HypoVereinsbank

18.07.16
Banking & Berater

Was plant die UniCredit mit der HVB?

Die UniCredit braucht dringend frisches Kapital. Der neue Chef Jean-Pierre Mustier stellt deshalb alles auf den Prüfstand. Auch der Druck auf das Firmenkundengeschäft der HypoVereinsbank wächst.

Jean-Pierre Mustier greift durch: Der neue UniCredit-Chef will bis Jahresende einen Plan zum Umbau der schwächelnden italienischen Großbank vorlegen. Das dürfte auch die Firmenkunden der deutschen Tochtergesellschaft HypoVereinsbank (HVB) hellhörig werden lassen. Schließlich will der französische Investmentbanker auch den „Fußabdruck“ der Mailänder auf den Prüfstand stellen, wie er der italienischen Zeitung „Il Sole Ore 24“ sagte. Im vierten Quartal soll die neue Strategie stehen.

Mustier hat schon in seiner ersten Woche als Chef der UniCredit bereits Fakten geschaffen. Innerhalb von 24 Stunden verkaufte der unter faulen Krediten und einer zu dünnen Eigenkapitaldecke leidende Bankkonzern für insgesamt knapp 1,1 Milliarden Euro Aktienpakete an dem Online-Broker Fineco und an der polnischen Tochter Pekao. Diese beiden Deals verbesserten den Kernkapitalpuffer der Bank aber nur von 10,5 auf 10,7 Prozent.

UniCredit nährt Spekulationen um HVB-Börsengang

Das wird nicht reichen. Analysten schätzen den Kapitalbedarf der HVB-Mutter auf bis zu 10 Milliarden Euro. Sowohl Mustier als auch UniCredit-Verwaltungsratschef Giuseppe Vita bereiten die Aktionäre deshalb auf eine Kapitalerhöhung vor. Grund: Die Europäische Zentralbank werde sich nicht mit den bisherigen Maßnahmen zufriedengeben, glaubt Vita.

Diese Aussagen nähren auch die seit Jahren immer wieder aufkommenden Spekulationen, die UniCredit könne die HypoVereinsbank an die Börse bringen. Zwar zählt der neue Chef die HVB ausdrücklich zu den strategischen Beteiligungen. Zugleich werde er aber für alle Bereiche – „ohne Ausnahme“ – Gelegenheiten prüfen, schrittweise Mehrwert zu schaffen, „möglicherweise auch durch Verkäufe“.

HypoVereinsbank muss Kapitalverlagerung fürchten

Ungemach droht HVB-Chef Theodor Weimer auch von Seiten der Bankenaufsicht. Die EZB soll Medienberichten zufolge darauf drängen, Kapital der Münchener zur österreichischen UniCredit-Tochter Bank Austria zu verschieben, unter deren Dach die Italiener weite Teile ihres Osteuropageschäfts gebündelt haben.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte dies in der Vergangenheit stets verhindert. Doch seit knapp zwei Jahren hat die EZB die Oberaufsicht über die Banken in der Eurozone und damit das letzte Wort. Die HypoVereinsbank wollte sich auf Anfrage von FINANCE nicht dazu äußern, ob es jetzt zum Abzug von Kapital kommt: „Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht“, hieß es von einer Unternehmenssprecherin.

HVB ist mit 25,1 Prozent enorm stark kapitalisiert

Eine Kapitalverlagerung würde die HypoVereinsbank zwar nicht unmittelbar unter Druck setzen: Die Münchener verfügen mit einer harten Kernkapitalquote (CET1) von 25,1 Prozent über einen mehr als komfortablen Kapitalpuffer. Nichtsdestotrotz muss sich die Bank im hart umkämpften deutschen Firmenkundengeschäft behaupten. Eine Kapitalverlagerung dürfte der HypoVereinsbank, die nach eigenen Angaben ihren Marktanteil im deutschen Firmenkundengeschäft sogar steigern will, einen Dämpfer versetzen, achten CFOs bei der Auswahl ihrer Bankpartner inzwischen doch sehr stark auf das Kontrahentenrisiko.

Im ersten Halbjahr hat HVB noch gute Fortschritte im Kapitalmarktgeschäft gemacht und sich in den League Tables für Syndicated Loans und Debt Capital Markets in der DACH-Region an die Spitze gesetzt.  Die Wachstumsambitionen der Bayern gehen aber auch mit steigender Kapitalbindung einher, da Großkunden in der Regel Kreditengagement erwarten, bevor sie einer Bank das lukrative Kapitalmarktgeschäft geben.

Druck auf Firmenkundengeschäft wächst

Allerdings  fordert der neue UniCredit-Chef Mustier mehr Cross-Selling und einen stärkeren Fokus auf den Kapitalbedarf der Geschäfte ein. Damit dürfte der Rentabilitätsdruck auch in München steigen, obwohl die dortige Zentrale schon in der Vergangenheit mehrere Sparrunden durchlaufen hatte. Das weckt im Markt die Befürchtung, dass sich die HVB stärker auf lukrativere Kundenbeziehungen fokussieren und sich von anderen Kunden trennen könnte. Die HVB wollte sich dazu auf Anfrage von FINANCE nicht äußern.

Mustier mahnte auch an, der „Fokus auf Prozesseffizienz“ solle beibehalten werden. Und die HVB steht mit einer eine Aufwands-Ertrags-Relation (CIR) von aktuell 76,8 Prozent im Konzernvergleich schlecht da. Bis Ende 2018 streben die Münchener eine Cost-Income-Ratio von höchstens 65 Prozent an. Auch um dieses Ziel zu erreichen, hatte die Bank zuletzt im vergangenen November ein weiteres Sparprogramm beschlossen. Der zuvor befürchtete radikale Stellenabbau bewahrheitete sich jedoch nicht, das Firmenkundengeschäft wurde verschont.

Ob es nun zu einer Verschärfung des Sparprogramms komme, wollte die HVB-Sprecherin nicht beantworten. Man komme mit dem Mehrjahresprogramm planmäßig voran, das nächste Update werde es zur Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August geben.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Nicht nur die HypoVereinsbank kämpft um Firmenkunden. Wie die anderen Geldhäuser versuchen bei Unternehmenskunden zu punkten, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.