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Bank of England sorgt sich um die Deutsche Bank

Mit dem Anleihehandel machte die Deutsche Bank zuletzt gute Geschäfte, das Transaction Banking leidet derweil zunehmend unter den Niedrigzinsen.
Deutsche Bank

Neuerlicher Tiefschlag für die Deutsche Bank: Die Lage des größten deutschen Geldhauses alarmiert jetzt auch die Bank of England. Die britische Zentralbank hat laut „Financial Times“ große britische Banken dazu aufgerufen, ihr Exposure gegenüber der Deutschen Bank offenzulegen – ein klares Misstrauensvotum der britischen Regulierungsbehörde. Auch über ihr Engagement bei italienischen Banken sollen Geldhäuser auf der Insel Auskunft geben.

Die Anfrage sei bereits vor einigen Wochen  erfolgt, berichtet die Zeitung ohne Quellenangabe. Mitte September war bekannt geworden, dass das US-Justizministerium von der Deutschen Bank 14 Milliarden US-Dollar Strafe wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren während der Finanzkrise forderte. Investoren hatten sich daraufhin um die Stabilität der Bank gesorgt, der Aktienkurs der Bank brach ein. Analysten brachten eine milliardenschwere Kapitalerhöhung ins Spiel, Gerüchte um Staatshilfe machten die Runde.

Bei der heutigen Vorlage der Quartalszahlen sprach CEO John Cryan zwar von Fortschritten in den Verhandlungen mit dem US Finanzministerium. Eine Einigung vor den US-Präsidentschaftswahlen am 8. November scheint aber unwahrscheinlich. Damit steht der Bank noch eine längere Phase der Unsicherheit ins Haus.

Kunden zogen Gelder von Deutschen Bank ab

Das ist auch deshalb schlecht, weil das Misstrauen der Märkte auf die Kunden der Deutschen Bank abfärbt: Sie haben zum Ende des dritten Quartals und auch noch zu Beginn des vierten Quartals Geschäft und Vermögenswerte abgezogen, wie die Deutsche Bank in ihrem heute veröffentlichten Quartalsbericht einräumt. Das betreffe sowohl die Kapitalmarktsparte als auch das Wealth Management. Inzwischen sei der Trend aber gedreht worden, versichert die Bank.

Zugleich stimmte Cryan die Mitarbeiter auf eine Verschärfung des Sparprogramms ein: „Wir werden unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen“, schreibt der CEO in einem Brief an die Mitarbeiter. Bislang ist geplant, 9.000 Arbeitsplätze zu streichen, 4.000 davon in Deutschland.

Quartalsgewinn ist kein Befreiungsschlag

Der überraschende Gewinn im dritten Quartal von 278 Millionen Euro – obwohl die Bank ihre Rückstellungen für Rechtsrisiken um 400 Millionen auf 5,9 Milliarden Euro aufstockte – ist denn auch kein Befreiungsschlag, denn die Ertragsqualität ist dürftig.

Das Gewinnplus kam vor allem zustande, weil die Bank die Buchverluste aus dem Verkauf von Abbey Life in Höhe von 800 Millionen Euro erst im vierten Quartal verbuchen wird. Manche Analysten hatten mit dem dritten Quartal gerechnet. Auch die Zuführung zu den Rückstellungen von weniger als einer halben Milliarde Euro erscheint mager vor dem Hintergrund der ausufernden Rechtsrisiken, die sich im Umfeld der Deutschen Bank auftürmen.

Niedrigzinsen hinterlassen Spuren im Transaction Banking

Auf Ertragsseite verdankt die Deutsche Bank ihren Quartalsgewinn in erster Linie dem florierenden Anleihehandelsgeschäft – getrieben von der hohen Volatilität nach dem Brexit-Votum. Doch andere Banken konnten das noch viel besser für sich nutzen: Während die Deutsche Bank in diesem Geschäft ihren Umsatz um 14 Prozent ausweitete, konnten US-Investmentbanken nach Angaben der Analysten von Equinet 35 Prozent draufpacken. Auch die britische Barclays vermeldete heute vor allem wegen des gut laufenden Handelsgeschäfts einen um 35 Prozent gestiegenen Vorsteuergewinn auf umgerechnet 937 Millionen Euro. Der Gewinnschub wird für die Deutsche Bank auch deshalb nicht von Dauer sein, da sie das Handelsgeschäft mittelfristig zurückfahren will.

In Geschäftsfeldern, in denen die Deutsche Bank wachsen will, hat sie dagegen im dritten Quartal weniger verdient: Im Transaction Banking sanken die Erträge gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 5 Prozent. Hier leidet die Deutsche Bank vor allem unter den Niedrigzinsen. Diese belasten die Margen in der Handelsfinanzierung und im Cash Management mit Firmenkunden. Auch das Asset Management entwickelte sich ohne den Versicherer Abbey Life schlechter.

Die fehlenden Erträge zwingen die Deutsche Bank auch dazu, ihren internationalen Ansatz weiter einzuschränken. So vermeldete die Deutsche Bank heute auch den Verkauf ihres Mexiko-Geschäfts. Für einen nicht genannten Kaufpreis gehen ihre Tochtergesellschaften Deutsche Bank Mexiko und Deutsche Securities an die mexikanische Intesa-Bank. Damit setzt die Bank ihren Rückzug aus Lateinamerika fort: Aus Argentinien hat sich das Frankfurter Geldhaus ebenfalls verabschiedet, auch in Chile, Peru und Uruguay befindet sich die Bank auf dem Rückzug.

CFO Marcus Schenck kündigt Bonikürzungen an

Es fehlen also auch auf Sicht stabil wachsende Ertragsquellen. Diese aber wären eine wichtige Stütze, um die Kapitalvorschriften einzuhalten. Ab 2019 muss die Deutsche Bank ihre harte Kapitalquote auf mindestens 12,25 Prozent steigern – über 100 Basispunkte mehr, als die Deutsche Bank aktuell vorweist. Der aktuelle Quartalsgewinn und die Reduzierung von Risiken verhalfen ihr nur zu einem Anstieg der Kernkapitalquote gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Punkte auf 11,1 Prozent. Der Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Bank Hua Xia soll noch einmal 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte bringen. Der Abschluss stockt allerdings, weil noch Genehmigungen fehlen.

Zudem sind weitere Sonderbelastungen aus Rechtsrisiken wahrscheinlich. Trotzdem schätzt die Deutsche Bank ihre Eventualrisiken mit 1,6 Milliarden Euro jetzt um 100 Millionen Euro niedriger ein als noch Ende Juni. Ein Verkauf der Postbank könnte die Bilanz verbessern. Aber weil es an Interessenten fehlt, denken Vorstand und Aufsichtsrat offenbar immer ernsthafter darüber nach, die Postbank in das Stamm-Privatkundengeschäft einzugliedern und über Stellenstreichungen Kosteneinsparungen zu erreichen.

In dieser prekären Lage sendet das Management neben der von Cryan angekündigten Verschärfung des Konzernumbaus nun auch noch weitere Signale, wie die Bank über die Kostenseite saniert werden soll. Nach Aussage von CFO Marcus Schenck plant die Deutsche Bank deutliche Kürzungen bei den Barkomponenten der Bonuszahlungen. Analysten schätzen, dass die Deutsche Bank dadurch kurzfristig bis zu 2,8 Milliarden Euro an Kapital freisetzen könnte. Im abgelaufenen Quartal gingen die Personalkosten im Global-Markets-Segment bereits um ein Viertel zurück. Im schwachen Jahr 2015 hatte die Bank noch 2,4 Milliarden Euro an Boni ausgeschüttet, davon 1,45 Milliarden an Mitarbeiter der Investmentbank.

Auch bei den Kosten für externe Berater ist noch viel Luft nach unten. Allein im dritten Quartal überwies die Deutsche Bank an Dritte 511 Millionen Euro für „Professional Services“ – das ist mehr als ein Sechstel dessen, was der Dax-Konzern für das eigene Personal ausgab. Der Vorstand begründete dies mit Kosten für die Implementierung der neuen Konzernstrategie.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de