EY Deutschland akzeptiert die Strafen, die die Abschlussprüferaufsicht Apas dem Big-Four-Haus für dessen Verstrickungen im Wirecard-Skandal auferlegt hatte. Man habe den Bescheid sorgfältig geprüft und werde keine weiteren Rechtsmittel dagegen einlegen, „auch wenn wir die Bewertungen der Apas nicht in ihrer Gesamtheit teilen“, teilte EY Deutschland am gestrigen Dienstag mit.
Die zuständige Apas-Beschlusskammer hatte es als erwiesen angesehen, dass EY im Rahmen der Abschlussprüfungen der Wirecard AG und der Wirecard Bank AG zwischen 2016 und 2018 Berufspflichtverletzungen begangen hat.
Apas verhängt Annahmeverbot und Geldstrafe gegen EY
Damit läuft für EY in der Wirtschaftsprüfung jetzt das zweijährige Verbot der Annahme neuer Prüfmandate bei kapitalmarktorientierten Unternehmen. Es gilt seit dem 25. März und läuft bis zum 24. März 2026. Außerdem muss EY 500.000 Euro Geldstrafe zahlen.
Das aufsichtsrechtliche Verfahren zum Fall Wirecard ist damit für das Unternehmen abgeschlossen. Die Sanktionen, die die Apas gegen den Wirtschaftsprüfer verhängt hat, sind bereits seit fast einem Jahr bekannt. Im Dezember 2023 erhielt EY Deutschland den amtlichen Bescheid, der rund 2.000 Seiten umfassen soll. Um genügend Zeit für die Durchsicht zu erhalten, hatte EY im Januar deshalb zunächst Einspruch gegen den Bescheid eingelegt.
EY beteuert, aus dem „speziellen Fall“ Wirecard gelernt zu haben
Der Wirtschaftsprüfer betont, dass man „wichtige Lehren aus diesem speziellen Fall gezogen“ habe. „Sowohl in Deutschland als auch global haben wir die neuesten Technologien implementiert, erweiterte Analysen von Betrugsrisiken eingeführt und legen generell viel stärker den Fokus auf Betrugsrisiken“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.
In Bezug auf den Zeitraum der Prüfmandats-Sperre dürfte das Big-Four-Haus vergleichsweise glimpflich davonkommen. So stehen nach den jüngsten Prüferwechseln für die kommenden zwei Jahre kaum Ausschreibungen für die Vergabe neuer Prüfungsmandate von börsennotierten Unternehmen an. Bis zum Ende des Annahmeverbots prestigeträchtiger Prüfmandate hat EY Deutschland jetzt Gelegenheit, verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen: Seit Bekanntwerden des Wirecard-Skandals hatte das Unternehmen kein bedeutendes Prüfmandat mehr gewonnen. Für 2026 werden im Dax 40 mehrere Prüfmandate ausgeschrieben.
Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.
