Schwächelnde Konjunktur, steigende Risiken und hoher Wettbewerbsdruck – der Job als Corporate Banker hat schon mal mehr Spaß gemacht. Das offenbaren die jüngsten Ergebnisse der Befragung des FINANCE Think Tank unter Deutschlands Firmenkundenbetreuern. Nach der Rekord-Arbeitszufriedenheit im Frühjahr zeigt die aktuelle Herbsterhebung 2025 einen deutlichen Rückgang. Gleichzeitig steigt die Wechselwilligkeit der Banker auf überdurchschnittliche Werte – ein Alarmsignal für die Branche.
Die halbjährliche Befragung von Firmenkundenbetreuern, die gemeinsam vom FINANCE Think Tank und Helbling Business Advisors durchgeführt wird, zeichnet ein ernüchterndes Bild der Branche. Während die Arbeitszufriedenheit noch über dem langjährigen Durchschnitt liegt, ist der Trend eindeutig negativ. Besonders betroffen sind Banker, die ihr eigenes Institut im Markt schlecht positioniert sehen.
„Es wird stürmischer da draußen – und das schlägt Firmenkundenbetreuern jetzt doch langsam aufs Gemüt“, konstatiert Bastian Frien, Gründer und Geschäftsführer des FINANCE Think Tank. Der verschärfte Wettbewerb und die zunehmende Schwierigkeit, persönliche Ziele zu erreichen, belasteten die Motivation der Vertriebsmannschaften spürbar.
Banken werden vorsichtiger, ihr Portfolio riskanter
Paradox ist die Situation im Kreditgeschäft: Während Risikoappetit der Geldhäuser seit dem Frühjahr 2019 stetig abgenommen hat, verschlechtert sich die Qualität ihrer Portfolios kontinuierlich. Praktisch kein Firmenkundenbetreuer beobachtet eine durchschnittliche Verbesserung der Ratings in seinem Portfolio – ein Trend, der seit Beginn der Erhebung im Herbst 2018 anhält.
Auch die Zahl der Covenant-Brüche nahm 2025 in Summe weiter zu: Während eine kleine Minderheit von Verbesserungen berichtet, konstatiert die Mehrheit der Befragten hier eine weitere Verschlechterung.
Kreditgeschäft: Margen steigen, Bedingungen verschärfen sich
Das macht sich auch bei den Kreditbedingungen bemerkbar. Diese wurden von den Banken kontinuierlich verschärft, um die wachsenden Risiken besser zu kontrollieren. Und auch bei der Risikomarge langen die Institute weiterhin kräftig zu, wie die Befragung ergab. Bei den Kreditmargen scheint der seit Herbst 2022 beobachtete Anstieg jedoch langsam zum Stillstand zu kommen.
„Der nachlassende Risikoappetit der Banken trifft auf eine steigende Zahl von Sorgenfällen“, erläutert Jan-Erik Gürtner, Geschäftsführer von Helbling Business Advisors – eine gefährliche Kombination. „Restrukturierungsexperten berichten von zahlreichen Unternehmen, denen die Liquidität wegbricht.“
Investitionsflaute hält an
Das wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus: Seit 2022 beobachten das Gros der Firmenkundenbetreuer kontinuierlich nachlassende Investitionen seitens seiner Kunden. Nur einer von acht Befragten meldet steigende Investitionsbereitschaft. Die von der Bundesregierung erhoffte Aufbruchstimmung ist bei den Unternehmen offenbar nicht angekommen.
Die Wettbewerbsintensität im Corporate Banking hat sich im Vergleich zur vorherigen Erhebung deutlich erhöht. Gleichzeitig sehen mehr Banker die Wettbewerbsposition ihres Hauses kritisch. Diese Kombination aus verschärftem Wettbewerb und wahrgenommener Schwäche der eigenen Position führt dazu, dass deutlich mehr Befragte ihre Ziele als unerreichbar einschätzen.
Ausblick bleibt gedämpft
Die Befragung zeigt, dass die Herausforderungen im Corporate Banking zunehmen. Die Kombination aus verschlechterter Wirtschaftslage, restriktiveren Kreditbedingungen und sinkender Investitionsbereitschaft belastet nicht nur die Banken, sondern auch deren Firmenkundenbetreuer. Deren steigende Wechselbereitschaft sollten die Institute im Blick behalten – gerade in Zeiten, in denen Kundennähe und Marktkenntnis entscheidende Wettbewerbsvorteile darstellen.
Info
Zweimal im Jahr fühlt der FINANCE Think Tank im „Survey Firmenkundenbetreuer“ den Puls der Marktseite in den Banken. Die vollständige Auswertung finden Sie hier.
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
