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Deutsche Bank: Die Gewinner und Verlierer der Vorstandsrochade

Anshu Jain und Jürgen Fitschen: Ein Tag vor der Hauptversammlung wird Jain durch den Aufsichtsrat gestärkt. Die Aufgabenverteilung im Vorstand wird neu gemischt. Dabei kristallisieren sich Gewinner und Verlierer heraus.
Deutsche Bank

Unmittelbar vor der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank hat der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Paul Achleitner in einer sensiblen Angelegenheit Fakten geschaffen und den Vorstand umgebaut. Die Aktionäre werden das gemischt aufnehmen. Sowohl das amerikanische Shareholder-Activism-Schwergewicht ISS als auch Hermes Equity Ownership Services um den Hedgefonds-Manager Hans-Christoph Hirt gelten als Gegner der aktuellen Bankführung und haben die Aktionäre des größten deutschen Geldhauses dazu aufgefordert, den Vorstand nicht zu entlasten. Auf der Seite von Achleitner, Jain und Fitschen sollen dagegen die wichtigen Aktionäre Blackrock und Katar stehen.

Mit seiner heutigen umfassenden Umverteilung der Zuständigkeiten stärkt Achleitner einmal mehr CEO Anshu Jain. Dem Investmentbanker überträgt der Aufsichtsrat die Verantwortung für die Strategie & Organisationsentwicklung, die bisher unter dem scheidenden CFO Stefan Krause angesiedelt war.

Das ist insofern konsequent, als dass Jain damit auch die neue Konzernstrategie weiterentwickeln und umsetzen kann, die er Ende April gemeinsam mit seinem Co-Chef Jürgen Fitschen vorgestellt hatte. Diese sieht vor allem den Abbau des Leverage Exposures der Investmentbank und die Neuausrichtung des Privatkundengeschäfts vor. Als Teil davon soll die Postbank ausgegliedert werden.

Die Verlierer im Vorstand der Deutschen Bank

Wie Ende Oktober vergangenen Jahres angekündigt, wird ab heute der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Marcus Schenck den CFO-Posten übernehmen. Krause wird dann der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Postbank. Zudem soll er von den beiden CEOs die Leitung der internen Bad Bank (bisher Fitschen) und die Verantwortung für das Global Transaction Banking (bisher Jain) übernehmen.

Damit kristallisieren sich Krause und Fitschen als die beiden Verlierer der Vorstandsrochade heraus. Fitschen muss Verantwortung abgeben und fällt damit – was seinen Wirkungskreis angeht – weiter hinter Jain zurück. Stefan Krause bekommt zwar in Summe mehr Aufgaben, auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass sowohl die Bad Bank als auch der Aufsichtsratsposten in der Postbank keine zukunftsgerichteten Aufgabenbereiche sind. Bleibt de facto die Leitung des Global Transaction Banking, was verglichen mit dem CFO-Posten ein Rückschritt für Krause ist.

Ganz zurückziehen wird sich wie erwartet Privatkundenchef Rainer Neske, der den Machtkampf mit Jain um die künftige Ausrichtung der Deutschen Bank verloren hat Er wird das Geldhaus komplett verlassen und durch den bisherigen Rechtvorstand Christian Sewing ersetzt.

Auch das mittlere Management ist betroffen

Bei all den großen Köpfen werden die kleinen Veränderungen fast übersehen, aber auch auf der mittleren Management-Ebene gibt es Umstrukturierungen: Henry Ritchotte (COO) übernimmt mehr Verantwortung und soll zusätzlich als Chief Digital Officer die neue Digitalisierungsstrategie der Agenda 2020 vorantreiben.

Für den neuen Private-Banking-Vorstand Christian Sewing bekommt Nadine Faruque (Global Head of Compliance) durch eine Generalvollmacht mehr Verantwortung und soll Sewing damit im Rechtsbereich entlasten. Alan Cloete (Co-CEO für die Region Asien und Pazifik) und Großbritannien-Chef Colin Grassie werden die Bank ebenfalls verlassen.

Derweil droht der Deutschen Bank ein neuer Skandal, diesmal in Russland. Dort haben sich mutmaßlich Bankmitarbeiter an Geldwäscheaktivitäten für russische Kunden beteiligt. Die Deutsche Bank hat einem Bericht des Manager Magazins zufolge den Missstand selbst aufgedeckt und diesbezüglich bereits die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) eingeschaltet sowie die betroffenen Mitarbeiter entlassen.

Welchen Ausmaß die Unregelmäßigkeiten in Russland haben und ob beziehungsweise in welcher Höhe dadurch neue Strafzahlungen auf die Deutsche Bank zukommen könnten, ist aktuell noch nicht einzuschätzen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de