher ausfallen würde.

Alle Erträge wurden auf einmal verbucht

Nach Angaben der Deutschen Bank besteht das Portfolio hauptsächlich aus Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“, CDS). Es enthält aber offenbar auch hypothekenbesicherte Wertpapiere sowie Aktienderivate.

Allem Anschein nach wurden alle Erträge, die die Geschäfte abzuwerfen versprachen, gleich zu Beginn verbucht. „Und dafür wurden dann auch direkt Boni ausgezahlt“, zitiert das britische Fachmagazin „International Financing Review“ einen nicht genannten früheren Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

„Die Händler waren immer an diesen Trades interessiert, weil sie sofort ihre Boni bekommen haben. Die Bank blieb dann auf diesen Positionen sitzen“, wird der Ex-Aufsichtsrat weiter zitiert. Bitter für die Deutsche Bank und ihre Investoren: Manche der Papiere laufen noch mindestens bis 2030.

„Die Händler waren immer an diesen Trades interessiert, weil sie sofort ihre Boni bekommen haben.“

Ex-Aufsichtsrat der Deutschen Bank

John Cryan lehnte beschleunigten Abbau ab

Ein Sprecher der Deutschen Bank verwies auf FINANCE-Anfrage auf die Darstellung der Bank vom März 2017. Damals hatte Ex-Chef Cryan in Aussicht gestellt, dass sich das Netto-Volumen des Portfolios bis zum Jahr 2020 auf 30 Milliarden Euro halbieren werde. Die risikogewichteten Aktiva sollen bis dahin von 20 auf 12 Milliarden Euro sinken, und zwar ausschließlich über das normale Auslaufen einzelner Papiere. „Wenn es aber Chancen geben sollte, den Abbau zu beschleunigen, so würden wir sie nutzen“, sagte Cryan damals. Das Portfolio auf eigene Initiative hin unter Inkaufnahme von Verlusten beschleunigt abzubauen, lehnte er dagegen ab.

„Es ist mir rätselhaft: Erst versprechen sie mehr Transparenz, und dann äußern sie sich nicht mehr zu diesem Thema“, zitiert die „International Financing Review“ einen nicht namentlich genannten Deutsche-Bank-Analysten. Zur Vorlage der Halbjahreszahlen Ende Juli hat Sewing das nächste Mal die Gelegenheit, die Investoren darüber zu informieren, wie lange das Altlastenportfolio noch den Turnaround der Bank verlangsamen wird.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de