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Commerzbank-Chef Blessing tritt ab

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, will nicht mehr. Bei CFOs hatte die Bank zuletzt punkten können.
Commerzbank

Diese Ankündigung kommt überraschend: Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Martin Blessing wird das Geldinstitut verlassen. Er werde den bis Ende Oktober 2016 laufenden Vertrag gerne erfüllen, das Angebot einer Vertragsverlängerung aber nicht annehmen. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, aber er möchte „nach 15 Jahren im Vorstand der Commerzbank, davon die Hälfte als CEO, nochmals ein neues Kapital in meinem beruflichen Leben aufschlagen“, lässt sich Blessing in einer Mitteilung des Geldinstituts zitieren.

Medienberichten zufolge hatte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller ihm bereits im Sommer einen neuen Vertrag angeboten. Er bedauere die Entscheidung zwar, hat aber eine „eine hohe Wertschätzung für seine erfolgreiche Arbeit und sein Commitment, sich während der verbleibenden Zeit für die Bank weiterhin hochengagiert einzusetzen“, so Klaus-Peter Müller über den Abtritt Blessings.

Commerzbank-Zahlen haben sich verbessert

Blessing ergänzt, dass 2016 ein guter Zeitpunkt für einen Führungswechsel sei. Der 52-Jährige ist seit 2001 Mitglied des Vorstands bei Deutschlands zweitgrößter Bank. Zuvor war der Betriebswirtschaftler unter anderem bei der Dresdner Bank und bei McKinsey. Seit 2008 ist er Sprecher des Vorstands der Bank. Kurz nach seinem Amtsantritt übernahm die Commerzbank die Dresdner Bank und geriet dadurch in der Finanzkrise in eine bedrohliche Schieflage. Mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro musste die Bank schließlich vom Steuerzahler vor dem Aus gerettet werden. Rund 13 Milliarden Euro sind inzwischen zurückgezahlt.

In seiner Rolle als Sanierer der Bank hatte Blessing mit viel Gegenwind zu kämpfen. Zuletzt ging es aber langsam wieder aufwärts. Das belegen auch die heute veröffentlichten Zahlen: Das operative Ergebnis im dritten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres hat sich auf 429 Millionen Euro verbessert (Vorjahr: 343 Millionen Euro), das Konzernergebnis nach neun Monaten auf 853 Millionen Euro (Vorjahr: 525 Millionen Euro). Jetzt will die Commerzbank zum ersten Mal seit acht Jahren wieder eine Dividende zahlen, sie soll bei 20 Cent je Aktie liegen.

Commerzbank bei CFOs auf Platz 1

Blessing verlässt die Bank zu einem Zeitpunkt, an dem sie auch das Vertrauen der deutschen Finanzchefs zunehmend für sich gewonnen hat: In einer im Juli unter CFOs durchgeführten Umfrage des FINANCE-Magazins sagten 84 Prozent der Teilnehmer, die Commerzbank zähle für sie zu den Top 3 der führenden deutschen Banken im Firmenkundengeschäft – die Deutsche Bank zählten nur 71 Prozent dazu. Damit ist die Commerzbank die deutsche Nummer Eins für CFOs. Die Commerzbank würden viele Finanzverantwortliche außerdem wieder als „sehr präsent“ wahrnehmen, zeigte die Umfrage.    

Wer Blessing jetzt nachfolgt, ist noch nicht bekannt. Medienberichten zufolge könnte der ehemalige Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, Rainer Neske, ein heißer Kandidat sein, ebenso der Vorstandsvorsitzende der HVB, Theodor Weimer. Aus der Commerzbank selbst könnte Firmenkundenvorstand Markus Beumer gute Karten haben. Er hat seine Stellung in den vergangenen Jahren zunehmend ausgebaut und gilt schon länger als Kronprinz. Welchen Aufgaben sich Blessing in Zukunft widmet, ist noch nicht bekannt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.