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Früherer Deutsche-Bank-CEO Anshu Jain verstorben

Der Ex-Deutsche-Bank-CEO Anshu Jain ist verstorben. Foto: Deutsche Bank
Der Ex-Deutsche-Bank-CEO Anshu Jain ist verstorben. Foto: Deutsche Bank

Anshu Jain, der ehemalige Co-CEO der Deutschen Bank, ist tot. Wie die Deutsche Bank mitteilte, war Jain in der Nacht zum Samstag im Alter von 59 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben. Jain litt seit Jahren an Magenkrebs, wie seine Familie in einem Brief mitteilte, der der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt. Die Diagnose hatte der ehemalige Bankchef 2017 erhalten.

Wie seine Familie in dem Brief schrieb, hatte Jain die erste Diagnose aus dem Januar 2017 durch „eine Kombination aus gründlicher persönlicher Recherche, taktischem Geschick, unglaublichem Pflegepersonal und schierer Willenskraft“ um fünf Jahre überlebt und war weiter bei seiner „lebenslangen Entschlossenheit geblieben, keine Statistik zu sein“, wie Bloomberg aus dem Schreiben zitiert.

Anshu Jain kam 1995 zur Deutschen Bank

Jain war zwischen 2012 und 2015 Co-CEO von Deutschlands größtem Geldhaus. Damals folgte er auf den langjährigen Vorstandssprecher Josef Ackermann. Dieser hatte vergeblich versucht, Jains Beförderung auf den Chefsessel zu verhindern. Allerdings übte Jain die Rolle des CEOs nicht alleine aus. Zusammen mit Jürgen Fitschen wurde er im Juni 2012 vom Aufsichtsrat zum Co-CEO berufen. Damit gab es erstmal in der Geschichte der Blauen eine Doppelspitze. 

Anshu Jain wurde 1995 vom damaligen Banken-Chef Hilmar Kopper zur Deutschen Bank geholt. Zuvor war er im Investmentbanking bei Merrill Lynch tätig. Und genau dort sollte er auch bei den Blauen ansetzen und das Investmentbanking auf die internationale Ebene heben.

„Die Welt könnte einen der besten Banker seiner Generation verloren haben“, kommentierte Paul Achleitner, ehemaliger Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, die Meldung über Jains Tod. Mit seiner Aussage dürfte Achleitner sich auf die hohen Gewinne beziehen, die der Investmentbanker Jain für das Institut erwirtschaftet hatte.

Deutsche Bank musste 15 Milliarden Euro Strafe zahlen

Zum Anbruch des neuen Millenniums war Jain auch die Führung des Investmentbankings übertragen worden. Er trieb die Geschäfte voran wie kein anderer vor ihm – was zu den überraschend hohen Gewinnen führte. Und auch wenn der damalige CEO Ackermann Jain seinen raketenartigen Aufstieg an die Spitze nicht gönnte, so hatte er es doch Jain zu verdanken, dass die Deutsche Bank unter ihm eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreichte – ein Traum für Banken so kurze Zeit nach der weltweiten Finanzkrise 2008.

Als Ackermann nach zehn Jahren abtrat und das neue Führungsduo übernahm, wurde schnell klar, wie Jain und seine Armee von Händlern jene hohen Erträge erzielen konnte, die ihm den CEO-Posten ermöglichten. Nach übereinstimmenden Medienberichten häuften sich die Anzeichen dafür, dass die Geschäfte des Investmentbankings häufig gegen geltendes Recht verstießen.

Der Zauber der gewinnträchtigsten Jahre der Blauen war vergangen. Unter Jains und Fitschens Ägide hieß es dann, den Scherbenhaufen so gut wie möglich aufzuräumen, auch, um die Schäden für Bank und Aktionäre so gering wie möglich zu halten. Dennoch konnte das nicht die 15 Milliarden Euro hohe Strafzahlung verhindern, zu der das Geldhaus zwischen 2012 und 2017 verurteilt wurde. Grund dafür waren die Vorwürfe, Referenzzinssätze wie den Libor oder den Euribor manipuliert zu haben.

„Leidenschaftliche Führungskraft“ erinnert sich CEO Christian Sewing

Es half alles nichts. Der Frust der Aktionäre über den Vorstandschef entlud sich auf der Hauptversammlung im Mai 2015. Das Führungsduo wurde lediglich mit 61 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Das schlechte Ergebnis – das sich auch im Jahresbericht mit einem Verlust in Höhe von 6,7 Milliarden Euro bemerkbar machte – galt aber vornehmlich Jain und seinen Geschäftstätigkeiten und den Konsequenzen der 2000er-Jahre.

Trotz allem ist Jain bei vielen in der Deutschen Bank noch in guter Erinnerung. „Wer mit Anshu zusammengearbeitet hat, erlebte eine leidenschaftliche Führungskraft von intellektueller Brillanz“, erinnert sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. „Viele von uns hat er mit seiner Energie und Loyalität zu unserer Bank zutiefst beeindruckt. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten seiner Ehefrau, seinen Kindern und seiner Mutter. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

jan.schuermann@faz-bm.de | + posts

Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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