Die Honorare für Wirtschaftsprüfung im Dax40 sind im vergangenen Geschäftsjahr stagniert. Insgesamt stellten die sechs in der obersten deutschen Börsenliga aktiven Wirtschaftsprüfer 441,9 Millionen Euro für Abschlussprüfung und andere Leistungen in Rechnung, wie eine exklusive FINANCE-Analyse zeigt. Bei den Prüfern handelt es sich um die Big-Four-Gesellschaften PwC, EY, KPMG und Deloitte sowie die beiden Next-Seven-Häuser BDO und Grant Thornton.
2023 verdienten diese insgesamt 442,9 Millionen Euro und damit kaum mehr als 2024. Und auch 2022 verdienten die Big Four im Dax eine ähnlich hohe Summe, nämlich Honorare in Höhe von 444,3 Millionen Euro.
Mit der Abschlussprüfung alleine verdienten die WP-Gesellschaften im vergangenen Jahr jedoch 5,5 Prozent weniger. Die Honorare betrugen nur 363 Millionen Euro nach 383,4 Millionen Euro im Jahr zuvor. Dafür lagen die Honorare für sonstige Dienstleistungen – wie zum Beispiel weitere Bestätigungsleistungen und sonstige Leistungen, die über die reine Prüfung hinausgehen, und keinen Einfluss auf den geprüften Abschluss haben – bei 79,8 Millionen Euro und damit 22 Prozent höher als noch 2023.
Info
Für die Analyse wurden die Geschäftsberichte für das Geschäftsjahr 2024 der 40 Unternehmen untersucht, die am 22. Dezember 2024 im Dax gelistet waren. Nicht mit in die Analyse aufgenommen wurden die Honorare, die Airbus und Qiagen ihren Abschlussprüfer zahlen. Beide Unternehmen haben ihren Firmensitz in den Niederlanden und werden von den jeweiligen niederländischen Landesgesellschaften von EY und KPMG geprüft. Airbus wollte nicht mitteilen, wie viel Honorar davon auf EY Deutschland entfällt, Qiagen ließ eine FINANCE-Anfrage unbeantwortet.
Mercedes und Siemens katapultieren PwC auf Platz 1
Welche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat 2024 die höchsten Honorare erhalten? Hier gab es eine Veränderung: Anders als in den Jahren zuvor verdiente PwC 2024 das meiste Honorar mit der Abschlussprüfung bei Dax40-Unternehmen. Der umsatzstärkste deutsche Wirtschaftsprüfer stellte 2024 den 14 geprüften Unternehmen insgesamt 150,3 Millionen Euro an Honoraren in Rechnung. Das waren fast 57 Prozent mehr als noch 2023. Gemessen am Honorar lag PwC unter den sechs Dax40-Prüfern damit damals noch auf Rang 3 und konnte sich nun auf einen Schlag an die Spitze katapultieren.
Die deutliche Zunahme der Honorare bei PwC ist vor allem auf den Gewinn der Mandate bei Mercedes-Benz und Siemens zurückzuführen. Für die Abschlussprüfung und andere Dienstleistungen bei Mercedes-Benz stellte PwC 23 Millionen Euro in Rechnung, bei Siemens waren es 23,7 Millionen Euro. Neu hinzu kamen auch die Mandate bei Siemens Healthineers (3,2 Millionen Euro Honorar) und Beiersdorf (2 Millionen Euro Honorar). Abgeben musste PwC 2024 nur das Prüfmandat beim Energieversorger RWE.
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PwC konnte Durchschnittshonorar steigern
An der Honorarhöhe dürfte sich auch dieses und das nächste Jahr nichts Grundlegendes ändern, sofern die aktuellen PwC-Mandanten im Dax40 die vollen zehn Jahre der Rotationspflicht ausnutzen. Ab 2027 muss Hannover Rück einen neuen Abschlussprüfer präsentieren, PwC darf sich dann an der Ausschreibung nicht beteiligen.
Nicht nur neue Mandate sorgten bei PwC für einen Auftrieb. Hinzu kamen Preiserhöhungen bei Bestandskunden: Deutlich höhere Honorare konnte PwC 2024 bei Adidas (+2 Millionen Euro), Allianz (+1,7 Millionen Euro), BMW (+2 Millionen Euro), Continental (+3,3 Millionen Euro), Deutsche Börse (+1,2 Millionen Euro) und Hannover Rück (+3,4 Millionen Euro) durchsetzen. Bei Fresenius (-2 Millionen Euro) und Vonovia (-700.000 Euro) sanken die Honorare hingegen. Im Schnitt verdiente PwC im vergangenen Jahr 10,7 Millionen Euro pro Dax40-Mandat.
EY muss Platz an der Sonne räumen
Bei EY, dem Honorarchampion der vergangenen Jahre, machte sich 2024 der lange Schatten des Wirecard-Skandals bemerkbar. Die Honorarsumme im Dax40 sank um fast ein Drittel auf 119,7 Millionen Euro. Für Abschlussprüfungen bekam EY 102,7 Millionen Euro, für andere Dienstleistungen stellte das Big-Four-Haus 16,9 Millionen Euro in Rechnung. Damit musste EY seine Spitzenposition abgeben und rangiert mit Blick auf die Honorare auf Platz 2.
EY hatte nach der Wirecard–Insolvenz 2020 in der Abschlussprüfung vor allem vom Bestand gelebt. Viele kapitalmarktorientierte Unternehmen vergaben neue Prüfaufträge an die Konkurrenz, da unklar war, welche Strafen EY drohen, und welche Folgen dies für die geprüften Unternehmen haben könnte. Zudem trat das von der Abschlussprüferaufsicht (Apas) verhängte Neuannahmeverbot von Prüfmandaten bei kapitalmarktorientierten Unternehmen im März 2024 in Kraft und wird noch bis Ende Februar 2026 laufen.
Die Deutsche Bank zahlt das höchste Honorar
Das führte dazu, dass EY durch die Rotationspflicht verlorene Mandate nicht mit neuen ersetzen konnte. Das zeigt sich deutlich bei der Zahl der geprüften Unternehmen im Dax40. Die sank von elf im Jahr 2023 auf nur sechs im Jahr 2024. Besonders stark ins Kontor schlug der Verlust der Mandate bei Siemens, Siemens Healthineers und Siemens Energy, die 2023 noch zusammen 48,8 Millionen Euro Honorar in die Kasse spülten. Abgeben musste EY zudem noch die Mandate bei Zalando und Beiersdorf. Zudem sanken bei Volkswagen (-3 Millionen Euro) und der Münchener Rück (-400.000 Euro) die Honorare.
EY kommt allerdings zugute, dass die beiden Unternehmen mit den lukrativsten Mandaten nach wie vor zu den Kunden zählen: die Deutsche Bank, die 2024 ein Honorar von 62 Millionen Euro zahlte, und Volkswagen, das 35 Millionen Euro für Abschlussprüfung und andere Dienstleistungen überwies. Die beiden Unternehmen steuern mehr als 80 Prozent der gesamten Dax40-Honorare von EY bei.
Im laufenden Jahr dürfte sich an der Honorarsumme nichts Grundlegendes ändern: die vorhandenen Mandate laufen auch 2025 noch. Erst 2026, wenn bei Airbus ein neuer Abschlussprüfer tätig werden muss und die Apas-Sperre vorüber ist, dürfte es signifikante Änderungen bei EYs Honorarhöhe geben.
KPMG und Deloitte fast gleichauf
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den dritten Rang bei den Dax-Honoraren lieferten sich KPMG und Deloitte. Während KPMG einen deutlichen Verlust beim Gesamthonorar hinnehmen musste, konnte Deloitte als Gewinner der abgelaufenen Rotationswelle seine Honorare um fast 75 Prozent steigern. Trotzdem hat KPMG nach wie vor ein wenig die Nase vorn: Mit einem Gesamthonorar von 88,1 Millionen Euro (-28 Prozent) belegt die Gesellschaft den dritten Platz, während Deloitte mit einem Honorar von 74,2 Millionen Euro Platz 4 einnimmt.
Der kleine Unterschied kommt vor allem durch die Honorare für sonstige Dienstleistungen zustande: Hier stellte KPMG den neun geprüften Unternehmen 20,6 Millionen Euro in Rechnung, während Deloitte dafür bei ebenfalls neun geprüften Unternehmen nur 7,5 Millionen Euro verdiente. Bei der Abschlussprüfung lagen beide mit Honoraren in Höhe von 67,4 Millionen Euro (KPMG) und 66,7 Millionen Euro (Deloitte) hingegen fast gleichauf.
Der Rückgang bei KPMG liegt vor allem an den Mandatsverlusten bei BASF, Infineon und Mercedes-Benz, die 2023 für eine Honorarsumme von 49,2 Millionen Euro standen. Die Mandatsgewinne bei Siemens Energy (+10 Millionen Euro) und Zalando (+1,9 Millionen Euro) konnten den Verlust nicht ausgleichen. Dadurch reduzierte sich auch die Zahl der geprüften Dax40-Unternehmen von zehn auf neun.
Im laufenden Geschäftsjahr dürfte sich hieran nichts groß ändern. Die bestehenden Mandate im Dax40 laufen auch dieses Jahr weiter. 2026 wird KPMG dann als Abschlussprüfer zur Munich Re zurückkehren, die man bis 2019 geprüft hatte.
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Deloitte holt auf
Auch wenn Deloitte es nicht ganz geschafft hat, KPMG zu überholen, so ist die Entwicklung bei den Dax-Honoraren doch bemerkenswert. Deloitte verzeichnete 2024 unter den Prüfern das höchste Wachstum beim Honorar, das um fast 75 Prozent auf 74,2 Millionen Euro kletterte. Deloitte erzielte damit ein ähnliches Wachstum wie schon 2023, als die Honorarhöhe um 73,1 Prozent zulegte.
Maßgeblich dazu bei trugen die neuen Mandate bei RWE (+9,6 Millionen Euro), Infineon (+5,1 Millionen Euro) und BASF (+11 Millionen Euro). Honorarrückgänge bei der Deutschen Telekom (-3 Millionen Euro) und Rheinmetall (-100.000 Euro) standen höhere Honorare bei der DHL Group (+3 Millionen Euro) und Merck (+2,2 Millionen Euro) gegenüber.
2025 Jahr dürfte sich daran nichts ändern, die bestehenden Mandate werden weitergeführt. Ab 2026 wird jedoch Bayer, das von Deloitte seit 2017 geprüft wird und zuletzt für ein Honorar von acht Millionen Euro sorgte, aus der Rechnung herausfallen. Die Ausschreibung für einen neuen Abschlussprüfer läuft schon, Deloitte darf aufgrund der Rotationspflicht nach spätestens zehn Jahren aber nicht daran teilnehmen.
BDO und Grant Thornton mit stabilen Honoraren
Keine allzu großen Veränderungen gab es bei den Honoraren der beiden einzigen Next-Seven-Abschlussprüfern im Dax40. BDO konnte das Honorar für die Abschlussprüfung bei SAP um eine Million Euro auf neun Millionen Euro steigern. Grant Thornton, bei dem es Gerüchte über einen möglichen Einstieg eines Private-Equity-Investors gibt, konnte das Honorar bei der Porsche Holding um 100.000 Euro auf 600.000 Euro steigern.
Damit bleiben die beiden Gesellschaften, die vor einigen Jahren das Big-Four-Oligopol im Dax40 aufgebrochen hatten, gemessen an den Honoraren nach wir vor deutlich unter den vier großen Playern zurück.
Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.
