Institution in Bedrängnis: Die Deutsche Bank erlebt eine schwarze Woche.

Deutsche Bank

01.06.18
Banking & Berater

Welle an Hiobsbotschaften für die Deutsche Bank

Der Verlust des A-Ratings bei S&P ist der Tiefpunkt in einer schwarzen Woche für die Deutsche Bank. „Ich habe die schlechten Nachrichten satt“, poltert der neue Bankchef Christian Sewing.

Nach einer Welle an Hiobsbotschaften setzt sich die Negativspirale bei der Deutschen Bank auch am heutigen Freitag fort: Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat das Langfrist-Rating der Deutschen Bank um eine Stufe auf BBB+ gesenkt.

Die Deutsche Bank hat damit nicht nur ihr prestigeträchtiges A-Rating verloren. Ihre Bonitätseinstufung liegt damit nun auch zwei bis drei Stufen unter den Ratings der wichtigsten Wettbewerber. Den Rating-Ausblick betrachtet S&P jetzt als „stabil“. Die Bonitätsbewertungen der nachrangigen Schulden wurden nicht verändert. 

Rasante Talfahrt: Ein-Jahres-Chart der Deutschen Bank

S&P erwartet Underperformance der Deutschen Bank

S&P würdigt zwar, dass die neue Führung um CEO Christian Sewing „starke Schritte“ und eine „tiefere Restrukturierung als erwartet“ unternehme, um die Kosten zu senken. Die Ratingagentur sieht dafür aber „signifikante Umsetzungsrisiken“.

Zudem werde die Deutsche Bank noch eine Weile im operativen Geschäft wesentlich schlechter abschneiden als die Konkurrenten, da die meisten von diesen ihre Restrukturierung inzwischen abgeschlossen hätten, so die Einschätzung von S&P. Dies dürfte nach Berechnungen der Ratingagentur dazu führen, dass sich die Kernkapitalquote der Deutschen Bank in diesem und im kommenden Jahr verschlechtern wird.  

Deutsche-Bank-Aktie fällt auf Rekordtief

Während Banker und Aktionäre diese Negativschlagzeilen noch verdauen, wurde nahezu zeitgleich bekannt, dass der Deutschen Bank in Australien im Zusammenhang mit einer Aktienplatzierung aus dem Jahr 2015 eine Kartellklage droht. Die Bank rechnet selbst damit, angeklagt zu werden, weist ein Fehlverhalten aber zurück.

Auch die Probleme der US-Tochter sind offenbar größer als gedacht. Diese hatte 2015 und 2016 Teile des Stresstests der US-Notenbank Fed nicht bestanden. Im folgenden Jahr wurden daher Zwangsmaßnahmen gegen die US-Einheit der Deutschen Bank verhängt. Jetzt wird sie von den US-Bankaufsehern offenbar als „Problembank“ eingestuft, wie US-Medienberichte gestern enthüllten. Die Fed sieht die US-Tochter demnach schon seit einem Jahr in einer Schräglage („in troubled condition“)

Obwohl Neu-CEO Sewing bereits angekündigt hat, dass er das kapitalintensive, gleichzeitig aber ertragsschwache US-Geschäft deutlich schrumpfen will, drückte die Nachricht der schlechten Einstufung durch die US-Behörden die Deutsche-Bank-Aktie gestern um 7 Prozent ins Minus. Den Handel beendete die Aktie bei 9,15 Euro, einem neuen Allzeittief. 

Sewing wendet sich an Mitarbeiter

Zahlreiche Analysten haben im Zuge der schlechten Nachrichten ihre Kursziele weiter gesenkt. Gleich drei einflussreiche Banken sehen den fairen Wert der Deutsche-Bank-Aktie inzwischen nur noch bei oder knapp über 8 Euro: Barclays, Société Générale und Citigroup. 

„Wir müssen liefern, schnell und konsequent.“

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Der einflussreiche US-Aktienstratege Steve Eisman – einer derjenigen, die früh vor der Finanzkrise 2008 gewarnt hatten – glaubt sogar, dass die Deutsche Bank im nächsten Jahr erneut eine Kapitalerhöhung durchführen muss.  

Bankchef Sewing wendete sich am heutigen Freitag erneut mit einem Brief an seine Mitarbeiter. Darin schreibt er, dass „auf Konzernebene unsere Finanzstärke außer Frage steht“. Auch er habe die schlechten Nachrichten satt, es gebe aber keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. „Wir müssen liefern, schnell und konsequent.“ In Folge kann die Aktie rund die Hälfte ihrer schweren Vortagesverluste wettmachen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de