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„Wir wollen das Corporate Lending transformieren“

Markus Beumer stellt seine neue Agenda für die Zukunft von Oddo BHF vor.
Oddo BHF

Herr Beumer, vor gut einem halben Jahr sind Sie bei Oddo BHF angetreten. Wie wollen Sie die Bank künftig im Bereich Corporates & Markets aufstellen?

Wir werden uns noch klarer auf einzelne Produkt- und Kundengruppen fokussieren. Das größte Wachstumspotential sehen wir im Beratungs- und Kapitalmarktgeschäft in Deutschland und Frankreich. Die Geschäftsfelder Corporate Finance, der Handel und die Analyse von Aktien und Anleihen, Metall- und Währungshandel sowie die Außenhandelsfinanzierung stehen dabei künftig im Fokus.

Und welche Kundengruppen wollen Sie damit genau ansprechen?

Kernzielgruppe sind die mittelgroßen französischen und deutschen Unternehmen, aber auch Private-Equity-Fonds und europäische institutionelle Investoren. Dafür integrieren wir die Geschäftsfelder länderübergreifend und haben sie unter eine einheitliche Leitung gestellt.

Beumer kann sich Kooperationen mit Fintechs vorstellen

Das bedeutet aber auch, dass Sie bestehende Geschäfte anders gestalten als in der Vergangenheit. Wie sieht künftig genau die Kreditvergabe an Mittelständler und der Bereich Leveraged Finance, der Finanzierung von Private-Equity-Deals, aus?

Das Corporate Lending wollen wir in den kommenden Jahren transformieren und anders wachsen. Hier gibt es bekanntlich zahlreiche Banken im Markt, weswegen wir hier nicht unser großes Alleinstellungsmerkmal oder Wachstumspotentiale sehen. Künftig können wir uns aber durchaus kreative Ansätze in diesem Bereich vorstellen, wie etwa die Kooperation mit FinTechs, die in der Kreditvergabe aktiv sind.  

Das Leveraged Finance wollen Sie ebenfalls umgestalten – auch ein  Ausstieg?

Überhaupt nicht, hier gehen wir einen anderen Weg. Wir planen hier ein Vehikel – einen Debt-Fonds – aufzusetzen und als Arrangeur zu fungieren. Dabei wollen wir die Stärke von Oddo BHF im institutionellen Geschäft mit der Stärke im Corporate Finance kombinieren: Wir werben Gelder bei den institutionellen Investoren über das Asset Management unserer Gruppe ein und stellen diese dann Private-Equity-Gesellschaften für Übernahmen zur Verfügung.

„Kernzielgruppe sind die mittelgroßen französischen und deutschen Unternehmen.“

Bringen Sie bestehende Leveraged-Finance-Kredite in dieses Portfolio ein?

Das steht noch nicht fest, denkbar wäre es aber.

Asset Management legt Debt-Fonds auf

In gewisser Weise kreieren Sie eine Schattenbank, weil sie die Kreditvergabe aus der Bankbilanz in einen Fonds verlagern. Reagieren Sie damit auf die zunehmende Regulatorik?

„Als Kreditgeber wird man bei Leveraged Loans bestraft.“

Als Kreditgeber wird man bei Leveraged Loans, insbesondere zum Zeitpunkt der Vergabe, bestraft. Besonders am Anfang, wenn die Kreditnehmer noch hochverschuldet sind, wirken sich die Leveraged Loans nach Basel IV negativ auf die risikogewichteten Aktiva aus. Mit dem Debt-Fonds haben wir einen besseren Weg gefunden, um dieses Geschäft voranzubringen. Der Fonds wird von unserem Asset Management aufgelegt, wird transparent sein und allen regulatorischen Vorgaben entsprechen. Wir sprechen hier außerdem hauptsächlich vom Kapital institutioneller Investoren das in den Fonds fließt.

Wie lange soll die angestrebte Transformation der klassischen Kreditvergabe sowie des Leveraged Finance dauern?

Wir überstürzen nichts, wollen beides aber in einem überschaubaren Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren umsetzen. Dabei werden wir uns mit den bestehenden Kunden natürlich eng abstimmen.

Markus Beumer lockt Commerzbanker zu Oddo BHF

Aus dem Markt hört man, dass auch ehemalige Commerzbanker ins Team von Oddo BHF stoßen sollen. Richtig?

Das ist alles sehr überschaubar, konkrete Namen möchte ich aber nicht nennen. Zudem geschieht das in einem Rahmen, der der Commerzbank nicht wehtun dürfte, weil es sich nur um wenige Personen handelt. Insgesamt sind 600 Mitarbeiter in meinem Bereich tätig, davon sind zwischen 50 und 60 Personen im Corporate Finance beschäftigt, etwas mehr als die Hälfte in Frankreich.

Die Schwestergesellschaft Oddo Seydler soll verkauft werden, im Markt kursieren bereits die Namen einiger Interessenten. Wie ist der Stand der Verhandlungen?

Hier ist es so, dass wir das Corporate-Finance-Geschäft sowie Equity Sales, Research und Fixed Income in Oddo BHF integriert haben. Das Designated Sponsoring sowie Fixed Income Trading ist bei Seydler verblieben. Zu Verkaufsgerüchten möchte ich mich nicht äußern. Oddo Seydler ist Teil der Gruppe.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

„Oddo Seydler ist Teil der Gruppe.“

Info

Banker-Wechsel, Restrukturierungen, angriffslustige Auslandsbanken: Alles Wichtige zum harten Kampf im deutschen Firmenkundengeschäft finden Sie auf der Themenseite.

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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