"Wir sind keinen Deut billiger als große Investmentbanken", sagt Sascha Pfeiffer von GCA Altium.

GCA Altium

07.11.16
Banking & Berater

„Das Modell Generalisten-M&A-Boutique ist tot“

Die deutsche M&A-Beratung Altium ist in der Investmentbank GCA Savvian aufgegangen. Board Member Sascha Pfeiffer erklärt im FINANCE-Interview, wie GCA Altium jetzt um Mandate buhlt – und warum Boutiquen ohne Spezialisierung ausgedient haben.

Die deutsche M&A-Boutique Altium ist in GCA Savvian aufgegangen. In einem so genannten Cold IPO haben die Altium-Partner ihre Anteile an der bislang inhabergeführten Beratung in Aktien der japanisch-amerikanischen Investmentbank eingetauscht, die an der Tokioter Börse notiert ist.

Altium und GCA Savvian haben den Deal im Frühjahr bekanntgegeben. Es ist eine von vielen Fusionen, die in diesem Jahr die Branche der M&A-Boutiquen durcheinandergewirbelt haben. Alle Zusammenschlüsse sind von der Notwendigkeit getrieben, dem Kunden plausibel zu machen, auch Transaktionen über Landesgrenzen hinweg zu seinem besten über die Bühne bringen zu können.

Doch im technischen Detail unterscheiden sich die Deals. Während Altium das komplette Eigenkapital eingebracht hat, blieb dieses beim Beitritt von Angermann zur Oaklins-Kette unberührt. Und das Münchener M&A-Berater-Urgestein Melville Mummert hat seine Anteile an der eigenen Boutique in einem Cash-Deal an den US-Finanzkonzern Raymond James verkauft.

M&A-Berater Sascha Pfeiffer: Ohne Sektorfokus geht es nicht mehr

„Wenn Anteilseigner zu Angestellten werden, geht das selten gut“ – so sieht Sascha Pfeiffer die Vorteile eines Equity Mergers. Pfeiffer kommt von Altium-Seite. Aus dem Münchener Büro leitet er als Managing Director die Beratung von Tech-Deals in Europa und sitzt als einziger Deutscher im Board von GCA Savvian. „Neben der Motivation betrifft das den Auftritt beim Kunden: Ist man nicht im Equity, wird man nicht als Unternehmer wahrgenommen, ist also aus Sicht eines Mittelständlers nicht auf Augenhöhe.“

Altium hatte im vergangenen Jahr einen Honorarumsatz von 60 Millionen Euro, der fusionierte Konzern wäre auf rund 160 Millionen Euro gekommen. GCA Altium – unter diesem Markennamen tritt die Beratung in Europa seit der Fusion auf – positioniert sich als Berater für Wachstumsunternehmen. Neben Technologie und Internet ordnet die Boutique in diese Definition auch schnell wachsende Unternehmen aus den Branchen Healthcare, Konsumgüter und Industrie ein.

Ein Fokus auf bestimmte Sektoren oder Nischen sei unbedingt nötig, um am umkämpften Markt für M&A-Beratungen zu bestehen, glaubt Pfeiffer: „Das Modell Generalisten-Boutique ist tot.“ Sowohl Konzerne als auch Mittelständler hätten ihre  M&A-Kompetenzen ausgebaut  und würden damit oft das Kenntnisniveau von nicht spezialisierten M&A-Boutiquen übertreffen. „Darum bauen viele Spieler ihren Sektorfokus aus. Um das sinnvoll zu tun, muss man ab einer bestimmten Dealgröße global aufgestellt sein – eben weil der Sektor sich nicht nach geografischen Grenzen definiert.“

GCA Altium ist „keinen Deut billiger als Investmentbanken“

Allein über billige Gebühren zu konkurrieren, ist aus Pfeiffers Sicht dagegen kein Modell. „Wir sind keinen Deut billiger als große Investmentbanken“, sagt er. GCA Altium glaubt, sich das leisten zu können, da das Haus vom allgemeinen Rückzug der Banken aus der Fusionsberatung unterhalb der ganz großen Tickets profitiere: „Die Großbanken sind seit der Finanzkrise am deutschen M&A-Midmarket deutlich weniger zu sehen“, sagt Pfeiffer.

GCA Altium plant, diese Lücke zu besetzen und die Teams in den deutschen Büros in Frankfurt und München weiter wachsen zu lassen. Das soll allerdings nicht durch Zukäufe geschehen, sagt Pfeiffer: „In Deutschland verfahren wir nach dem Modell der Zellteilung. Das heißt: Wir lassen unsere Teams organisch wachsen, indem wir die Sektor-Spezialisierungen vertiefen. Für Technologie hatten wir zum Beispiel zuerst nur einen Managing Director im deutschsprachigen Raum. Dann hatten wir einen für Software und einen für B2B-Internetunternehmen. Mittlerweile sind wir vier Managing Directors im Bereich Technologie und Internet, und die jeweiligen Fachgebiete sind noch spezifischer.“

In anderen Ländern dagegen setzt GCA Altium auf anorganisches Wachstum: „In Frankreich, Benelux, Skandinavien und den Niederlanden können wir uns sehr gut vorstellen, kleinere Teams zuzukaufen.“

Altium hat mit Fusion „das Problem der Generationenübergabe gelöst“

Neben der Aussicht auf Cross-Border-Deals hat der Zusammenschluss mit dem großen Partner für die Altium-Partner einen ganz bestimmten Vorteil, sagt Sascha Pfeiffer: „Mit der Fusion haben wir das Problem der Generationenübergabe gelöst.“

Was er damit meint: „Wenn jetzt Kollegen aussteigen wollen, können sie einfach ihre Aktien am Markt verkaufen. Und ein junger Partner kommt durch ein Optionsprogramm herein, anstatt einen Senior-Kollegen finden zu müssen, der ihm Anteile verkauft. Früher war es dagegen so, dass ausscheidende Partner immer gefühlt zu billig verkauft und Nachwuchspartner immer gefühlt zu teuer gekauft haben.“

Pfeiffer selbst dürfte diese Änderung allerdings erst einmal nicht tangieren: Der 42-Jährige wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch den einen oder anderen Deal beraten, bevor er in Rente geht.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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