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09.05.16
Banking & Berater

M&A-Berater Altium fusioniert mit GCA Savvian

Altium fusioniert mit der Investmentbank GCA Savvian. Das neue Unternehmen will nun auch größere Deals ins Visier nehmen, verrät Altium-Partner Martin Kühner.

Die Fusionswelle unter den M&A-Beratungshäusern rollt weiter: Das M&A-Beratungshaus Altium und die US-Investmentbank GCA Savvian schließen zusammen, wie die beiden Unternehmen heute bekanntgegeben haben.

Das neue Unternehmen wird rund 370 Mitarbeiter beschäftigen und einem Honorarumsatz von mehr als 185 Millionen US-Dollar (rund 160 Millionen Euro) erwirtschaften. Altium ist dabei die kleinere Partei und bringt 110 Mitarbeiter bei einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro in die Fusion mit ein. Diesen Umstand reflektiert auch auch die neue Aktionärsstruktur: Altium wird 30 Prozent an der neuen Gesellschaft halten.

Das fusionierte Unternehmen wird global unter dem Namen GCA auftreten, in Europa firmiert es unter GCA Altium. „Dass unser Name weiterhin in der Firmierung auftaucht, war für uns ein wichtiger Punkt in den Verhandlungsgesprächen“, sagt Martin Kühner, Managing Director im Münchener Büro von Altium gegenüber FINANCE. Es handele sich dabei nicht nur um eine Übergangsphase – Altium werde auf „unbestimmte Zeit“ Teil des Unternehmensnamens bleiben.

GCA Altium nimmt größere Deals in Visier

Für das Deutschlandgeschäft wird sich zunächst nicht viel ändern. Beide Standorte in München und Frankfurt bleiben erhalten, alle Mitarbeiter bleiben an Bord, sagt Kühner. Denkbar sei allerdings, dass das neue Unternehmen auch größere Transaktionen ins Visier nehmen wird. Bisher war Altium im Wesentlichen auf Mid-Cap fokussiert. Beispielsweise mit der Beratung von CVC bei dem Kauf von Douglas war Altium aber auch im Bereich größerer Deals schon tätig.

Bereits Anfang des Jahres kursierten im Markt Gerüchte, Altium befände sich in Gesprächen mit einem Fusionspartner. Auf Anfragen von FINANCE hielt sich das Unternehmen damals aber noch bedeckt: Man erhalte „seit vielen Jahren regelmäßig strategische Anfragen von allen möglichen Seiten bezüglich Kooperationen, Kauf, Fusion“, sagte damals Managing Director Johannes Schmittat (die ausführliche Geschichte in FINANCE-Print 1-2016, das Sie hier als E-Paper beziehen können). 

Altium: Fusion statt Kooperationen

Mit der Fusion will Altium nun die US-amerikanischen und asiatischen Märkte besser erschließen, während GCA Savvian, die bislang keine Büros in Europa hatten, sich einen Zugang zu europäischen Märkten verschaffen will, erklärt Martin Kühner. GCA wird mit London, Manchester, Frankfurt, München, Zürich, Mailand, Tel Aviv, San Francisco, New York, Tokio, Osaka, Shanghai, Singapur und Mumbai künftig an 14 Standorten in zehn Ländern vertreten sein.

Altium hatte bisher in Indien, China und Nordamerika strategische Kooperationen, aber keine eigenen Büros. „Mit der Fusion werden wir aber einen wesentlich besseren Zugang in diese Märkte haben und können unseren Kunden die Internationalität bieten, die sie wünschen“, sagt Sascha Pfeiffer, Board Member und Managing Director des Frankfurter Büros gegenüber FINANCE.

„Wir haben schon länger überlegt, uns globaler aufzustellen und standen mit mehreren globalen Investmentbanken im Gespräch“, sagt Sascha Pfeiffer. Die Fusion mit GCA Savvian sei ein „perfektes Match“, vor allem weil die Branchen, in denen beide Unternehmen unterwegs sind, gut zueinander passen. Das neue Unternehmen wird in den Bereichen Technologie, Digitale Medien, Telekommunikation, E-Commerce, Consumer Goods & Retail tätig sein.

Fusionswelle im Markt für M&A-Berater

Die Fusion von Altium und GCA Savvian reiht sich in viele andere Fusionen zwischen M&A-Boutiquen ein, die alle das gleiche Ziel haben: Das Geschäft mit grenzüberschreitenden M&A-Deals voranbringen. Wer heute nicht international aufgestellt ist, hat kaum Chancen bei globalen Mandaten. Zuletzt hatten sich beispielsweise die M&A-Berater von @visory mit Clearwater zusammengeschlossen, die N+1-Gruppe fusionierte mit Downer und die Investmentbank Houlihan Lokey hat das Investmentbanking-Geschäft von Leonardo & Co. in Deutschland übernommen.

Nicht alle M&A-Häuser gehen gleich den Schritt einer Fusion, manche schließen sich lieber internationalen Netzwerken an. Im Vergleich zu einer Fusion hat das allerdings den Nachteil, dass die Beratungshäuser nicht mit ihrem eigenen Namen in anderen Märkten aktiv sind, sondern sich über Netzwerk-Mitglieder vertreten lassen. „M&A International ist keineswegs nur eine lose Verbindung. Organisatorisch unterscheiden wir uns nicht groß von den Big-Four-Wirtschaftsprüfern“, hielt Hans Bethge, Chef von M&A International kürzlich bei FINANCE-TV dagegen. Andere bleiben skeptisch: M&A-Netzwerke funktionieren nicht, sagte Wolfram Schmerl, Deutschlandchef von N+1, bei FINANCE-TV. „Als ich in einem M&A-Netzwerk gearbeitet habe, haben wir keine einzige Transaktion erfolgreich gemeinsam abgeschlossen.“

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Normalerweise regeln M&A-Berater Fusionen und Übernahmen für andere Branchen - jetzt sind die Boutiquen selbst im Fusionsfieber. Alles zu dem Trend finden Sie auf unserer Themenseite M&A-Berater.