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Deutsche Bank muss Bilanz entlasten

Wieder einmal unter Zugzwang: Die Deutsche Bank muss ihre Bilanz stärken.
Crocodile Images/Thinkstock/Getty Images

Die Deutsche Bank polstert ihr regulatorisches Eigenkapital auf: Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, arbeitet der deutsche Branchenprimus an einer Verbriefung in Milliardenhöhe, um die risikogewichteten Aktiva (RWA) in der Bilanz zu reduzieren. Demnach sollen Kredite an Firmenkunden im Rahmen einer synthetische Verbriefungstransaktion auf den Markt gebracht werden. Dabei werden die Risiken an die Investoren ausgelagert, die zugrunde liegenden Forderungen gegenüber den Firmenkunden wechseln aber nicht den Besitzer.

Die Deutsche Bank unterhält bereits seit einigen Jahren ein solches Verbriefungsprogramm. Im vergangenen Jahr belief sich das Volumen der Transaktion auf 5,5 Milliarden Euro. Dieses Mal soll es dem Vernehmen nach aber geringer sein. Auch die Commerzbank hatte im Frühjahr mit einer solchen Verbriefungstransaktion ihre Bilanz gestärkt.

Die Bilanz der Deutsche Bank kann die Entlastung gut vertragen: Jüngsten Zahlen zufolge verfügte die Bank im zweiten Quartal über ein Eigenkapital von 67 Milliarden Euro, die RWAs beliefen sich auf 402 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag bei 10,8 Prozent. Mittelfristig ist das zu wenig, beim Stresstest der EBA gehörte das Frankfurter Geldhaus zu den zehn krisenanfälligsten Banken Europas.

Société Générale: Deutsche Bank braucht Kapitalerhöhung

Trotz dieser Zahlen betont die Deutsche Bank seit Monaten, ohne Kapitalerhöhung auskommen zu wollen. Der Wille von Bankchef John Cryan, diese Ankündigung durchzuziehen, ist unverkennbar, jedoch wird dieses Szenario zunehmend angezweifelt. Der neueste Zwischenruf kommt von der Société Générale: Die französische Großbank hält angesichts der drohenden Milliardenbuße in den USA eine Kapitalerhöhung für nahezu unvermeidlich.

Um eine „ordentliche“ Kapitaldecke zu erhalten, benötige die Deutsche Bank frisches Eigenkapital über 20 Milliarden Euro, schreibt Analyst Andrew Lim in einer aktuellen Analyse. Das wären mehr als die 16 Milliarden Euro, die der angeschlagene deutsche Branchenprimus derzeit an der Börse wert ist. Lim rechnet damit, dass die für die Rechtskosten gebildeten Rückstellungen über 5,5 Milliarden Euro nicht ausreichen werden. Eine deutlich höhere Vergleichszahlung würde bedeuten, dass die Bank nun schon allein für diesen Fall eine Kapitalerhöhung benötige, so der Analyst. Bereits zuvor habe er Kapitallöcher über 12,5 Milliarden Euro gesehen.

Deutsche Bank will keine 14 Milliarden Dollar Strafe zahlen

Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, fordert die US-Regierung wegen Zockereien mit faulen Hypothekenpapieren 14 Milliarden US-Dollar von der Deutschen Bank. Das Frankfurter Geldhaus teilte allerdings bereits mit, sie beabsichtige „auf keinen Fall, diese möglichen zivilrechtlichen Ansprüche in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht. Die Verhandlungen stehen erst am Anfang.“ Anstreben dürfte die Deutsche Bank eher eine Summe zwischen 2 und 3 Milliarden Dollar.

Sorgen macht sich Société-Générale-Analyst Lim zudem um die Zinszahlungen für die sogenannten Coco-Anleihen. Eine hohe US-Buße könnte dazu führen, dass die Bank nicht mehr genug Geld habe, um diese nachrangigen Papiere zu bedienen. Zu Beginn des Jahres hatte es schon einmal Zweifel am Markt gegeben, ob die Deutsche Bank ihre Zinsen auf Coco-Bonds bedienen könne. Nachranganleihen und Aktienkurs hatten daraufhin rapide an Wert verloren.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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