Unternehmen lassen sich oft von Ex-Vorständen beraten. Doch dabei machen einige Fehler, die den Beratervertrag zum Platzen bringen könnten.

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03.09.19
Banking & Berater

Beraterverträge mit Ex-Vorständen: Das ist zu beachten

Die Deutsche Bahn hat gezeigt, wie es nicht laufen sollte: Das Unternehmen lässt zahlreiche Beraterverträge noch einmal extern durchleuchten. Welche zwei Regeln Unternehmen unbedingt beachten müssen, wenn sie die Hilfe von ehemaligen Managern suchen.

Vorstandsmitglieder kennen ein Unternehmen in- und auswendig. Oft werden sie deshalb auch noch nach ihrer Vorstandstätigkeit als Berater hinzugezogen. Falls sich Unternehmen für einen ehemaligen Manager als Berater entscheiden, müssen sie bei dem Vertrag zwei Punkte zwingend beachten. Welche das sind und was beim Fall Deutsche Bahn falsch lief – ein FINANCE-Ratgeber.

Sich auch nach dem Ausscheiden eines Vorstandsmitglieds dessen Wissen und Expertise zu sichern, kann durchaus sinnvoll sein: „Der Ex-Vorstand kennt sich in vielen Bereichen des Unternehmens besser aus als ein externer Berater“, erklärt Martina Schmid, Partnerin der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Beratungsverträge mit ehemaligen Managern sind deshalb keine Seltenheit.

Aufsichtsrat muss die Beraterverträge absegnen

Auch die Deutsche Bahn wollte dieses Wissen für sich nutzen. Doch vor einigen Wochen stellte der Konzern 26 Beraterverträge auf den Prüfstand, wovon drei mit Ex-Vorständen geschlossen wurden. Offenbar sind einige der Verträge ohne Wissen des Aufsichtsrats geschlossen worden. „Wir setzen alle Kraft in die Aufklärung. Beraterverträge von ehemaligen Vorständen und Geschäftsführern am Aufsichtsrat vorbei darf es zukünftig nicht mehr geben“, betonte Aufsichtsratschef Michael Odenwald.

Eigentlich ist die Zustimmung des Aufsichtsrats zu dem Beratervertrag ein Muss und für Martina Schmid die wichtigste Regel bei solchen Verträgen: „Um Beraterverträge rechtssicher zu gestalten, sollte stets der Aufsichtsrat über den Vertragsschluss mit einem ehemaligen Vorstandsmitglied entscheiden“, empfiehlt die Anwältin für Aktien- und Kapitalmarktrecht.

Obwohl der Vorstand zum Beispiel über Verträge zu Übernahmen oder Kooperationen frei entscheiden darf, gilt das in diesem Fall nicht. „Dadurch können mögliche Interessenkonflikte von vornherein vermieden werden.“ Hintergrund: Eine Befangenheit des amtierenden Vorstands beim Vertragsschluss mit dem ausgeschiedenen Kollegen kann zumindest nicht ausgeschlossen werden.

Letzte Möglichkeit: Aufsichtsrat im Nachhinein fragen

Wenn der Vorstand den Aufsichtsrat nicht informiert hat, ist die Situation kritisch. Dennoch besteht die Möglichkeit, den Aufsichtsrat im Nachhinein zu fragen. „Wenn ein Beratervertrag unzulässigerweise vom (amtierenden) Vorstand geschlossen wurde, würde ich immer empfehlen, den Vertrag noch nachträglich vom Aufsichtsrat genehmigen zu lassen und die Situation so noch zu retten“, sagt die Anwältin, gibt allerdings auch zu, dass es andere Rechtsmeinungen zu der Frage gibt. Einige Experten argumentierten, dass ein solcher Vertrag nach wie vor nicht regelkonform ist, weil der Aufsichtsrat vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

Lehnt der Aufsichtsrat die Genehmigung eines Beratervertrags im Nachhinein ab, müssen die gewährten Leistungen grundsätzlich zurückgewährt werden, was zu nicht unerheblichen Problemen führen kann, so Schmid. Wenn das Unternehmen sogar einen Schaden erlitten hat, weil der Berater etwa Geld bekommen hat, aber keine Leistung erbracht hat, könnte der Vorstand grundsätzlich auch schadensersatzpflichtig sein.

Knackpunkt Vergütung bei Beraterverträgen

Der zweite Fehler, den viele Unternehmen beim Abschluss solcher Beraterverträge machen, entsteht bei der Vergütung der Ex-Vorstände. Oft zahlen die Unternehmen sehr hohe Summen, ohne genau festzuhalten, welche konkrete Gegenleistung der Berater erbringen muss. „Wie hoch die Vergütung sein darf, ist – wie bei der Vorstandsvergütung selbst – ein Graubereich. Das Gesetz gibt nur vor, dass sie angemessen sein muss“, sagt die Expertin. Damit Unternehmen belegen können, was „angemessen ist“, können sie als ersten Ansatzpunkt zum Vergleich ein Angebot eines externen Beraters einholen.

Mit einer guten Dokumentation würden sich Unternehmen am besten gegen Vorwürfe über die Höhe der Vergütung zur Wehr setzen. „Der Aufsichtsrat sollte seine Erwägungen zum Vertragsschluss und insbesondere zur Vergütung sorgfältig dokumentieren, und im Einzelnen festhalten, welche Beratungsleistungen erbracht werden und weshalb die vereinbarte Vergütung angemessen ist“, so die CMS-Anwältin.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de